Opferung (?) von Schafen

Schafe spielen im mongolischen Schamanismus eine große Rolle. Es wird viel mit Schafwolle (vornehmlich schwarzer) gearbeitet, aber auch mit Knochen von Schafen.

Und es werden Schafe geopfert. Während der Zeit, die wir im Camp verbracht haben, passierte das zweimal. Ein Anlass ist, wenn ein Schamane ein (weiteres) Tschannar bekommt, sozusagen „aufsteigt“. Das passiert in der Regel einmal im Jahr. In der ersten Woche wurde eine Schamanin initiiert und erhielt ihr erstes Channa. Dafür stand dieses Schaf eine Nacht im Camp. Morgens hat die eine im Camp lebende Hündin dieses Schaf angegriffen. Es dauerte eine Weile, bis jemand den Hund wegjagte.

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Der Kopf des Schafes wird gekocht und dann von den anwesenden Schamanen gegessen. Der Rest des Schafes wurde auf einen Berg gebracht, um dort von Vögeln und anderen Tieren verspeist zu werden. Die Stelle ist der schwarze Fleck ziemlich in der Mitte des Fotos – dort sitzen schon ganz viele Vögel und lassen es sich schmecken.

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Bei dieser Opferung saßen wir ein Stück entfernt und durften/mussten zusehen. Es tut mir leid, aber für mich war das eine Schlachtung. Okay, es floss kein Blut, weil das Schaf auf den Rücken gedreht wurde und relativ schnell die Hauptschlagader zerschnitten wurde. Dann konnte man förmlich sehen, wie das Leben aus dem Körper des Schafs wich.

Viele waren der Meinung, gespürt zu haben, dass sich das Schaf für die Opferung zur Verfügung gestellt hatte und ganz friedlich war. Naja, ich kann ja auch keine Geister etc. spüren. Aber ich hatte doch den Eindruck, dass da ziemlich viel Angst in der Luft lag. Die Männer mussten ganz schön kräftig zupacken, um das Schaf einigermaßen ruhig zu halten. Und es hat auch noch einmal gepinkelt.

Beim zweiten Mal erhielt einer der Schamanen sein drittes oder viertes Channa. Bei einer Schafopferung können auch Schutzgegenstände belebt werden. Wir waren fünf, die einen solchen Gegenstand hatten. Am besten ist es, wenn mit dem Gegenstand die Hauptschlagader durchtrennt wird. Das war aber nur für einen möglich. Die anderen vier wurden durch den Atem des Schafs belebt. Um die „Ehre“ des Durchtrennens der Hauptschlagader wurde gespielt. Wir mussten erraten, welchen Gegenstand der Oberschamane in der Hand hält. Ich hätte gern auf die Teilnahme an dem Spiel verzichten können und habe auch relativ schnell aufgehört, weitere Tipps abzugeben.

Aber wir fünf mussten dann bei der Opferung direkt neben dem Schaf sitzen. Wie schrecklich. Auch dieses Schaf wehrte sich ziemlich gegen die Prozedur und hat noch ein paar Köttel abgeworfen. Besonders schrecklich war das eigentliche Schneiden. Ich werde dieses Knirschen und Knacken wohl nie mehr vergessen.

Eine Bitte: ich möchte keine religiösen oder weltanschaulichen Praktiken bewerten. Dazu wissen wir wohl zu wenig von den Hintergründen. Ich denke nur, dass dies nicht zu einem meiner überzeugten Handlungsmuster werden wird. Und ich hoffe inständig, dass beide Tiere nicht zu lange leiden mussten – wobei ein ziemlicher Skeptitismus geblieben ist :-(.

Wir sehen uns auf dem Weg.

Let’s go!

Belana Hermine

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