2011: 019) Aviles – Soto de Luina


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19. Tag – Sonntag, 24.7.2011

von Aviles nach Soto de Luina; 42 km; 950 Hm

Ich brauche unbedingt Zeit, um alles aufzuschreiben. Zentrales Thema wieder das Kümmern um mich selbst. Aber erstmal noch was zu gestern. Ich war bei der Messe. Sie war richtig schön. Zuerst gab es wieder so eine Lobpreisung für Maria Magdalena. Dann kamen sieben Mönche, drei in weiß mit Kreuz und zwei Kerzen und vier in grün. Sie haben wieder viel gesungen. Der „Oberste“ hatte wohl 50jähriges Berufsjubiläum und bekam deswegen eine besondere Rede. Danach habe ich mich getraut hinzugehen und um den Segen für den Weg zu bitten. Aber er hat mich nicht verstanden. Irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass er mich nicht verstehen wollte. Ich war maßlos enttäuscht und hätte echt heulen können. Mir standen die Tränen auch schon in den Augen. Ich bin also zurück in die Herberge. Hinsichtlich der gegenseitigen Rücksichtnahme ist es schon etwas schwierig. Irgendjemand will immer schlafen. Aber irgendwann muss man doch ml ein- bzw. auspacken. Und um 5:00 stehen die Ersten wieder auf. Heute wollte ich definitiv nur die halbe Etappe machen Da war auch ein Hotel, das Spezialpreise für Pilger anbot. Und es wurde an verschiedenen Stellen dafür geworben. Also hatte ich mir das schon so schön vorgestellt. Zeitig im Hotel, eine gute Dusche oder gar ein Bad und in aller Ruhe ausruhen und schreiben. Außerdem wollte ich meinem Fuß etwas Ruhe gönnen, weil er ja doch ziemlich weh tut. Es wird zwar nicht schlimmer, aber auch nicht besser. Leider war das Hotel voll und es kam danach auch nichts mehr. Vorher hatte ich ein paar Möglichkeiten zu fragen ausgeschlagen, weil ich gern in das Hotel wollte. Was das überheblich? Was das eigensinnig? Irgendwann merkte ich also, dass ich also doch wieder 40 km laufen muss. Und ich war kräftemäßig gar nicht darauf eingestellt. Das war schon blöd. Und dann wurde der Weg wieder schlammig und es gab eine Umleitung wegen des Autobahnbaus, die aber auch im Führer beschrieben ist. Aber so an der Baustelle ging es geröllig völlig gefährlich bergab. Ich war so sauer. Und ich habe auch völlig in Frage gestellt, dass der Camino für einen sorgt. Wenn ich mich nicht selbst um mich sorge, wird es auch der Camino nicht tun. Wenn ich mich selbst um mich kümmere, wird er mich vielleicht unterstützen. Am Vormittag hatte ich mir beispielsweise zwei große Brombeermahlzeiten gegönnt. Aber die hatte ich zu dem Zeitpunkt schon wieder vergessen. Irgendwie habe ich es dann doch bis Soto de Luna geschafft. Es gab sogar  noch ein freies Bett unten. Man musste sich in einer Bar anmelden. Die Dame dort war voll nett. Ich habe einen Cafe con leche bestellt. Sie fragte, ob er groß sein soll. Da meinte ich: „Ja, sehr groß!“ Da musste sie lächeln. Ich habe mich dann zu den beiden Franzosen gesetzt. Damit ging es mir schon was besser. In der Herberge war die Atmosphäre ganz nett. Es gab interessante Gespräche. Be. und Cl. haben viel über Religion gesprochen. Ich habe mich ein wenig beteiligt. Dann sind das italienische Pärchen und vier spanische Jungs zum Abendessen gegangen. Da habe ich mich angeschlossen. Es war ganz nett, auch wenn es nicht zu sehr vielen Gesprächen kommen konnte. Aber ich fühlte mich irgendwie unter meines Gleichen. Ergo: Kümmere Dich um Dich selbst, dann hilft Dir der Camino! War nicht MDs Konfirmationsspruch so ähnlich? Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott? Nein, ich glaube es war doch was Anderes: Alles ist möglich dem, der da glaubt? Oh, ich weiß es einfach nicht mehr.


weiter mit Soto de Luina – Cadavedo


 

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