Trauriges Wetter zum Abschied, russisches Familienleben und interkulturelle Fragen

Nishnij Nowgorod zeigt sich wettertechnisch heute von keiner besonders schönen Seite. Es ist neblig, trüb und regnerisch. Die Blätter fallen, was das Ende der schönen gelben und bunten Bäume anzeigt. Es ist mein letzter Tag. Will mir die Stadt den Abschied erleichtern?

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Zum späten Nachmittag bin ich zur Geburtstagsfeier des Sohnes eines Kollegen eingeladen – gemeinsam mit einem anderen russischen Kollegen. Was bringt man mit? Die beiden Kollegen sind dicke Freunde, also frage ich den mitkommenden Kollegen. Er fragt seinen Freund, aber letztlich heißt es, man müsse die Mutter fragen. Ist schließlich Frauensache, sich um die Kinder zu kümmern. Auch wenn sich das langsam ändert, so gehen doch überwiegend die Frauen (die Mütter oder die Omas) mit den Kinderwagen spazieren. Sind die Kinder älter, so im späteren Vorschulalter und im jüngeren Schulalter, gehen die Väter mit den Söhnen und die Mütter mit den Töchtern. Mit den noch älteren Jungs sieht man kaum Eltern unterwegs. Mütter und ältere Töchter gehen oft Arm in Arm auf der Einkaufsmeile flanieren. Und noch etwas geht mir manchmal durch den Kopf, wenn ich junge Familien sehe: Hier werden noch Eltern Eltern und nicht Großeltern. Mit anderen Worten: Eltern sind hier noch sehr, sehr jung verglichen mit Westeuropa.

Die Fragen gehen aber weiter. Dass man etwas mitbringt, wenn man zu Besuch geht, ist klar. Hier sind es meist Süßigkeiten oder Blumen. Oder man beteiligt sich am Essen. Dies aber eher bei engeren Beziehungen. Also frage ich wieder den Kollegen, was ich wohl angemessenerweise mitbringen könnte. Hm, ich bin ja eine Frau und kann nicht einer Frau Blumen mitbringen. Und was Süßes könne ich als Frau auch keiner Frau schenken. Oh, ist Schenken nur den Männern vorbehalten? Okay, dann muss ich an der Stelle auch ein wenig kulturelles Entgegenkommen von der anderen Seite erwarten. Wir einigen uns letztlich auf Blumen. Im Blumenladen lasse ich mich beraten. Die Dame ist sehr nett und geduldig mit meiner Sprache. Und am Ende ist es ein netter Strauß geworden. Dann kann ja dem kulturell interessanten Event „russischer Familienbesuch“ nichts mehr im Wege stehen. Oder etwa doch? Nun, abwarten und Tee trinken. Posmotrim – wie die Russen sagen: Schauen wir.

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Blumen haben in Russland einen sehr hohen Stellenwert. Sehr oft bekommen Reisende, wenn sie zurückkommen, Blumen beim Empfang geschenkt. Blumen sind eine Geste zum Bedanken und auch einfach zum Ausdruck von Zuneigung. Eigentlich schön. Es gibt viele, viele Blumenläden in der Stadt. An einer Stelle sind ganz viele Stände nebeneinander, ca. 30 Meter. Im Sommer werden die Blumen immer wieder begossen, damit sie nicht eintrocknen. Im Winter – und hier wird es schon mal bis -30 Grad kalt – stehen die Blumen in Wärmeboxen, damit sie nicht erfrieren. Aber auf Blumen will man zu keiner Zeit verzichten.

Und heute Nacht geht es dann wieder zurück nach Deutschland. Auch wenn ich mich hier sehr wohl und heimelig fühle, freue ich mich doch wieder auf mein „richtiges“ zu Hause. Und auch wenn es mir hier an nichts fehlt, so freue ich mich auch auf die Sauberkeit in Deutschland und anderen Luxus, an den man sich schon so alltäglich gewöhnt hat, dass man ihn gar nicht mehr wahrnimmt, wenn er nicht hin und wieder mal fehlt, wie auf solchen Reisen.

Wir sehen uns auf dem Weg.

Let’s go!

Belana Hermine

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