Berggeister in der Nacht

Eines Nachts haben wir das Camp verlassen und sind Richtung Berg gegangen. (Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, habe ich eigentlich gar keine Vorstellung mehr davon, wo wir da eigentlich waren. Wir waren hinterher ganz schnell wieder im Camp. Naja, egal.)

Wir sollten uns in 3er-Gruppen zusammentun und uns Rücken an Rücken hinsetzen – naja, also so, dass man jeweils den Rücken der beiden Anderen spürte. Ich war mit zwei sehr netten Teilnehmern zusammen und habe mich dabei recht wohl gefühlt.

Dann sollten wir versuchen, den Berggeist zu spüren, den der Schamane rufen wollte.

Naja, mit Spüren ist es ja nicht so bei mir. Aber ein wenig die Nacht und die Nähe der Kollegen spüren, ist schon nett. Ich dachte dann mal so bei mir, dass es ja nicht schaden kann, ein wenig positive Energie durch unsere kleine Gruppe zu leiten. Hinterher meinten die beiden Anderen, dass sie es gespürt hätten. Wie nett.

Während wir also den Berggeist spüren sollten, ist der Schamane um unsere 3er-Gruppen herumgerannt und hat mit etwas gewedelt. Hinterher meinte er, damit hätte er den Berggeist vertrieben, wenn er uns zu nahe gekommen wäre. Er ist wirklich in einem Affenzahn um uns herum gerannt. Und es war echt dunkel so mitten in der Nacht. Er meinte, er wäre in Trance gewesen.

Hinterher gab es eine Auswertungsrunde. Ein Teilnehmer machte wohl eine kritische Bemerkung wegen des Rennens des Schamanen in Trance. Da musste er es dann gleich selbst probieren. Also haben wir uns alle wieder so hingesetzt wie vorher. Und dann musste der Teilnehmer um uns herum rennen. Er hat es nicht annähernd so schnell und geschmeidig geschafft wie der Schamane. Dabei war er deutlich jünger. Und der Schamane war im „Normalzustand“ auch nicht so sehr fit. Jedenfalls hatte er bei unserem Besuch auf dem kleinen Berg am Camp ganz schön gepustet und geprustet. Also, das war schon beeindruckend. Ich hätte wohl in der Dunkelheit auch nicht so um die Leute rumrennen können.

Viele haben in der Auswertungsrunde gesagt, dass sie zuerst einen Schutzkreis gemacht hätten. Das ist eigentlich etwas, das man im „westlichen Core-Schamanismus“ IMMER macht. Ist also sozusagen eine Reflexhandlung. Das fand der (mongolische) Schamane aber gar nicht witzig. Er fühlte sich davon sogar angegriffen. Er meinte, er wäre für unsere Sicherheit zuständig und er würde diese Aufgabe sehr ernst nehmen. Also so durch die Blume: Wir misstrauen ihm. In gewisser Weise kann ich das verstehen. Aber das war dann mal wieder ein typischer Fall von interkulturellem Missverständnis. Er meinte auch, dass der Schutzkreis eine Manifestation unserer Angst wäre und wir dadurch nur unsere Angster verstärken würden. Ab sofort war es dann verboten, irgendwelche Schutzgegenstände zu tragen – die Amulette, die von ihm selbst kamen, mal ausgenommen. Das hat einige doch ganz schön hart getroffen.

Und das Fazit des Erlebnisses? Keine Ahnung, ob ich den Berggeist wirklich gespürt habe. Hin und wieder meinte ich, eine helle, weiße, schemenhafte Gestalt zu sehen. Irgendwann später meinte der Schamane mal, man müsse gar nicht wirkliche Gestalten und Farben und Kleidung oder so sehen. Eigentlich solle man nur das Energiefeld wahrnehmen. Und das wäre eigentlich eher helles Licht. Naja, dann habe ich wohl nicht so falsch gelegen? Der Zweifel bleibt. Aber ich war wirklich sehr beeindruckt von der läuferischen Leistung in der Dunkelheit, in der Geschwindigkeit, über so lange Zeit – ohne zu stolpern, ohne zu schnaufen. Macht das wirklich der Trance-Zustand?

Wir sehen und auf dem Weg.

Let’s go!

Belana Hermine

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