2014-2: 3) Briennon, Renaison, Les Trois Ponts, Montverdun


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5. Tag – Montag, 18.8.2014

Briennon – Renaison – 28,69
Der Wirt war sich nicht sicher, ob er uns wirklich Frühstück wird anbieten können, da ja alles zu ist und er nicht so recht weiß, wo er Brotiges hergekommen soll. Aber wir bekommen leckeres Baguette und sogar für jeden ein Croissant. Also können wir uns gestärkt auf den Weg machen.
Schon bald stoßen wir auf eine Benediktinerabtei. Sie ist mit bunten Dachziegeln gedeckt und sieht wirklich schön aus. Sie ist offen, sodass man sie auch von innen besichtigen kann. Prima. Allerdings ist ansonsten alles zu.
Bei Noailly müssen wir ein Furt überqueren. Wenn man daraufzu läuft, sieht es aus, als müsse man über ein paar Steinsäulen balancieren, von denen zudem noch einige fehlen. Aber man kann auch ein paar Meter weiter eine Holz-Wackelbrücke mit einer Metallkette an einer Seite benutzen. MD macht es tierischen Spaß, die Wackelmöglichkeiten der Brücke auszutesten. Zwar hat mich die Furt nicht geschreckt, weil ich die Stelle vom letzten Mal her kannte, aber ich war froh, nach der Wackelei wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.
Nach knapp 20 km machen wir Pause in St.-Romain-la-Motte. Die Boulangerie hat Urlaub. Die Epicerie auch. Aber selbst wenn sie keinen Urlaub hätten, hätten sie zu, weil Montag ist. Wir finden eine offene Bar, in der wir zumindest etwas trinken können. Die Wirtsleute sind sehr bemüht, unser Französisch zu verstehen, und sind auch am Pilgern interessiert. Wir bekommen einen schönen Stempel. Am Eingang zum Außenbereich der Bar steht ein kleiner Stein-Pilger. Essenstechnisch mussten die Notvorräte ihren Dienst tun. Aber die Wirtin meinte, dass es an unserem Zielort trotz Montag einen offenen Supermarkt geben würde.
Wir brauchen noch etwa 2 Stunden. Kurz nach St.-Romain-la-Motte stoßen wir auf Eisenbahngleise. Der Weg führt 400 m bis zu einem Bahnübergang und auf der anderen Seite 400 m wieder zurück. Beherzt klettert MD über die Gleise. Wow, sonst ist er in solchen Situationen eher strikt deutsch. Aber prima. Ich klettere ebenso beherzt hinterher.
Der weitere Weg führt uns noch an der Burg von St.-Haon-le-Chatel vorbei. Die Burg sieht gut aus. In den letzten zwei Jahren ist hier bautechnisch auch einiges gemacht worden. Aber auch hier ist alles zu.
Die letzten 2-3 km sind recht anstrengend, da es immer wieder hoch und runter geht – zum Teil recht steil und auch ein wenig gefährlich.
Wir finden das Hotel recht schnell. Das Einchecken ist problemlos. Fix sind wir geduscht und die Wäsche ist gewaschen. Ziemlich gegenüber gibt es einen offenen „petite casino“, etwa 300-400 m Luftlinie einen offenen Carrefour. Essensentwarnung. Allerdings finden wir in der Tat keine Stelle, wo man Abendessen könnte. Das Einzige ist ein Pizza-/Burger-Lieferdienst. Ob er wirklich aufmacht, wissen wir nicht, aber wir füllen erstmal unsere Notreserven auf. Die Kirche ist offen. Jemand übt gerade Orgel. Toll. Eine riesige Kirche für diesen Ort.
Der Lieferdienst macht tatsächlich auf. Wir bestellen. Die Frage „Für wann?“ überrascht uns etwas, sodass uns das Wort für gleich/sofort nicht direkt einfällt. Wir müssen ein wenig warten, aber das ist okay. Als Lieferdienst gibt es kein Besteck, aber Pizza und Burger geht auch ohne.
Da der „petite casino“ noch auf hat, besorgen wir uns noch Flan als Nachtisch. Oh, den muss man ja auf einem Teller umstürzen. Was nun? Ich frage den Hotelwirt. Er nimmt aus der Bar zwei Untertassen (assiette) und bietet uns auch Löffel an. Wie nett. Mit Metalllöffeln schmeckt es definitiv besser als mit unseren Plastiklöffeln. So lassen wir den Tag gemütlich ausklingen.
Als wir bei unserem Abendessen saßen, kam ein deutsches Pilgerpaar an (Mutter und Sohn?). Wenn sie nicht reserviert hatten (was ich nicht weiß), dann muss ich echt sagen: „Alle Achtung!“ So spät noch ohne sicheres Quartier ist für mich nur schwer auszuhalten. Für morgen habe ich reserviert. Da zuerst niemand ans Telefon ging, wurde sogar zurück gerufen.
Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine


6. Tag – Dienstag, 19.8.2014

Renaison – Les Trois Ponts – 22,46 km
Zum Frühstück gibt es neben Baguette auch noch ein kleines Croissant, ein kleines Pain au chocolat und eine kleine Rosinenschnecke für jeden. Und alles heiß wie direkt aus dem Ofen. Wie lecker. Wir essen alles auf – wie immer. Irgendwie hinterlassen wir eine Schneise der Verfressenheit. Hoffentlich eilt uns nicht schon ein schlechter Ruf voraus…
Heute haben wir eine relativ kurze Etappe vor uns, weil das mit den Unterkünften etwas schwierig ist und nicht immer so recht passt. Aber wir sind froh und dankbar, etwas gefunden zu haben.
Zum ersten Mal in meiner ganzen „Pilgerkarriere“ habe ich Wäsche (Socken) außen am Rucksack hängen, weil sie nicht trocken geworden ist.
Viele kleine Orte liegen auf dem Weg. In Lentigny gönnen wir uns einen Kaffee. Zeit genug ist heute ja. Am Ortsausgang stehen zwei Männer und unterhalten sich. Einer muss die Hecke schneiden, hat wohl aber nicht so recht Lust dazu. Da sind Plauschpartner immer willkommen. Ob wir uns für unsere Wanderung ein Opfer auferlegt hätten, fragt er und bietet seine Hecke gleich als weiteres Opfer an.
In St.-Jean-St.-Maurice-sur-Loire finden wir diesmal den richtigen Weg. Erst jetzt sehe ich, welch schöne Blicke auf die Landschaft und die Loire ich verpasst hatte. Gut, dass wir das jetzt korrigieren können. Wir finden auch die Epicerie, in der es einen tollen Stempel gibt und zu der eine Bar gehört. Auch hier gibt es einen Kaffee und zusätzlich ein Eis. Hm, lecker. In der Bar sitzen Holländer beim Mittagessen. Als wir gehen, fragen sie uns ein wenig über den Weg aus.
Bis zu unserer Unterkunft ist es nicht mehr weit. Allerdings liegt sie ca. 1 km vom Weg ab. Als wir schon zweifeln, ob wir nicht doch schon zu weit sind, kommt uns auf der einsamen Straße eine Frau in ihrem Auto entgegen. Sie hält an und fragt, wohin wir wollen. Jaja, gleich dort um die Ecke, noch 100 m. Das ist doch wohl absolut nett. Wir fühlen uns gesehen und behütet. Schutzengel gibt es eben überall.
Das Haus, in dem wir unternommen, liegt total einsam. Aber die Leute sind sehr nett. Das Zimmer ist riesig. Den Garten dürfen wir auch benutzen. Endlich kann die Wäsche mal wieder an der frischen Luft trocknen.
Wir werden von einer kleinen, verspielten und sehr neugierigen Katze begrüßt. Sie schlüpft unbemerkt mit in unser Zimmer und untersucht alles mit sichtlichem Wohlbehagen. Besonders angetan haben es ihr die vielen Bänder, Riemen und Schnallen unserer Schuhe und Rucksäcke. Und es gibt viele unterschiedlich raschelnde Dinge zu erkunden. Da mag einer behaupten, Tiere hätten keine Seele. Glauben kann ich das nicht.
Um 19:00 gibt es Abendessen.
Es beginnt mit einem Aperitif – mehr oder weniger stark alkoholhaltige Getränke zur Auswahl und Chips. Ich probiere einen Vin d’orange und einen kleinen Schluck Himbeerlikör. Sehr, sehr lecker und natürlich wirkungsvoll.
Es ist ein französisches Pärchen hier, das auf dem Weg nach Marseille ist. Dazu die Wirtin und eine Freundin (?), die beim Kochen hilft. Um uns herum schwirrt lebhaftes Französisch. Es geht darum, dass in der Umgebung wohl alles ausgebucht ist. Das ist wohl zum ersten Mal so. Als die Namen der Unterkünfte aufgezählt wurden, konnte ich einwerfen, dass ich an der einen Stelle vor zwei Jahren geschlafen hatte. Damit schwenkte das Thema auf Pilgern und jeder konnte mitreden. Es wäre für viele ja ein Weg des Kreuzes. Ich sage, dass es für mich weniger ein Weg des Kreuzes als vielmehr ein Weg des Herzens sei. Und viele sehr herzliche Begegnungen hatten wir ja schon.
Es gibt eine Championcremesuppe als Vorspeise in kleinen Schalen mit superkleinen Löffeln – wie aus der Puppenstube. Als Zwischengang gibt es grüne Bohnen aus dem Garten und Tabulee mit Kirschtomaten, die ebenfalls aus dem Garten kommen. Und dann kommt der große Knaller: Kartoffelgratin und Hühnchen. Aber kein industrielles Mikrohuhn. Nein. Der Schenkelknochen ist so groß, dass ich kaum glauben kann, dass es ein Hühnchen ist und nachfrage, ob ich es vielleicht missverstanden habe. Nein, nein. Es ist ein Huhn sozusagen aus manueller Aufzucht auf dem Bauernhof, speziell ernährt etc. Man sagt uns, dass wir den Schenkelknochen (und nur diesen) in die Hand nehmen und abnagen können. MD tut sich ein wenig schwer. Mit so viel Natürlichkeit von Fleisch ist er noch nicht oft konfrontiert worden.
Ich frage auch, ob es in Frankreich als unhöflich gilt, alles aufzuessen, weil wir auch hier – diesmal zu Viert – alles aufessen (bis auf das Kortoffelgratin). Man könne das natürlich so und so interpretieren. Aber im Wesentlichen wird es wohl als Lob an die Küche verstanden. Prima. Dann können wir ja weiteressen.
Als Abschluss gibt es Eis und Blaubeeren und Brombeeren.
Bis etwa 22:00 unterhalten wir uns noch. Wir bekommen den Weg zurück zum Weg erklärt und gehen rundum zufrieden schlafen.
Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine


7. Tag – Mittwoch, 20.8.2014

Les Trois Ponts – Montverdun – 37,50 km
Für um 7:00 hatten wir um das Frühstück gebeten. Da das Haus in aller Einsamkeit liegt, gibt es getoastetes Brot, dazu Butter und Marmelade. Die Marmelade ist komplett selbst gemacht. Es gibt 4 Sorten: Orange, Himbeere, Orange mit Rhabarber und Pfirsich mit Vanille. Das hört sich so verlockend an, dass wir heute beide ausnahmsweise auch Marmelade essen.
Gegen 7:30 verabschieden wir uns herzlich mit Küsschen links und Küsschen rechts – französisch eben. Die Wirtin gibt uns noch 4 Pfirsiche aus dem eigenen Garten mit auf den Weg.
Der Weg zum Weg führt uns einmal ganz nach unten zu einem kleinen Flüsschen und direkt wieder nach oben. Schnauf. Alles warm, alles wach. Wir treffen in Bully wieder auf den eigentlichen Weg. An der Kirche kommt uns ein Pilger entgegen, grüßt kurz und verschwindet in der Kirche. Ein paar Minuten später gehe auch ich in die Kirche. Er kommt gerade raus, reagiert aber gar nicht mehr auf mich. Wir wünschen ihm trotzdem einen guten Weg.
In Pommiers-en-Forez wollen wir eine Kaffeepause machen. Wie vor zwei Jahren verspricht ein riesiges Plakat eine Boulangerie. Aber wie vor zwei Jahren ist sie nicht zu finden. Die Bar hat zu, weil Mittwoch ist. Wir ziehen etwas frustriert weiter und halten nach einem Plätzchen für eine Pause aus dem Rucksack Ausschau. Dabei entdecken wir eine Bar, die zum Zeltplatz gehört, und gönnen uns hier eine ausgiebige Pause. Immerhin haben wir etwa die Hälfte der Strecke geschafft.
Der zweite Teil fällt uns schwerer und schwerer, zumal es auch wärmer und richtig drückend wird.
Trotzdem riskiere ich in Arthun einen Blick in und an die Kirche. Über dem Eingang findet sich ein Relief, wie St. Martin seinen Mantel teilt.
In Ste.-Agathe-la-Bouteresse versuchen wir noch einmal, einen Kaffee zu bekommen, aber die Bar scheint schon seit einigen Jahren nicht mehr zu existieren. Etwas Anderes finden wir nicht. Also sehen wir zu, dass wir zügig nach Montverdun kommen.
Insgesamt nutzen wir jede nur angedeutete Abkürzung aus dem Buch. Trotzdem wird die Strecke 2,5 km länger als geplant. Das ehemalige Kloster auf der Bergspitze hier in Montverdun schafft es nicht, uns zu reizen. Wir sind einfach zu geschafft. Vor zwei Jahren habe ich dort in der Herberge geschlafen. Diesmal haben wir ein kleines Hotelzimmer. Bevor wir die letzten Meter in Angriff nehmen, suchen wir nach Möglichkeiten, unsere Vorräte aufzufüllen. Die Bar hat Urlaub (oder existiert nicht mehr?). Dafür hatte der Bäcker am Vormittag auf. Normalerweise hat er mittwochs komplett zu. Das nutzt uns trotzdem nichts. Also müssen die vorhandenen Vorräte als Abendessen reichen.
Die Unterkunft ist total neu und deshalb auch voll edel. Hm, ist das noch Pilgern? Egal. Wir genießen es und nehmen auch das Angebot für Salat, Wurst, Käse und Nachtisch zum Abendessen an. Und mal wieder bewahrheitet sich, dass sich immer irgendeine Lösung findet. Oft unerwartet, oft unverhofft und oft sogar besser als in den kühnsten Träumen.
Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine


weiter mit Montverdun, St.-Thomas-la-Garde, Montarcher, Pontempeyrat


 

 

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2 Gedanken zu “2014-2: 3) Briennon, Renaison, Les Trois Ponts, Montverdun

  1. Ich bin dieses Jahr ebenfalls diese Strecke gelaufen, habe dann in Montverdun im ehrmaligen Kloster übernachtet und es hat mir sehr gut gefallen. Bald werde ich auch die Via Podiensis „in Angriff nehmen“ 😉 LG, schrittWeise

    Gefällt 1 Person

    • 2012 habe ich auch in dem Kloster geschlafen und fand es toll. Der Schlafsaal ist ja fast wie eine Katakombe, war aber angenehm kühl. Es war sehr heiß, als ich in der Gegend war. Wenn ich mit MD unterwegs bin, suchen wir meist doch eher „privatere“ Unterkünfte. Na, jeder Weg ist anders. Wünsche Dir für Deine Fortsetzung alles Gute.

      Gefällt 1 Person

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