Hoffnung fassungslos im Eimer

Und dort ist sie nun herauszuklauben, einzupflanzen und sorgsam wieder großzuziehen :-(.

Gestern auf der Rückfahrt im Zug entspann sich zwischen zwei Muslimen und zwei Christen ein Gespräch über Religion. Es wurde recht heftig. Der eine Christ war einmal richtig ärgerlich geworden. Als er aussteigen musste, dachte ich, dass es nun vorbei wäre. Aber nein. Es ging weiter.

Kurz vor dem Zielbahnhof – ich stand schon im Gang, direkt neben der Diskussionsgruppe – hielt der Zug für ca. eine halbe Stunde. Ich war nun mitten im Geschehen. Es ging Runde um Runde immer heißer her. Es wurde auf unterschiedlichen Ebenen, mit unterschiedlichen Zielrichtungen gestritten. Werte, Glaube, Kirche (im Sinne von Gebäude, im Sinne von Religion, im Sinne von Institution), Wahrheit, Ehre, Verantwortung, Politik, Staat… flogen heftigst hin und her und führten in dieser bunten Mischung zu keinerlei Annäherung. Es zeichnete sich ab, dass eine der Seiten unverrückbar darauf beharrte, im ausschließlichen Besitz der einzigen und allumfassenden Wahrheit zu sein, versuchte, alle Anderen davon zu überzeugen, sich aber vehement jegliche Überzeugungsversuche ihr gegenüber verbat.

Ich fühlte mich da an meiner Stelle ziemlich elend. Eine gewisse Verfahrenheit, Unflexibilität, Eingeengtheit, ja Angst vor dieser aufgeladenen Aggressivität überzog mich mehr und mehr. Sollte ich mich einmischen? Ja? Nein? Doch? Vielleicht?

Ich tat’s. Und noch immer in der Hoffnung auf eine Annäherung oder zumindest eine Auflockerung dieser Einengung fragte ich, ob man beide Positionen nicht als zwei verschiedene Interpretationen derselben Sache verstehen könnte. Jeder verwendet zur Beschreibung der gleichen Dinge eben unterschiedliche Begriffe und führt unterschiedliche Rituale dazu durch. Das hat sich eben kulturell entwickelt. Schließlich leben wir doch alle in derselben Welt.

Falscher Fehler. Öl ins Feuer.

Ja, es gibt verschiedene Interpretationen, aber nur eine einzige, wahrhaft richtige. Und somit waren wir wieder am Anfang.

Ziemlich hilflos, etwas verwirrt und mit deutlicher Angst stieg ich aus. Kann es Annäherung geben, wenn sich (mindestens) eine Seite nicht bewegen will? Kann es Toleranz geben, wenn (mindestens) eine Seite auf dem Besitz der alleinigen, wahren Wahrheit beharrt? Kann es Kommunikation geben, wenn (mindestens) eine Seite unendlich dieselben Argumente wiederholt, ohne auf Äußerungen des Gesprächspartners einzugehen? Wo ist da Platz für einen friedlichen Ausgang dieser hochbrisanten Auseinandersetzung?

Tja, das hat meiner „Hoffnung auf das Gute im Menschen“ deutlich zugesetzt. Möglicherweise bin ich zu sehr Idealist, vielleicht bis an die Grenze der Naivität oder sogar ein Stückchen darüber hinaus. Und so war es wohl mal wieder an der Zeit, in der Realität zu landen. Für das nächste Mal würde ich mir einen deutlich sanfteren Aufprall wünschen.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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4 Gedanken zu “Hoffnung fassungslos im Eimer

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