Wodka und Milch im mongolischen Schamanismus

Ein paar Wochen, bevor ich in die Mongolei gefahren bin, meinte jemand zu mir, dass die mongolischen Schamanen sehr streng wären. Wenn die Schüler bei der Meditation einschlafen würden, würden sie mit Wodka bespuckt. Hm, so recht konnte ich mir das nicht vorstellen. Aber wenn dem wirklich so ist, dann konnte mir ja was bevorstehen, obwohl ich eigentlich noch nie bei einer Meditation eingeschlafen bin. Aber man kann ja nie wissen und sollte nie „nie“ sagen.

Nun, die praktische Erfahrung macht halt schlauer, deshalb versucht man ja auch ständig, sie zu finden.

Ja, es wird viel mit Wodka rumgespuckt. Aber es ist keine Strafe fürs Einschlafen beim Meditieren. Aber wenn jemand sehr in Trance gefallen ist und von allein nicht so recht herausfindet, dann wird er mit Wodka bespuckt. Den ersten Schwall gibt es in der Regel ins Gesicht. Wenn das nicht reicht, gibt es einen Schwall in den Rücken und dann aufs Dekollete – naja, jedes Mal unter das T-Shirt, sonst hilft es ja nichts. Irgendwann haben wir es dann „Wodka-Dusche“ getauft.

Es gibt einen zweiten Aspekt, warum mit Wodka gespuckt wird. Wenn der beobachtende Schamane mitbekommt, dass sich ein Geist nähert und vielleicht schon zu nahe ist, dann wird ebenfalls mit Wodka gespuckt. Die Geister mögen das wohl nicht. Allerdings nähert sich ein Geist nur, wenn jemand in tiefer Trance ist, sodass beide Gelegenheiten eher zusammenfallen.

Insbesondere für den ersten Zweck tut es aber normales Wasser auch. Wir waren mal am Nachmittag in ziemlicher Hitze auf einem der umliegenden Berge zum Meditieren. Der Schamane hatte wohl den Wodka vergessen oder nicht erwartet, dass er ihn braucht. Da musste dann eben das mitgenommene Trinkwasser herhalten. Meine erste „Wodka-Dusche“ war dann also eine ganz gewöhnliche Wasser-Dusche.

Wodka wird aber auch sonst für alle möglichen Dinge genutzt. Er wird zum Reinigen von Gegenständen – insbesondere Schutzgegenständen – benutzt. Wenn Teile des Körpers auch nur ansatzweise mit negativen Dingen/Energien/Geistern in Berührung gekommen sein könnten, werden sie mit Wodka bespuckt. Und Wodka wird auch den Geistern geopfert. Hier ist mir allerdings nicht ganz klar, wieso man sie mit einer „Wodka-Dusche“ vertreiben kann, wenn man andererseits Wodka opfert, weil sie ihn mögen.

Neben Wodka wird auch Milch geopfert. Dazu hat man dann meist zwei Schälchen – vermische nie Wodka und Milch –> dann erstmal säubern und danach weitermachen. Zuerst wird mit einem Wunsch das Wodkaschälchen in hohem Bogen ausgeschüttet, danach mit einem Wunsch das Milchschälchen. Milch wird aber auch in Behandlungen als Stärkungsmittel eingesetzt, sodass Klienten häufig mit einem Schluck Milch mehr oder weniger verabschiedet werden. Aber auch mit einer Milch-Dusche sollte man rechnen. Die ist dann aber echt klebrig – im Gegensatz zur „Wodka-Dusche“, die einfach „rückstandslos“ wegtrocknet.

Und ob man es nun glaubt oder nicht: heute habe ich eine Flasche Wodka gekauft. Also, ich kann es noch kaum glauben. Wenn ich in Russland eine Flasche Wodka geschenkt bekam, habe ich immer versucht, sie sozialverträglich weiterzuverschenken. Und nun kaufe ich sogar Wodka. Naja, was tut man nicht alles im Sinne des Testens einer Idee. Erste Einsatzgebiete werden wohl die Reinigung der Schutzgegenstände sein.

Wir sehen und auf dem Weg.

Let’s go!

Belana Hermine

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