2011: 016) San Esteban de Leces – Sebrayo


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16. Tag – Donnerstag, 21.7.2011

von San Esteban de Leces nach Sebrayo; 28 km; 550 Hm

Morgens sah es ja noch ganz manierlich aus. Aber es wurde ein Horrortag. Am Ende hätte ich fast vor Verzweiflung geheult. Aber jetzt geht es schon wieder. Bis Colunga bin ich mit R. und C. gelaufen. Arme R. Ich glaube, ich habe ihr einen Knopf an die Backe geredet. Aber es kamen verschiedene Dinge zur Sprache und ich habe wichtige Sachen gehört/gelernt. Ich denke zu viel. Ich soll einfach machen. Wenn sich die Leute gestört fühlen, können sie ja was sagen. Hm, habe ich schon öfter gehört. Ich wäre schon deutlich ruhiger und gelassener geworden. Ja, das stimmt. Ich kenne mich mit einigen Sachen besser aus. Ich kann besser einschätzen, wozu ich in der Lage bin, was ich mir zumuten kann. Aber eigentlich mute ich mir ja doch mehr zu, als ich es mir vorgenommen hatte. Mal schauen, ob ich daran noch was ändern kann. Ich habe gesagt, dass ich gar nicht weiß, woher unser Sohn seine Fähigkeiten in sozialer Kompetenz hat. Sie meinte, ich hatte sie wohl in mir, würde mich aber eben nicht trauen. Wie nett. Also nächste Aufgabe; Mehr trauen. Aber nicht zu viel auf einmal. Einfach (?) darauf vertrauen, dass es schon passieren wird. C. hatte wohl eine schwere Kindheit. Er hat so Andeutungen gemacht. Aber ich meinte dann, dass es uns auch die Kraft gegeben hat, so etwas durchzustehen. Mit R. ging es dann um die vielen Päckchen und Schubladen, die rumstehen, überquellen und darauf warten, geleert zu werden. Noch hoffe ich, dass mir das zumindest mit einigen der Päckchen gelingt. Aber auch hier: Darauf vertrauen, dass es passiert. Heraufbezwingen kann man es wohl nicht (siehe Traum in Llanes). Mit R. ging es auch um ein paar religiöse Überlegungen, warum ich den Weg gehen und das Buch von Kerkeling. Ihr Thema auf dem Weg waren wohl die schnorrenden Jugendgruppen und das Auseinanderfallen einiger Wandergruppen. Das mit den Jugendgruppen hat mich zwar auch geärgert (z. B. Zenarussa), aber es hat mich dann nicht weiter tangiert. Aber das immer wieder mit neuen Leuten in Kontakt zu treten und das Gehenlassen lieb gewordener Mitlaufender ist bei mir schon ein großes Thema. Eigentlich habe ich heute alle verloren, die ich kennen gelernt und lieb gewonnen habe. B. ist irgendwo – wer weiß wo. A. ist heute nach Gijon gefahren. R. und C. sind in Calunga geblieben und fahren morgen nach Hause. M., der lange Niederländer wird morgen auf den Camino primitivo schwenken. Welche Leute mich wohl ab Gijon erwarten? Ich muss es einfach abwarten und mich überraschen lassen. In allen größeren Städten steigen wohl neue Leute in die Wanderung ein. Naja, und neben diesen ganzen Abschieden gab es heute auf dem Weg viel Regen. C. war recht schlechter Laune deswegen. Ich habe es immer wieder mit ein paar Aufmunterungen versucht. Er nannte es optimistisch. Naja, es war bleibt einem auch Anderes übrig, als die aktuelle Situation zu ertragen und auf Besserung zu hoffen, ja sogar zu vertrauen. Es kann ja nicht ewig regnen. Allerdings gab es viele Strecken, die absolut morastig waren. Das war sehr anstrengend. Die Schuhe sehen aus!! Und es war teilweise auch gefährlich. Als ich endlich an der Herberge war, hatte ich zumindest gesehen, dass es noch freie Plätze gab. Aber ich sollte wohl zum Haus 7 gehen, um mich anzumelden. Hier ist 21. Wo sollte ich also Haus 7 finden? Ich war einfach am Ende. Aber ich habe es recht schnell gefunden. Die Verwalterin ist sehr nett. Nach einer ausgiebigen (eigentlich soll man wegen Wasserknappheit nur kurz duschen) Dusche, etwas Essen, etwas Ausruhen und zwei Tassen heißen Kaffee aus übrig geblieben Resten in der Küche geht es mir doch wieder recht gut. Nur mein rechter Fuß macht mir etwas Sorge. Die Enden der Sehnen von den einzelnen Zehen tun ziemlich weh. Das war eigentlich gestern schon. Wenn ich dann eingelaufen bin, geht es. Aber die 11 km, nachdem ich mich von R. und C. getrennt hatte, waren echt schlimm. Mal schauen, wie es morgen wird. Vielleicht komme ich dann doch nicht bis Gijón. Aber sowas ist ja eingeplant. R. war ja der Meinung, dass B.s Schwierigkeiten keine physischen, sondern psychische waren. Und wenn er seine Probleme bearbeitet hätte, könnte er auch weitergehen. Ob das mit dem Fuß jetzt auch irgendwas Psychisches ist? Was mit Trennung/Vertrauen oder so?


weiter mit Sebrayo – Gijon


 

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