2011: 024) Tapia de Casariego – Gondan


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24. Tag – Freitag, 29.7.2011

von Tapia de Casariego nach Gondan; 34 km; 710 Hm

Heute ist ein sehr interessanter Tag. Die nächste Herberge war in Ribadeo, aber das waren nur ca. 14 km. Die dann nächste Herberge war ca. 20 km weiter. Also würden es 34 km werden. Das ist schon eine Menge. Und die Angaben darüber, wie viele Betten die Herberge hat, schwanken dich erheblich: 14, 16 oder 30. Naja, im Zweifel kann ich ja auch auf dem Boden schlafen. Ich bin also kurz vor 7:00 los. In Ribadeo habe ich gefrühstückt. Allerdings gab es in der Bar nichts zu essen. Der folgende Brotladen sah etwas leer aus. Aber es hätte durchaus etwas gegeben. Ich habe mal wieder gedacht, dass noch später einer kommen wird. Pustekuchen. Naja, was soll’s. Laut meinem Heftchen sollte nach ca. 12 km eine Bar kommen. Da wollte ich gern noch einen Kaffee trinken, um die restlichen 10 km in Angriff zu nehmen. Doch es gab keine Bar. Also habe ich mich an das Kirchlein gesetzt und ein bisschen was gegessen. Ein Mann kam vorbei, der mir den Weg und die folgenden Herbergen erklärt hat. Dann haben sich zwei ältere Damen aus einiger Entfernung mein Picknick angeschaut und merkwürdig getuschelt. Auf mein Winken haben sie nicht reagiert. Dann begann der Aufstieg. Ja, er war ein wenig steil und lang. Aber da sind wir ja vom Anfang des Weges ganz Anderes gewohnt. Die Herberge lag ziemlich einsam und verlassen da. Im Erdgeschoss gibt es einen Aufenthaltsraum. Der war zugeschlossen. Aber der Schlafraum im 1. Stock war offen. Also bin ich rein. Sieht gar nicht mal schlecht aus. Es gibt unten zwei relativ neue Duschen. Das Wasser ist schön warm. Die Toiletten sind separat, sehen aber auch okay aus. Nun sitze ich ja schon eine Weile hier. Es ist ein deutsches Pärchen vorbeigekommen, das ich noch nie gesehen habe (ich glaube, das waren die, die unterwegs aus einen Garten Erdbeeren geklaut haben; das muss man sich mal vorstellen). Die sind aber weiter, weil sie für sie ein Antiallergikum brauchen. Dann sind 4 Spanier gekommen, die ich schon von Cadavedo (und z. T. davor) kannte. Sie kamen von Ribadeo und wollten einfach noch etwas weiter. Irgendwie bekam ich schon das Zweifeln, ob an der Herberge irgendwas ist. Aber vielleicht ist sie wirklich nur ungünstig gelegen. Etwas kurz für Ribadeo, etwas weit für Casariego. Auch im Herbergsbuch stehen immer nur sehr wenige Leute.

Jetzt ist ein Franzose gekommen, der auch in Casariego war. Aber ganz French-like kann er kein Wort „Ausländisch“. Und mein Französisch ist ja nun noch schlechter als mein Spanisch, wenn da überhaupt von Können gesprochen werden kann.

Beim Laufen gehen mir immer wieder dieselben Lieder im Kopf herum. Das eine konnte ich möglicherweise heute zuordnen. Das andere noch nicht: Rauch steigt vom Dach auf, das kann heißen, da ist Leben… Aber vielleicht gibt es dazu demnächst auch noch eine Assoziation. Heute fiel mir etwas ein zu: Wir haben selbst erfahren der Arbeit Frongewalt in düstren Kinderjahren und wurden früh schon alt. Sie hat an unsrem Fuß geklirrt, die Kette, die nur schwerer wird… Ich hatte ja auch schon mal geschrieben, dass ich Auslauf brauche. Das hat ja auch was mit angekettet sein zu tun. Und am Fuß, der nun von der Kette so weh tut? Und wer oder was ist angekettet? Der Schmetterling am Löwen? (Habe eine Schmetterlingsfahne von einem Kinderfahrrad gefunden.) Der ungute Teil meiner Kindheit an mir? Die Kleine, die spielen, malen, tanzen und lachen will, an der Großen, die immer nur arbeitet? Ich habe der Kleinen versprochen, dass ich versuchen werde, sie zu beschützen und lieb zu haben. Okay, ich habe ihr versprochen, dass ich es tun werde, nicht dass ich es nur versuchen werde. Aber schaffe ich es denn, mich um mich zu kümmern, mich zu beschützen und lieb zu haben? Naja, vielleicht geht das dann ja gemeinsam. Ich habe dazu auch Bilder im Kopf. Ob ich die aber so aufs Papier bringen kann, weiß ich noch nicht.

Im Traum habe ich wieder recht intensiv mit jemandem gekuschelt. Es war MD und auch wieder nicht. Irgendwie mussten wir Sachen packen und los, aber ich bin wieder nicht fertig geworden. Er meinte dann irgendwann, ob ich eifersüchtig auf mich selbst wäre. Hm, das ist schon ein wichtiger Punkt. Inzwischen ist noch einer angekommen, der auch schon in Almuña war. Aber er ist sofort ins Bett. Es ist zwar hier absolut ruhig und „tote Hose“, aber so konnte ich in Ruhe schreiben und zeichnen.

Bloß gut, dass A. ihre Geschichte vom Mitnehmen vor Gijon erzählt hat. Heute ist mir Ähnliches passiert. Es waren nur noch wenige km bis zur Herberge. Von hinten kommt ein Auto. Ich gehe also etwas nach rechts ran. Er hält und bietet mir an, mich mitzunehmen. Aber ich habe direkt gesagt: „Gracias, no necesito!“ Erst hinterher ist mir A.s Geschichte wieder eingefallen. Bloß gut. Naja, ich will ja sowieso die ganze Strecke laufen und weder Zug noch Bus noch per Anhalter fahren. Vielleicht hatte auch das mir in diesem Moment geholfen. Als mir die eigentliche Gefahr so richtig bewusst wurde, habe ich noch eine Weile ganz schön hinter ihm hergeschimpft. Bloß gut, dass das keiner gehört hat – hoffentlich zumindest. Aber ich habe auch gesagt: „Und führe mich nicht in Versuchung.“


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