2014-2: 5) Pontempeyrat, Bellevue-la-Montagne, Le Puy-en-Velay, Lyon


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11. Tag – Sonntag, 24.8.2014

Pontempeyrat – Bellevue-la-Montagne – 20,08 km
Das französische Pärchen frühstückt eine ganze Stunde vor uns. So haben wir wieder ein Frühstück zu Zweit. Wir schlemmen gerade eine Viertelstunde, als sie sich auf den Weg machen. Wir plaudern mit der Wirtin, die unsere Bemühungen, französisch zu sprechen, sehr lobt. Naja, diese Begegnungen und Gespräche sind doch das, was den Weg ausmachen. Und sie sind eben wie der Weg selbst: manchmal holprig und anstrengend, manchmal einfach und reibungslos, aber immer äußerst lohnenswert.
Heute wird es unterwegs keine Einkehrmöglichkeiten geben. Aber wir haben noch genügend Vorräte von unserem Sturm auf den Supermarkt gestern.
Meine WetterApp zeigt strahlenden Sonnenschein den ganzen Tag. Das können wir gar nicht glauben. Die grauen Wolken scheinen der Sonne keine Chance geben zu wollen. MDs WetterApp zeigt für den ganzen Tag Regen. Das wollen wir einfach nicht glauben. Also machen wir uns auf den Weg, so wie wir sind, und warten ab, was uns der Tag bescheren wird.
Von den Wirtsleuten verabschieden wir uns sehr herzlich und auf typisch französische Weise.
Der Weg ist sehr abwechslungsreich. Es geht hoch und runter, über Straßen und Feld- und Wiesenwege. Auch ohne Regen bekommen wir nasse Füße.
Das französische Pärchen holen wir an ihrem ersten Fußpflegestopp ein. Davon machen sie wohl drei, um die Fußprobleme in den Griff zu bekommen. Wir treffen ein anderes Pärchen, die im Wald nach Pilzen suchen. Sie haben schon eine volle Tüte und sind wohl auf dem Heimweg. Gemeinsam müssen wir eine überflutete Wiese durchqueren. Wir steigen über einen Weidezaun, um dem größten Schlammloch aus dem Weg zu gehen.
Wir finden eine Picknickbank und machen eine kurze Pause. Hin und wieder lugt die Sonne hinter den Wolken hervor. Trotzdem wird uns schnell kalt, sodass wir lieber weiterziehen.
Da die Etappe relativ kurz ist, sind wir schon am frühen Nachmittag da. Aus dem Pilgerluxushimmel sind wir nun sanft wieder abgestiegen und wohnen in einem funktional eingerichteten, schon etwas älteren Hotelzimmer. Natürlich fehlt es uns an nichts, aber wir bemerken den Unterschied.
MD hat ein Problem mit der Dusche. Der Duschvorhang lässt das Wasser nicht in die Duschschüssel sondern ins Badezimmer laufen. Von dort bahnt es sich den Weg in den Schlafraum. Mit Handtüchern und vielen Titsch-, Wisch- und Wringvorgängen halten wir das Wasser auf und trocknen den Boden so gut es eben geht. Den Rest muss nun die frische Luft erledigen.
Das Abendessen ist ein wahres Erlebnis. Nicht, dass es in den falschen Hals kommt: wir sind satt geworden. Von daher gibt es natürlich nichts auszusetzen. Aber im Vergleich zu den vergangenen Tagen sind doch diverse Unterschiede zu spüren. Irgendwie passt einrichtungstechnisch so gar nichts zusammen, was dem Ganzen schon wieder einen besonderen Flair gibt. Der Wirtin lässt sich kein Lächeln entlocken. Auch wenn ich mein freundlichstes Lächelgesicht aufsetze, was in Russland zumindest nach einer Weile zum Erfolg führt. Sättigungsbeilage zum Hauptgericht ist ein Kartoffelbrei aus der Tüte. Da hat die Chemie aber ganze Arbeit geleistet, um ihn so klebrig zu designen. Er zieht sogar Fäden. Der Käseteller ist echt lecker. Schade, nur Kuhmilchkäse. Aber verschiedene leckere Sorten. Und auch das Eis zum Abschluss hinterlässt ein versöhnliches Gefühl. So gehen wir auch an diesem Abend satt und zufrieden schlafen.
Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine


12. Tag – Montag, 25.8.2014

Bellevue-la-Montagne – Le Puy-en-Velay – 29,16 km
Wir sind da. Wir sind da. Wir sind da. Wir haben es geschafft.
Das Frühstück ist Pilgerherbergs-like. Wir decken den Tisch selbst und räumen am Ende alles zusammen. Nur den Kaffeeautomaten darf man nur einmal benutzen. Da gab es in Herbergen bisher keine Einschränkungen. Trotzdem können wir uns satt essen und gut gestärkt auf den Weg machen.
Die Füße bleiben heute überwiegend trocken. Dem Matsch können wir gut ausweichen und die Wiesen sind schon gut abgetrocknet, als wir darüberlaufen müssen.
In St.-Paulien wollen wir eine Pause machen, finden aber keine offene Bar. In der Touristeninfo bekommen wir einen Stempel und einen Tipp, wo wir doch einen Kaffee bekommen können. Mit einem Riesenkeks aus der benachbarten Bäckerei schon fast eine Schlemmerei. Bevor wir den Ort verlassen, werfe ich noch einen Blick in die hübsche Kirche.
Auch in Polignac gibt es eine sehenswerte Kirche, die ich mir ansehe. Gleich nebenan können wir uns noch einmal mit einem kalten Getränk stärken.
Es sind noch 5 km bis Le Puy. Die Stadt bietet beim Hereinkommen einen tollen Anblick. Wir steuern direkt die Kathedrale an und machen einen Rundgang. Wir sind etwas geschafft und wollen in unsere Unterkunft. Also hole ich schnell den letzten Stempel für den Pilgerpass für dieses Jahr, dann suchen wir unsere Unterkunft.
Gewaschen und Wäsche gewaschen ist schnell. Das Ausruhen dauert etwas länger.
Am Bahnhof drucken wir erstmal die Fahrkarten für morgen aus. Dann gehen wir ohne besonderes Ziel in den Ort und machen einen Plan für heute und morgen. Demnach versuchen wir, heute noch einmal in die Kathedrale zu gehen. Ich wollte ja den Brief an meine Mutter vorlesen. Ich habe sowohl den alten als auch den neuen dabei. Letztlich habe ich dann doch den alten Brief vorgelesen. MD kommt mit und wartet in einer Bankreihe auf mich. Vielen Dank.
Ich setze mich genau vor die schwarze Madonna und fange an zu lesen. Da kommt ein Priester, kniet sich vor die Madonna und bleibt dort in stillem Gebet. Ich bin fertig. Er steht auf und spricht ein paar Gebete laut. Dann fängt er an, die Dinge um die Madonna aufzuräumen. Ich werfe mein Geld in den Kasten, was in der Stille ziemlichen Lärm macht, nehme eine Kerze – ja, eine richtige Kerze – zünde sie an und stecke sie in den Sand. Zuerst geht sie gleich wieder aus. Beim zweiten Anlauf klappt es. Sie bleibt auch nicht gleich im Sand stecken, ich muss sie etwas tiefer reinstecken.
Wir machen noch einen kleinen Rundgang und entdecken den Fieberstein. Da liegt tatsächlich gerade eine Frau drauf.
Ich möchte MD noch den Startplatz für die Via podiensis zeigen. Also verlassen wir die Kathedrale über die lange Treppe und schlendern zum Place du Plot. Dort finde ich eine Medaille der Kathedrale. Was für ein Zufall.
An der Touristeninfo vorbei machen wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft. Unterwegs finden wir eine Burgerbude, in der wir zu Abend essen.
Unsere Unterkunft ist direkt gegenüber vom Bahnhof. Auf diesem Bahnhof starteten die drei Geschwister aus „Pilgern auf französisch“. Wir inspizieren den Drehort und stellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede fest. So gibt es eine nagelneue Brücke über die Gleise. Da müssen wir auch mal rüber. Der müde Pilger gönnt sich für den Aufstieg den Aufzug. Runter geht es aber über die Treppe. Langsam wird es dunkel. Die Kathedrale ist sehr schön beleuchtet. Und auch der gerade ein- und wieder zurückfahrende Zug bietet ein nettes Lichterspiel.
Nun ist es aber Zeit zum Schlafen. Es ist schon alles dunkel.
Das war also unser letzter Pilgertag für dieses Jahr. Schauen wir, was uns das nächste bringen wird.
Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine


X. Tag – Dienstag, 26.8.2014

Aufenthalt in Le Puy-en-Velay und Fahrt nach Lyon
Schnell wird aus einem Pilger ein Tourist und wir pilgern touristisch durch Le Puy-en-Velay. Unser erstes Ziel ist Rocher Saint-Michel d’Aiguilhe. Es ist eine Art Kirche, die auf der Spitze eines Vulkanschlots errichtet wurde. 278 Stufen führen steil nach oben. Unser Pilgetraining hilft uns dabei. Früher sollen hier auch Pilger Unterkunft gefunden haben. Puuh, da kommt man nach einer Tagestour hier an – und dann noch hier rauf? Alle Achtung. Die Kirche ist sehr, sehr schön. Innen gibt es eine interessante, bunte Wandmalerei. Von hier hat man einen überwältigenden Ausblick auf die Landschaft. So auch auf die Statue Notre Dame, die wir als nächstes ansteuern. Aber erstmal geht es wieder nach unten.
Zur Notre Dame führen ein Fußweg und 105 Stufen relativ steil nach oben. Aber auch das ist für uns eigentlich ohne Problem. Auch diese Bergspitze bietet tolle Blicke über die Landschaft. Aber es geht noch höher – in der Statue selbst. Über 91 Stufen gelangt man bis in den Kopf der Notre Dame und kann dort noch einmal einen Panorama-Blick genießen – diesmal allerdings geschützt durch Plexiglas.
Es scheint regnen zu wollen. Also sehen wir zu, dass wir zügig nach unten kommen. Im Souvenirladen warten wir den stärksten Regen ab, den weniger starken Teil verbringen wir in der Kathedrale vor der schwarzen Madonna. Toll. Diesmal habe ich auch meine Talismane dabei.
Zeit für eine süße Pause mit Eis und Saft (für MD) bzw. Schokokuchen und Kaffee (für mich).
Ob wir wohl ein Plätzchen in der Touristenbahn durch Le Puy bekommen können? Die Bahn steht da und ist schon recht voll. Wir können hintereinander sitzen. Ist okay. Die Fahrt führt uns an fast allen Punkten vorbei, die wir schon zu Fuß abgelaufen hatten. Es geht aber auch durch echt schmale Sträßchen. Keine Ahnung, wie das praktisch möglich ist, aber allein schon das war diese Fahrt wert.
Nun wird es langsam Zeit, uns auf den Weg nach Lyon zu machen. Von dort fahren wir morgen nach Hause. Wir haben ein Busticket mit Anschluss an einen Zug in St.-Etienne. Zum Umsteigen gibt es 13 Minuten. Wir fahren mit 5 Minuten Verspätung los und stehen auf dem Weg aus Le Puy heraus fast nur im Stau. Ob wir das wohl schaffen werden? Die Rucksäcke liegen im Bauchgepäckfach des Busses und wir kennen uns in St.-Etienne kein bisschen aus. Olala. 5 Minuten vor Zugabfahrt biegt der Bus in die Straße zum Bahnhof ein und bleibt irgendwo stehen. Alle Leute, die den gleichen Anschluss brauchen, stürzen nach draußen und zum Gepäckfach – wir natürlich auch. Rucksäcke geschnappt und allen Anderen hinter gesprintet. An NTs Rat, zum Rennen den Rucksack hochzuschieben, damit das Becken frei ist, denke ich in dem Moment nicht. Ich hätte aber auch gar keine Hand frei gehabt. Wir müssen auf Gleis C; also einmal Treppe runter und einmal Treppe wieder rauf. Wo ist die Luft geblieben? Rein in den Zug. Noch eine Minute bis zur Abfahrt.
Wir kommen mit Verspätung in Lyon an, suchen die Unterkunft und gehen zum Urlaubsabschluss in die selbe Pizzeria zum Abendessen wie zum Urlaubsanfang. Das war MD wichtig.
Und so geht unser Urlaub 2014 zu Ende. Wo wir wohl nächstes Jahr pilgern?
Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine


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8 Gedanken zu “2014-2: 5) Pontempeyrat, Bellevue-la-Montagne, Le Puy-en-Velay, Lyon

    • Die Gegend hinter Puy en Velay fand ich ganz besonders schön. Allerdings kommen hin und wieder auch ganz schöne Anstiege. Immer einen Tag vorher die Herberge reservieren, kennst Du ja sicher. Eigentlich habe ich nur ganz viele schöne Erinnerungen an das Stück. Da es als Familienurlaubsweg beworben wird (zumindest die ersten 10-14 Tage), könnte es etwas voll werden, wenn Ferien sind. Vielleicht nicht gerade Fr/Sa/So von Puy en Velay starten. Unterwegs gibt es wenige „Örtchen“ und da rechts und links Weide ist, kann das schon mal knapp werden.

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