Todsünde versus Tugend – Teil 1

Hochmut/Stolz/Übermut versus Demut

Zwei Enden einer Skala, die ausdrückt, wie wir uns gegenüber anderen Menschen positionieren. In welchem Maße achten wir sie? Und wie stellen wir uns selbst gegenüber anderen Menschen dar. Müssen wir immer besser sein als alle anderen?

Da stand doch vor Äonen von Jahren in meinem Poesie-Album(*) folgendes:

Sei wie das Veilchen im Moose
bescheiden, sittsam und rein;
und nicht wie die stolze Rose,
die immer bewundert will sein.

In wessen Interesse ist so ein Spruch wohl? Sicher ist es nicht nötig und auch nicht „sittsam“, sich ständig in den Mittelpunkt zu drängeln und andere zur Seite zu schuben. Aber als genauso wenig „sittsam“ erachte ich es, wenn man sich ständig herumschubsen lässt. Die Achtung vor anderen Menschen schließt meiner Meinung nach auch die Achtung vor sich selbst ein. Wenn man sich selbst achten kann, dann braucht man keine Bewunderer von außen, dann sind Stolz und Hochmut gar nicht nötig. Was sagt es also über uns aus, wenn wir stolz und hochmütig sind?

Ein wenig anders sehe ich das mit dem Übermut. Klar: „Übermut tut selten gut!“ So höre ich noch die warnenden Stimmen aus vorvergangenen Zeiten. Mal ein bisschen über die Stränge schlagen. Mal ein bisschen was Neues ausprobieren. Sich mal ein bisschen mehr Spaß und Vergnügen gönnen als gewöhnlich. Vorzugsweise in einem geschützten Rahmen. Das kann sehr anregend und beflügelnd sein. Solange man danach wieder zurück in die Realität findet, kann ich daran nichts Anstößiges finden.

Und Demut? Sollen wir demütig sein? Hier kommt es sicher etwas darauf an, was man unter Demut versteht. In unserem Alltag gibt es – meiner Meinung nach – eine ziemlich negative Beimischung zum Begriff Demut. Meist stellt man sich einen kriechenden, schleimigen Speichellecker darunter vor. Nun, das ist sicher im Zusammenhang von Todsünden und Tugenden nicht mit Demut gemeint. Gemeint ist hier eine Dankbarkeit und eine Wertschätzung dem allgemeinen Sein gegenüber gemeint. Auch dafür gibt es verschiedene Begriffe – dem Schöpfer gegenüber, Gott gegenüber… Auf den Alltag bezogen bedeutet es für mich, dankbar zu sein für alles, was mich umgibt, für alles, was ich habe. Das schließt ganz allgemein das Leben ein, MD, meinen Sohn, Verwandte, Freunde, Bekannte, aber auch das tägliche Essen, den relativen Frieden, den wir in unserer Region genießen dürfen. Und es schließt natürlich auch den Blog und Euch, die Bloggergemeinschaft, mit ein. Ja, ich bin dankbar für alles. Alles ist wert zu sein.

Ich wünsche uns allen, dass wir zu einem angemessen Maß an Hochmut/Stolz versus Demut finden können. Es ist eine Herausforderung für jeden neuen Tag.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

(*) Was ist/war ein Poesie-Album? Es war ein Notizbuch mit weißen Seiten, meist mit einem schönen Umschlag. Man ließ hier diejenigen eintragen, an die man sich gern erinnern wollte. Wer etwas hineinschrieb versuchte, einen Spruch oder ein Gedicht zu finden, das zum Besitzer des Buches passte bzw. etwas enthielt, das man dem Besitzer mit auf den Weg geben wollte. Diese Poesie-Alben waren ein kleiner Schatz, man hielt sie sehr in ehren. So wurden sie beispielsweise noch einmal zusätzlich eingeschlagen, damit der schöne Umschlag nicht kaputt ging. Ging ein Poesie-Album verloren, ging damit buchstäblich eine kleine Welt verloren. In abgewandelter Form sollen wohl die Bücher „Alle meine Schulfreunde“ diese Poesie-Alben fortsetzen.

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2 Gedanken zu “Todsünde versus Tugend – Teil 1

  1. Das erinnert mich daran, dass meine Volksschullehrerin mein Album verschlampt hat und ich es nie wieder gesehen habe :-/ Für mich ein sehr trauriges Ereignis…..
    Ich finde, dass in jedem Bereich des Lebens nur die Mitte gesund ist!

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