Eine andere Perspektive auf Russland

Bisher hatte ich es in Russland immer mit gut ausgebildeten Leuten zu tun, die eine gut bezahlte Arbeit hatten. Gestern Abend haben wir den ukrainischen Freund der Kollegin kennengelernt. Er ist ein körperlich hart arbeitender Mensch, der dabei aber doch anscheinend gutes Geld verdient. Er hat etwas klarere und auf manch einen vielleicht grob wirkende Umgangsformen. Ich fand es sehr interessant, mit ihm in Kontakt zu kommen. Es zeigte eine andere Seite von Russland, die ich manchmal in Ansätzen schon aus der Ferne gesehen habe.

Er ist groß und kräftig – irgendwie wie ein russischer Bär. Für mich hatte es den Eindruck, dass er in allem, was er tat, seine Männlichkeit beweisen wollte. Dazu gehört in Russland zum Beispiel, dass man dafür sorgt, dass die Damen genug zu essen haben, dass sie genug zu trinken haben und dass sie gut unterhalten werden. Dem kam er sehr akribisch nach ;-). Er sorgte immer dafür, dass Teller und Glas/Flasche nicht leer wurden. Und er fing sogar an zu flirten. Auch das hatte ich ansatzweise schon früher gesehen, aber nie so hautnah. Bis zu einem gewissen Punkt habe ich mich auf alles eingelassen, weil ich einfach wissen wollte, wie das so ist. Es ist aber auch ganz einfach, wieder auszusteigen, wenn man nicht weiter möchte. Leider fand die niederländische Kollegin ihn viel zu primitiv und hat sich gegen alles gesperrt und ziemlich sauertöpfisch daneben gesessen. Schade.

Nach dem Abendessen sind wir mit der russischen Kollegin in ihre Wohnung gefahren. Sie lebt dort mit ihrer Mutter und ihrem Sohn. Jeder hat ein eigenes Zimmer. Dazu gibt es ein Wohnzimmer und eine Wohnküche sowie ein ganz kleines Bad (Waschbecken und Badewanne ohne Platz zum Treten) und eine Nische mit Toilette. Verglichen mit einigen anderen russischen Wohnungen war diese sehr groß. Ich habe viele Wohnungen gesehen, die nur die Wohnküche und das Wohnzimmer hatten, und es wohnten dort Familien mit zwei Kindern.

Die Mutter der Kollegin machte Tee. Es wurden viele Süßigkeiten auf den Tisch gestellt. Und es wurde viel diskutiert. Ja, auch ziemlich offen über Politik. Als der 15-jährige Sohn nach Hause kam, hat er zwei Lieder auf dem Bajan (Ziehharmonika) gespielt. Einfach wundervoll.

Mein Fazit:
Vielleicht haben wir in einigen politischen Fragen ein wenig unterschiedliche Perspektiven. Aber alle, die ich hier getroffen habe – Russen, Niederländer, Deutsche, Ukrainer – wollen in Frieden in ihren Familien leben, wollen ein glückliches Leben leben, wollen ihre Kinder in Ruhe aufwachsen sehen.

Wer also macht hier den Krieg und das Chaos?

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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2 Gedanken zu “Eine andere Perspektive auf Russland

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