2011: 031) ein Tag in Santiago


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31. Tag – Freitag, 5.8.2011

ein Tag in Santiago

Gestern habe ich noch eine Weile auf dem Platz vor der Kathedrale gesessen. Das ist schon beeindruckend. Aber ich habe mich eher wie ein Zuschauer als ein Teilnehmer gefühlt. Okay, ich habe auch etwas abseits gesessen, aber nach mittendrin sitzen war es mir irgendwie gar nicht. Gut: Kontakte/Beziehungen eingehen ist definitiv Aufgabe für einen nächsten Camino. Diesmal war erstmal der Kontakt zu mir selbst dran. Und da ich die kleine Belana gefunden habe und sie loslösen konnte, habe ich hoffentlich einen guten Schritt dahin getan. S. hat mich gestern Abend noch ganz schön abblitzen lassen. Sie hat eine Schwedin kennengelernt und dann im Grunde nur noch schwedisch mit ihr gesprochen. Aber auch in einem Talk auf englisch mit einem Spanier bin ich gar nicht zu Wort gekommen. Sie ist dann gegen 2:00 ins Bett gekommen. Ja, das ist alles völlig okay. Ich wusste heute morgen nur nicht so genau, was ich machen sollte. Sie zu wecken war ja sicher nicht angesagt. Also bin ich zum Bahnhof in der Hoffnung, mein Zugticket von Irun nach Hause zu buchen. Also, dass sich die Organisation der Rückreise als so kompliziert erweisen würde, hätte ich nicht gedacht. Gestern im Reisebüro die waren ja nicht gerade kreativ bei der Suche nach Lösungen. Außer Flugzeug fiel ihnen nichts ein. Sie haben mir ja nichtmal gesagt, dass es auch einen Zug von Santiago nach Irun gibt. Auch nach dem Bus musste ich fragen. Und heute am Bahnhof war nur ein Ticket Irun (Hendaye) nach Paris möglich. Aber wo buchen denn Spanier ihre Auslandstickets? Naja, jetzt habe ich ein Ticket 9:30 ab Hendaye. Das sollte gut möglich sein, wenn der Bus pünktlich um 7:00 in Irun ist. Um 15:23 bin ich in Paris. Für 90 Euro und 2 Stunden warten hätte ich nach Hause weitergekonnt. Aber dann habe ich doch MD gefragt, ob wir uns in Paris treffen wollen und dort noch zwei oder drei Tage verbringen. Er fand die Idee gut. Erst hatte ich ja gedacht, ihn zu fragen, ob wir uns in Santiago treffen. Das hatte ich dann verworfen. Aber Paris ist ja schon auf dem Rückweg. Vielleicht ist es auch eine Art aufeinander zu zu kommen? Na, jedenfalls freue ich mich sehr, dass wir uns in Paris treffen und ein bisschen Zeit verbringen werden. Und ich freue mich natürlich auch, dass ich jetzt für den Rest nichts mehr besorgen muss. Allerdings nehme ich als Erfahrungswert mit, dass ich zumindest über die grundsätzlichen Möglichkeiten der Rückreise vorher informiert sein muss. Da ich nun aber erstmal nur das Ticket nach Paris hatte, bin ich wieder in die Herberge zurück, um mich nochmal ins Internet zu begeben. An der Ecke kurz vor der Herberge ist ein kleines Café. Und dort saß draußen mit einer fast leeren Tasse Kaffee M.. Das war vielleicht eine tolle Begegnung. Ich habe mich riesig gefreut. Ich hatte nicht wirklich damit gerechnet. Er meinte, er wollte zwischen dem 6.8. und 12.8. in Santiago sein. Und heute ist erst der 5.8. und er ist schon auf dem Weg nach Finisterre. Ich habe mich dann aber doch getraut, ihn nach der E-Mail-Adresse zu fragen. Manche Kontakte sind dann vielleicht doch schon für diesen Camino? Zum Abschied habe ich sogar gefragt, ob ich ihn mal drücken dürfte. Das haben wir auch gemacht. Und es war in einem absolut platonischen Sinne richtig gut. Ach, wie freue ich mich auf MD. In der Herberge war S. inzwischen aufgestanden und hatte gefrühstückt. Als ich dann mit meinen Internetsachen fertig war, sind wir losgegangen. Ich wollte ja unbedingt in den Pilgergottesdienst. Es wurde viel gesungen und Musik gespielt. Das hat mir gut gefallen. Die Pilgerstatistik bestand aber nur aus dem Verlesen der Länder, aus denen Pilger gekommen waren. G. und Sa. gingen auch durch die Kathedrale. Sie haben aber nur kurz gegrüßt. Sonst nichts. Am Ende des Gottesdiensts wurde der große Weihrauchkessel geschwenkt. Das war schon ein Erlebnis. Aber es hat gar nicht so fürchterlich gestunken. Im Grunde kam gar nicht wirklich etwas an. Dazu wurde dann recht pompöse Musik gespielt. Es gab auch ein Oblatenstückchen für jeden. Das erinnerte so ein bisschen an die große Raubtierfütterung. Nach der Messe wollte S. ins Museum. Wir haben uns also getrennt und auch keinen weiteren Treffpunkt ausgemacht. Ich habe nach dem Buch Ausschau gehalten. Ansonsten habe ich in einem Café einen Kaffee getrunken und ein Bocadillo mit Cerano-Schinken gegessen. Ich brauchte unbedingt etwas zu essen. Da die Geschäfte aber bis 16:00 zu haben, sitze ich nun in einem anderen Café bei einem Glas Rotwein. Er hat auch drei Sorten Tappas hingestellt. Bin mal gespannt, was das gleich für eine Rechnung wird. Egal. Ich habe es genossen und Postkarten und Tagebuch geschrieben. Nach der Messe war der Platz vor der Kathedrale total voll. Ich bin mittendurch und habe mich in der Tat ein klein wenig zugehörig gefühlt. Ich habe den Australier getroffen, der auch in Miraz war und seit Rom unterwegs ist. Aber in den ganzen Straßen war mir das Gewimmel zu groß. Da wollte ich wohl auch gar kein Zugehörigkeitsgefühl entwickeln. Es ist alles so viel Commerz. Ich bin noch nicht so ganz bereit, dort wieder einzutauchen, obwohl ich natürlich schon nach dem Buch Ausschau halte. Ich sehe durchaus diesen Widerspruch.

Das Relaxen war gar nicht so teuer. 2,50 Euro und 0,20 Euro Trinkgeld. Danach habe ich mich noch auf eine Bank gesetzt, um mir die nächsten Etappen anzusehen. Da kam S.. Naja, wir sollten uns wohl laufend sehen. Sie war shoppen und musste nun jemandem ihre Einkäufe vorführen. Darauf hatte ich ja nun gar keinen Bock. Aber okay. Habe ich also wieder gute Miene gemacht. Dann haben wir uns wieder getrennt, weil sie weiter shoppen wollte. Und ich wollte ja in den Buchladen. Und ich hatte diese bunte Schmetterlingsnadel gesehen. Die habe ich dann tatsächlich gekauft, obwohl sie mit 4 Euro doch etwas teurer war als gedacht. Im Buchladen hatten sie in der Tat das Buch. Aber es ist riesig und schwer. Das kann ich nicht mit nach Finsiterre schleppen. Heul. Aber ich durfte es mir ansehen. Es ist wirklich schön. Vielleicht geht es ja über Amazon. Ich bin dann noch an all den Kinkerlitzchen-Läden vorbeigeschlendert. Aber es war wirklich irre voll. Ein paar Ohrstecker mit Kettenanhänger hätten mir gefallen. Aber 34,00 Euro wollte ich dafür nicht bezahlen. Dann gehen wir lieber gut essen in Paris. Als ich wieder in der Herberge war, habe ich gleich in meine Mails geschaut. MD hat schon eine Unterkunft in Paris gebucht und muss aber wegen der Tickets an einen Schalter. Also sehen wir uns am 11.8. in Paris. Wie schön. Ich denke, das ist ein würdiger Abschluss dieser Reise. Auf dem Weg zu den Computern kam ich an einem offenen Zimmer vorbei. Da stand einer, der sah fast aus wie P. Also bin ich nach meiner Internet-Session nochmal hin und habe gefragt. Ja, das ist er. Aber er war gerade weg. Schade. Aber wenig später habe ich ihn auf der Treppe getroffen und mir gleich seine E-Mail-Adresse geben lassen. Wir habe uns beide sehr gefreut, uns wiederzusehen, und haben uns umarmt. Heute ist wohl Tag des Wiedersehens. Und jedes Mal unter verwickelten Umständen. P. geht morgen auch nach Finisterre/Muxia. Wahrscheinlich sehen wir uns in der nächsten Herberge. Das wäre toll. Er meinte, wenn man schnell ist, ist man einsam. Ja, das habe ich gemerkt. Aber nachdem B., C., R. und M. weg waren, war auch hinter mir keiner mehr. Aber Kontakte lassen wir einfach für den nächsten Weg. Und jetzt kann ich ja schon ein bisschen üben. A. ist auch angekommen. Er war auf dem Platz vor der Kathedrale. Er war sehr beschäftigt. Und da ich ja eh nicht mit ihm reden kann, habe ich ihn dann auch nicht angesprochen. Ich habe ihm in Gedanken alles Gute gewünscht.

Heute habe ich was ganz Blödes gemacht. Als ich am morgen losgegangen bin, war es so regnerisch. Also habe ich die braune Windjacke an der Tür übergezogen. Irgendwann war es zu warm. Da habe ich sie mir um den Bauch gebunden. Aber sie klettete irgendwie an den Klamotten fest. Das hat sie sonst nie gemacht. Zurück in der Herberge habe ich sie an die Tür gehängt. Als ich heute Abend meine Sachen soweit verstaut habe, war meine braune Windjacke aber in meinem Rucksack. Ich habe also eine falsche Jacke genommen. Wie peinlich. Und diejenige, der die Jacke gehört, hat bestimmt gedacht, dass sie geklaut ist. So ein Mist. Ich habe die Jacke zur Rezeption gebracht.


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