2011: 029) Sobrado dos Monxes – Pedrouzo


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29. Tag – Mittwoch, 3.8.2011

von Sobrado dos Monxes nach Pedrouzo; 36 km; 350 Hm

Ich habe wirres Zeug geträumt. Es ging um Übernachtungen, aber irgendwelche Leute wollten mich nicht lassen. Also habe ich schlecht geschlafen. S. hat mich 6:30 geweckt. Das war gut. Wir wollten eine lange Strecke gehen und durch eine Abkürzung zwei Etappen mit einem Mal nehmen, auch um die Strecke auf dem Camino frances kurz zu halten. Diese ganzen Diskussionen über den Camino frances und die Herbergssituation dort und in Santiago haben mich ganz durcheinander gebracht. Außerdem ist Santiago so unreal. Ich weiß, dass mein innerer Weg noch lange nicht zu Ende ist, aber dieser physische Weg soll schon zu Ende sein? Das wollte ich wirklich nicht. Deswegen habe ich ernsthaft überlegt, heute einfach wieder zurückzulaufen. Naja, ganz so ernsthaft ja nicht. Es war schon klar, dass ich nach Santiago gehen würde. Das war schließlich das Ziel. Aber die Versuchung war sehr groß. Wir sind die Strecke gemeinsam mit S. gegangen. Von der Geschwindigkeit her hat das gut geklappt. Zum Schluss wäre ich vielleicht etwas zügiger gegangen. Aber S. hat viel erzählt. Mir wäre mehr Ruhe lieber gewesen. Bei Pausen oder beim Essen Suchen etc. ist sie etwas kompliziert. Da bin ich eher dabei, auch mal eine weniger gute Entscheidung hinzunehmen. Irgendwo haben wir G. und Sa. eingeholt. Ich hatte das Gefühl, dass sie das nicht so toll fanden. G. sagte auch so ein bisschen was von wegen „immer mit den gleichen Leuten“. Als wir links abbiegen mussten, sind sie geradeaus gegangen und haben gesagt, sie wollten eine Pause machen. Allerdings denke ich, dass wir sie erst kurz vorher deshalb eingeholt hatten, weil sie eine Pause gemacht haben. Ich habe mich schon ziemlich besch… gefühlt. Dabei hätte ich mir vorstellen können, noch vieles mit G. bereden zu können. Aber das sollte wohl nicht sein. Vielleicht bin ich ihr einfach zu schwermütig. Sie war doch sehr kontaktfreudig, hat mit allen geredet und gelacht und war insgesamt ein wenig laut. Als wir in Santa Irene angekommen sind, waren da noch Plätze frei. Wir haben aber entschieden, noch 3 lm weiterzugehen. Das hat den Vorteil, dass es nun nur noch 20 km sind bis Santiago. Ich kann es ja nicht glauben. Auf dem Weg sind wir an einem Info-Office vorbeigekommen. Dort konnte man Plätze in Santiago reservieren. Nun haben wir eine Unterkunft für 15 Euro pro Tag – für mich für zwei Tage. Das ist toll. Wir müssen morgen nur bis 15:00 da sein. Das ist aber kein Problem. Und es liegt am Weg nach Finisterre. Allerdings sind wir hier in keiner Herberge untergekommen, weder in der öffentlichen noch in den privaten. Wir sind in einem kleinen Hotel in einem Doppelzimmer mit Dusche auf dem Gang. Das ist pro Person 17,50 Euro. Ich finde das verhältnismäßig angemessen. Sabina lässt nun die ganze Zeit den Fernseher laufen. Okay, ich versuche, das nicht zu merken. Nachdem wir nach einem kleinen Essen zurückgekommen sind, war es doch recht müffelig bei uns. Nun haben wir das Fenster und die Tür offen. Anlässlich der langen Etappe und der Nähe Santiagos haben wir uns eine Flasche Wein gegönnt. Ansonsten genießen wir einfach, auf dem Bett zu sitzen, ohne irgendwo anzustoßen, ein frisches Frotte-Handtuch, saubere Bettwäsche und Ruhe. Wir haben uns ein bisschen über Santiago schlau gemacht und unsere Stempel verglichen. Auch wenn S. nicht unbedingt der Typ ist, den ich direkt als meine beste Freundin wählen würde, so lässt es sich doch mit ihr aushalten. Und morgen geht es nach Santiago. Es ist und bleibt unbegreiflich. Am Anfang waren noch so viele Etappen dazwischen. Da war natürlich klar, dass Santiago das Ziel ist, aber es war so weit weg. Und nun ist es gleich nebenan. So irreal, so unglaublich.


weiter mit Pedrouzo – Santiago


 

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