2011: 026) Gontan – Vilalba


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26. Tag – Sonntag, 31.7.2011

von Gontan nach Vilalba; 19 km; 275 Hm

Heute Nacht habe ich geträumt. Ich musste wieder einen Test schreiben. Es ging um den Inhalt eines Buches, das ich aber noch nicht zu Ende gelesen hatte. Es wurde aber nach kleinsten Details gefragt. In welchem Kapitel etwas war, wer diese Knöpfe getragen hat etc. Ein Lernkumpel wusste das anscheinend, ließ mich aber nicht abschreiben. Also, Kumpel besser aussuchen. Das Buch? Vielleicht die Bibel? Ich war gestern noch in der Messe mit S. (eine Schwedin) und der einen Polin. Sie haben sich dann über verschiedene Gebräuche unterhalten. Aber ich habe da ja von nichts eine Ahnung. Und ich habe irgendetwas von einer Veranstaltung mit den Russen geträumt. H.s waren beide da. Sie wollte, nein sie drängte sich wieder mit irgendwas nach vorn. Ich meinte zu ihr, dass nicht einfach nur, weil sie von der Uni wäre, alles automatisch besser wäre, was sie macht. Ich glaube, hierzu braucht es keine weiteren Interpretationen.

Die Etappe heute war kurz. Aber entweder werden die nächsten zwei ziemlich lang oder die nächsten drei auch sehr kurz. Ich bin mir noch nicht schlüssig. Schließlich habe ich genug Zeit. Wieso soll ich mich also eilen? Und ich habe es heute so genossen, durch die Gegend zu bummeln. Aber ich fürchte, ich bin noch nicht so weit. Ich werde wohl nach Baamonde weitergehen und versuchen, was zu finden. Dann würden es ca. 30 km und überborgen auch. Wenn ich nichts finde, muss ich bis Miraz, dort sicher auf dem Boden schlafen und dann sind es 37 km. Naja, wir schauen mal. Die Strecke heute hat meinem Fuß wieder gut getan. Er ist nun fast gar nicht mehr dick und tut nur noch wenig weh. Das ist wirklich faszinierend. Da es heute so eine Bummelstrecke war, war ich gar nicht so durchgeschwitzt und hab deswegen auch nicht Wäsche gewaschen, obwohl die Gelegenheit super günstig war. Aber wieso soll ich was tun, was nicht so nötig ist, nur weil es günstig ist. Ich ziehe morgen einfach nochmal diese Klamotten an. Und dann sehen wir weiter. Dieser komische Fußmassagetyp ist wieder aufgetaucht. Ich frage mich echt, wie er das gemacht hat. Er ist bestimmt mit Bus/Bahn gefahren. Und ich hatte mich schon so gefreut, ihn los zu sein. Nun schläft er auch noch schräg gegenüber von mir. Und bezahlt hat er auch nicht, hat den Hospitaliero einfach bequatscht. I. und ihr Freund sind nicht aufgetaucht. Ich hoffe inständig, dass sie in Gontan geblieben sind. Aber es sieht ja ganz so aus. Ich war mit S., der Schwedin essen. Wir haben Hamburger gegessen. Es war ein Fest. Und wir haben viel geredet. Ich denke, wir haben viel gemeinsam. Eigentlich hatte ich noch vor, Schuhe zu putzen. Sie sind jetzt bestimmt gut trocken. Aber wirklich Lust habe ich nicht und ich habe hier noch niemanden Schuhe putzen sehen. Der Franzose ist wieder aufgetaucht. Seinem Fuß geht es wohl wieder besser. Er fragte auch, wie es mir ginge. Ich meinte: „Gut!“ Ja, mir würde es immer gut gehen, meinte er. Und auch das französische Pärchen habe ich wieder in einer Bar getroffen, in der ich gerade Mittagspause (oder Frühstück?) gemacht habe. Das ist schon witzig. Ansonsten habe ich darüber nachgedacht, dass ich nun bald in Santiago bin und dann alles vorbei ist. Das ist doch wirklich schade. Aber der aktuelle km-Stein meint, noch 123 km. Das geht schneller als man denkt, wenn man schon so viele km gelaufen ist. Was auch interessant ist: Ich bekomme viel Anerkennung, obwohl ich nichts extra dafür tue und sie eigentlich auch gar nicht will. Und andere strengen sich so an für jedes kleine Bisschen Aufmerksamkeit. So, nun ist aber der Brief (oder die Ansprache) an die kleine Belana fällig. Noch fällt es mir schwer, sie beim Namen zu nennen, aber das kommt sicher noch. Aber ich spreche unterwegs immer mal von „wir“.

Ich denke, dass ich mich mit den Ketten von dem bitteren Teil meiner Kindheit befreit habe. Den Rest möchte ich gern bewahren. Aber hier muss ich wohl noch ein wenig nachdenke, was genau begraben gehört und was bleiben soll. Begraben heißt ja nicht vergessen. Aber es muss einen nicht laufend wieder neu quälen. Es ist dann abgeschlossen. Dieser blöde Therapeutentyp wollte unbedingt in meinen Skizzenblock gucken. Ich war gerade bei der Zeichnung mit dem Begraben. Das geht den gar nichts an. Ich finde das ziemlich übergriffig. Ich habe den Block zugemacht. Er hat bloß gegrinst. Aber zum Grinsen war das nun wirklich nicht. Aber ich muss auch lernen, mit so etwas umzugehen.


weiter mit Vilalba – Miraz


 

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