2014-2: 4) Montverdun, St.-Thomas-la-Garde, Montarcher, Pontempeyrat


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8. Tag – Donnerstag, der 21.8.2014

Montverdun – St.-Thomas-la-Garde – 23,78
Da waren wir ja in einer Luxus-Unterkunft gelandet. Zum Frühstück gibt es sogar Rührei. Und Joghurt kann man auch nehmen.
Wir wählen einen etwas längeren Weg auf der Straße, um wieder zum Weg zu kommen, weil wir nicht zurückgehen wollen. So merken wir gar nicht, wie schnell wir in Champdieu ankommen. Bei der Touristeninfo gibt es einen Stempel. Wir sehen uns das Modell des alten Ortes an und sprechen ein wenig darüber. Die Info-Dame erkennt uns als Deutsche und bietet uns ein deutsches Infoblatt an. Sehr nett. In der Kirche läuft ein Orgelspiel-Lernkurs, wie wir von einem Teilnehmer erfahren, der draußen gerade eine raucht. Wir gehen rein und hören noch ein Weilchen zu.
Bevor wir nach Montbrison kommen, müssen wir ein Neubaugebiet durchqueren. Dort haben die Besitzer ihre Grundstücke fein säuberlich ummauert. Man lebt separat. Die Siedlung selbst bietet keinerlei Interaktionsgelegenheiten. Wir fühlen uns recht entmenschlicht. Im Zentrum von Montbrison überfordern uns die Autos, die vielen Menschen und die Enge. Wir springen schnell in eine Apotheke, um das Blasenpflaster für MDs Füße aufzufüllen, und versuchen ansonsten, dieses Städtchen schnell hinter uns zu lassen. Auf dem Weg aus der Stadt finden wir eine kleine Boulangerie, in der wir eine Pause einlegen.
Größere Städte haben allerdings auch den Vorteil, bessere Möglichkeiten für das Besorgen von Lebensmitteln zu haben. In einem Aldi decken wir uns für das heutige Abendessen aus dem Rucksack ein. Am geplanten Unterkunftsort gibt es sonst keine Angebote.
Noch reichlich eine Stunde und wir sind am Ziel. Die Wirtsleute sind sehr nett. Zur Begrüßung gibt es Getränke, Obst und ein paar Kekse. Den Garten dürfen wir zum Picknick benutzen. Beide sind sehr aufgeschlossen und unterhalten sich etwas mit uns.
Es sind zwei weitere Deutsche hier, die wir wohl aber erst morgen beim Frühstück kennenlernen werden.
Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine


9. Tag – Freitag, 22.8.2014

St.-Thomas-la-Garde – Montarcher – 24,46 km
Beim Frühstück lernen wir die anderen deutschen Pilger kennen. Es ist die Mutter mit ihrem Sohn, die wir damals in Renaison ankommen gesehen haben. Eigentlich dachten wir, sie wären deutlich weiter. Schließlich kamen sie recht spät am Abend an und waren vor uns wieder auf dem Weg. Aber sie hatten wohl weniger Glück mit den Unterkünften und mussten noch mehr Umwege in Kauf nehmen. Sie kommen aus Köln. Der Mutter liegt eigentlich nichts am Jakobsweg, aber sie mag die Gegend und die Sprache.
Wir sind ein paar Minuten vor ihnen los, aber bei unserem ersten Stopp überholen sie uns. Bei ihrem ersten Stopp überholen wir sie. Und so geht das ein paarmal. Es macht mich etwas nervös. Ich fühle mich irgendwie beobachtet. Deswegen machen wir in St.-Jean-Soleymieux eine sehr ausgedehnte Pause. Die Kirche dort ist sehr schön. Entweder ist sie aus dem Berg gewachsen oder in den Berg hineingebaut worden. Selbst der Boden in der Kirche ist zum Altar hin abschüssig. Man kann also im Grunde von oberen Rängen dem Gottesdienst zusehen.
Heute geht es sehr viel bergauf. Eigentlich sollen wir zu einer Bergspitze. Aber wir können keinen passenden Berg entdecken. Wie sich hier herausstellt, ist es sozusagen ein Berg hinter dem Berg, sodass wir ihn wirklich nicht sehen konnten.
MD fällt es heute ziemlich schwer. Seine Blasen machen ihm wohl sehr zu schaffen. Sie sehen soweit in Ordnung aus, brauchen aber halt ein paar Tage zum Abheilen.
Matsch, Schlamm und Geröll sind hin und wieder über längere Strecken unsere Begleiter. Ich bin mit meinen Gedanken überall, nur nicht bei Matsch und Schlamm. So müssen meine Stöcke ihren Dienst tun und mich nicht nur einmal vor einem Schlammbad bewahren.
Montarcher ist ein besonderer Ort. Er besteht im wesentlichen aus einer restaurierten Kirche aus dem 12. Jahrhundert und ein paar begleitenden Bauten. Es gibt ein Restaurant, das auch ein paar Zimmer anbietet. Ich wollte unbedingt eine Nacht hier bleiben. Das hat auch geklappt.
Es sind drei Schauspieler hier, die ein bisschen spielen, wie es im Mittelalter war, und dabei auch ein wenig die Historie erklären. Sie singen in der kleinen Kirche, was sich in der tollen Akustik wunderbar anhört. Sie spielen auch eine missglückte Brautwerbung in der Kirche. Ob ich das so passend finde, darüber muss ich nochmal nachdenken. Nach der Vorstellung gibt es Plätzchen und Wein der Region. Es wird noch ein bisschen erzählt. Dann zerstreuen sich die Leute.
Die Kirche ist wirklich besonders. Das habe ich vor zwei Jahren gar nicht so recht mitbekommen. Ich gehe ins Zimmer zurück und gehe noch einmal mit meinen Talismanen in die Kirche.
Zu Abend können wir in dem Restaurant essen. Das ist echt edel. Naja, eigentlich nicht wirklich Pilger-like. Aber etwas Anderes gibt es hier nicht.
Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine


10. Tag – Samstag, 23.8.2014

Montarcher – Pontempeyrat – 20,68 km
Offensichtlich waren wir die einzigen Übernachtungsgäste. Zumindest frühstücken wir ganz allein.
Heute scheint der Tag des Vergessens zu sein. MD hätte beinahe den kleinen O liegenlassen. Die Wäscheleine, die wir gestern gespannt hatten, hängt noch immer dort. Und auch MDs Haarwäsche steht noch im Bad. Sind das die ersten Zeichen, dass sich unsere Reise dem Ende nähert?
MD hatte heute deutlich weniger Fußprobleme. Einerseits heilen die Blasen langsam ab, andererseits ging es heute nicht so viel hoch und runter. Und obwohl es auch heute wieder Matsch und Schlamm und Wiesenwege gab, blieben die Füße doch trocken.
Nach ein paar Metern Abstieg treffen wir einen Mann in seinem Garten. Er scheint einen Schwatz mit uns seiner Gartenarbeit vorzuziehen. So erklärt er uns den kommenden Weg. Auch wenn es nicht notwendig gewesen wäre, so war es doch nett. Und wir haben wieder etwas Französisch geübt.
Ein paar Meter weiter treffen wir auf die Infotafel, die zwei alternative Wege anzeigt. Diese hatte ich vor zwei Jahren vergeblich gesucht. Ich kann nicht verstehen, wie ich sie nicht finden konnte.
Wir überholen ein französisches Pärchen. Sie pflegen gerade ihre Füße.
Den ersten Stopp gibt es in Usson-en-Forez. Ich erinnere mich, dass es dort einen Supermarkt gab. Er ist in der Tat sogar ausgeschildert. Also decken wir uns ein wenig mit frischem Obst und Gemüse ein – ja, natürlich auch mit Kalorienhaltigem. Dann trinken wir in einer Bar Kaffee. Vom Marktplatz an der Kirche sieht man nicht viel. Er ist mit Fahrgeschäften für eine Kirmes zugebaut. Es hat aber alles noch zu. Das ist vielleicht auch gut so. In der Touristeninfo gibt es einen Stempel für den Pilgerausweis, MD checkt noch einmal seine Füße und dann geht es weiter.
Wir kommen an einer Holzverarbeitungsfabrik vorbei. Wie viele Leute hier wohl Arbeit finden? Unklar bleibt uns, wie das Holz hierher kommt und die Produkte abtransportiert werden können. Eine richtige Zufahrt können wir nicht erkennen.
Bis Pontempeyrat ist es nicht mehr so weit. Bis auf ein paar Matschstellen läuft es sich sehr gut – teilweise auch über weiche, aber trockene Wiesenwege. Wir kommen früher als geplant an, was auch den Wirt etwas überrascht. Aber er nimmt uns freundlich auf und gibt uns ein Zimmer.
Abendessen gibt es hier auch. Das Pärchen, das wir heute morgen überholt haben, hat auch hier Unterkunft gefunden, sodass wir beim Abendessen nicht allein sind und unsere Französischkenntnisse wieder überstrapaziert werden. Er ist LKW-Monteur, sie ist schon pensioniert und war vorher Mathelehrerin. Gegen Ende des Abendessens gesellen sich die Wirtsleute hinzu und es werden Feiertage, Arbeitszeiten, Entlohnung und Zukunft fürs Handwerk (z. B. Gaststätte und Hotellerie) in Deutschland und Frankreich diskutiert. Mir fällt es schwer zu folgen und noch schwerer, etwas zur Diskussion beizutragen. Und ich werde immer müder. Schade. Es sind doch gerade solche Begegnungen, die den Weg zu dem machen, was er ist.
Der Tag heute war so entspannt, dass wir gar nicht so sehr geschwitzt haben und entscheiden, die Wanderhosen heute mal ohne Wäsche auslüften zu lassen. Der Rest hängt gewaschen im Fenster und trocknet vor sich hin.
MD hat alle erforderlichen Buchungen für die Rückreise vorgenommen, bis auf zwei kleine Teilstücke, die man wohl besser vor Ort bucht.
Schon seit einigen Tagen nerve ich MD wegen der Anschlusstour im nächsten Jahr. Le-Puy-en-Velay bis St.-Jean-Pied-de-Port? Naja, Träume darf man ja haben. Aber dieser wird sich wohl nicht in einem Stück erfüllen lassen. 300-400 km – mehr will MD nicht am Stück gehen. Schade – heul – schluchz. Da muss ich mir mal überlegen, wie es dann für mich nächstes Jahr aussehen könnte.  300-400 km wäre ja so bis kurz vor Moissac. Von da sind es dann noch 1100-1200 km bis Santiago. Ich glaube, das dauert dann doch zu lange. Bis zu den Pyrenäen fahren und dann nach Santiago laufen? Muss (im Sinne von „will ich unbedingt“) nächstes Jahr nach Santiago? Vielleicht könnte ich auch bis St.-Jean-Pied-de-Port laufen und dann noch zwei oder drei Wochen dort als Hospitaliera arbeiten? Möglichkeiten und Varianten gibt es also viele. Schauen wir mal, welche es letztendlich wird.
Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine


weiter mit Pontempeyrat, Bellevue-la-Montagne, Le Puy-en-Velay, Lyon


 

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