Das Camp

Wie angekündigt gibt es nun „themenorientiert“ ein paar Informationen zu den zwei Wochen, in denen ich nicht täglich berichten konnte. Heute geht es also damit los, wo ich eigentlich war.

Das Camp befindet sich ca. 120 km nördlich von Ulan Bator am Fuß der dortigen Bergkette auf ca. 1300-1400 m. Es ist eingeschlossen von (nicht zu hohen) Bergen. Ein Fluss schlängelt sich durch das Tal. Eine Eisenbahnlinie führt am Fluss entlang. Dort fährt auch die Transsibirische Eisenbahn. Rund um das Camp gibt es sozusagen keine Zivilisation. Etwa 1,5 bis 2 km entfernt gibt es eine klitzekleine Siedlung, die auch einen Haltepunkt für Personenzüge hat. Zum Einkaufen fahren die Leute aber irgendwohin. Wir sind mit Jeeps quer durch die Landschaft in das Camp gefahren. Es hat reichlich 3 Stunden gedauert. Einmal hatte sich der Jeep, in dem ich saß, festgefahren, sodass wir alle kräftig anschieben mussten.

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Im Camp gab es eine Jurte des Schamanen. Dort hatte er seine Ritualgegenstände und einen Altar für seinen Geist. Auch seine Schüler, die gerade jeweils im Camp anwesend waren, hatten dort ihren Altar für ihren Geist. Neben dieser Jurte standen immer ein paar (moderne) Zelte. In denen wohnten Angehörige des Schamanen aber auch sonstige Besucher, so z. B. auch Leute, die zu Heilungen in das Camp kamen.

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Auf der anderen Seite gab es drei Jurten, in denen unsere Gruppe untergebracht war. In der einen Jurte wohnten die 5 Männer sowie der Dolmetscher, in einer Jurte wohnten 5 Frauen und in einer weiteren, in der auch ich geschlafen habe, wohnten 7 Frauen. Es gab eine Jurte, die leer stand. In dieser gab es keinen Teppich und auch keinen Ofen. Sie war also nicht bewohnbar. Allerdings diente sie auch nicht der Aufbewahrung. Neben dieser Jurte stand noch eine weitere Jurte, in der sich sozusagen die Küche befand. In dieser Jurte schliefen dann auch einige Leute, die sich um das Essen kümmerten. (Zum Essen gibt es später noch einen Eintrag).

Ein Teil des Camps war durch den sogenannten Ritualplatz belegt. Er befand sich natürlich vor der Jurte des Schamanen. Auf dem Ritualplatz standen 3 Owos – das sind Steinhaufen mit einem Holzstab, die bestimmte Geister ehren. An den Owos wird geopfert – meist Wodka und Milch oder auch (meist blaue) Tücher, Süßigkeiten oder andere Gegenstände. Hier gab es nun einen weißen Owo, einen schwarzen Owo und einen Owo mit 3 Holzstäben – das sogenannte Dreieck. Zum Ritualplatz gehörte auch eine Holzhütte, für deren Besitzer/Geist ebenfalls geopfert wurde.

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Das Camp war umgeben von einem Zaun – das waren Holzpfosten, die mit Draht verbunden waren. Es war kein wirklicher Maschendrahtzaun, wie wir ihn kennen. Die „Löcher“ waren deutlich großzügiger – eben selbst mit Draht gezogen. Vom Altar des Schamanen ging ein roter Faden durch das Dach der Jurte zum schwarzen Owo. Damit sollte eine Verbindung zum Geist des Schamanen hergestellt werden. Oben am Zaun entlang verlief ebenfalls ein roter Faden. Am Eingang zum Camp hatte der rote Faden eine Schlaufe, die über den entsprechenden Holzpfosten gelegt war. Jedes mal, wenn man rein oder raus wollte, musste man diese Schlaufe abnehmen und wieder auflegen. Am besten war es, wenn es jeder selbst macht und nicht die Schlaufe von einem zum anderen weitergegeben wurde, selbst wenn mehrere Leute gleichzeitig rein oder raus wollten. Der rote Faden diente als Schutz gegen negative Einflüsse und sollte eben so selten wie möglich unterbrochen werden.

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Wenn man von außen in das Camp herein wollte, wurde man mit Wacholderrauch abgeräuchert, damit man keine negativen Einflüsse hereinschleppte. Das entfiel nur, wenn man sich in unmittelbarer Nähe des Camps aufgehalten hatte – z. B. mal am Fluss war. Der rote Faden und der Zaun wurden in der Zeit, in der wir da waren, auch einmal abgeräuchert. Das wird wohl regelmäßig gemacht.

Und das ist das Camp von oben.

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Wir sehen uns auf dem Weg.

Let’s go.

Belana Hermine

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