2011: 018) Gijon – Aviles


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18. Tag – Samstag, 23.7.2011

von Gijon nach Aviles; 24 km; 320 Hm

Zu gestern muss ich noch etwas ergänzen. Ich bin an Brombeeren vorbeigekommen. Nicht viele, aber immerhin. Alle, die an mir vorbeigekommen sind, haben irgendwelche Bemerkungen gemacht. Ob ich Hunger hätte, guten Appetit etc. In der Bar gestern schien es Etliches umsonst gegeben zu haben. Auf dem Tresen  stand eine Schüssel mit Knickeiern. Jeder nur eins. Aber ich konnte nicht erkennen, ob sie roh oder gekocht waren. Ein spanischer Mitlaufender hatte sich eins genommen. Und siehe da, es war gekocht. Also habe ich mir auch eins geholt. Dann wollte ich zu meinen Kaffee zwei so kleine Schnittchen mit Tortilla-Häppchen. Die Bardame sagte irgendwas, aber ich habe es nicht verstanden. Letztlich schob sie sie mir auf einem Teller rüber. Etwas später sah ich, dass ein anderer Mitlaufender so ein Teil einfach in der Hand hatte. Und da ich für alles ja nur 1,20 € bezahlt hatte, denke ich mal, dass die Teile auch kostenlos waren. Nett.

Meinem Fuß ging es heute morgen ganz gut. Zumindest war er nicht mehr dick. Aber ich brauchte doch lange, um mich so einzulaufen, dass es nicht weh tut. Und die letzten 8 km waren echt nicht einfach. Er ist wieder etwas dick und unter auch ein wenig blau. Das ist dann wohl, wenn der Schuh durch das Anschwellen zu eng wird. Aber egal wie und was – ich brauche mehr Ruhe. Als ich gestern mein Foto geknipst habe, dachte ich, dass ich ganz schön fertig aussehe. Ich muss mich besser um mich kümmern. Heute habe ich unterwegs ein wenig über meine Mutter nachgedacht. Ich denke, auch sie muss ich laufen (gehen) lassen, genauso wie meinen Vater und überhaupt den Gedanken, eine Ursprungsfamilie zu haben. Das alles kann ich aber nur in Ruhe aufschreiben. Die habe ich hier leider nicht. Ich muss also sehen, dass meine jetzige Familie eine gute Familie wird. Und da sie so klein ist, muss sie durch gute Freunde angereichert werden. Heute habe ich mir einen ausgiebigen Brombeerschmaus geleistet. Die Gegend hinter Gijón und vor Aviles war natürlich nicht so schön. Es gab ein paar interessante Dinge, aber eben wieder auch viel Straße. Und das mit dem Fuß war schon öde. Ich hatte auch keine Vorstellung, wie aussichtsreich es sein würde, in Aviles ein Bett zu bekommen. Gut, im Zweifel kann ich auf dem Fußboden schlafen. Aber so schön ist das nicht. Ich hatte gehört, dass viele mit dem Zug von Gijón nach Aviles fahren wollten. Und es hatten mich jede Menge Fahrradpilger überholt. Das würde ich ja schon unfair finden, wenn man als später kommender Fußpilger kein Bett mehr bekommt, weil alle durch Zug- oder Radfahrer belegt sind. Aber dieses Problem ergab sich nicht. Es waren erst ganz wenige Leute da. Ich habe sogar ein einzeln stehendes Bett bekommen. A. war vor zwei Tagen hier. Sie muss also von San Pedro direkt nach Aviles gefahren sein. Eigentlich wollte sie sich ja Gijón ansehen Aber vielleicht hat sie ja beides gemacht. B. habe ich in dem Buch nicht gefunden. Entweder er ist noch weiter gefahren oder doch auf den Camino primitivo abgezweigt. Beides wäre sehr schade. Wenn er auf dem Primitivo ist, habe ich überhaupt keine Chance mehr, ihn zu treffen. Außer am 4. oder 5.8. in Santiago. Wenn er weiter als Alives gefahren ist, werde ich ihn kaum noch einholen, weil ich jetzt definitiv etwas kürzer treten möchte, um mehr Zeit und Muße für meine Gedanken zu haben. Aber ich glaube, die „Rennstrecken“ mussten sein für das Gefühl der eigenen Stärke und um ggf. einiges an Schutt abzuschütteln, um nun an andere Dinge heranzukommen. Aber ich muss zusehen, wieder sinnvoller zu essen, mich also besser um mich selbst kümmern.


weiter mit Aviles – Soto de Luina


 

4 Gedanken zu “2011: 018) Gijon – Aviles

  1. Mitten in eine Etappe deines Weges gesprungen…Schöner oder besser ausgedrückt, interessanter wird es sein von Anfang an zu lesen. Der Jakobsweg fasziniert mich schon lange und ich mag die Art wie du hier über deinen Weg schreibst. Ich werde mir deine Seite (auf der es sicher noch viel interessantes zu entdecken gibt) merken und gerne wieder kommen und weiter lesen.

    Liebe Grüße

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