Mogilia – Teil 1

Gut. Dann will ich also mal ein Experiment wagen. Ob es sich noch um eine Kurzgeschichte handelt, weiß ich nicht. Aber sie ist definitiv zu lang, um sie als Ganzes in Netz zu stellen. Deshalb gibt es sie also als Fortsetzungsgeschichte. Würde mich freuen, wenn Ihr sagen könntet, was Ihr von der Geschichte haltet. Ich danke Euch. Und nun geht es los.

Mogilia

Trennung

Mogilia rennt nach Hause. Sie will ihrer Mutter erzählen, was die alte Eiche ihr anvertraut hat. Außerdem hat sie ein paar Pilze für das Abendessen gefunden. Vielleicht wird der Hunger dann nicht ganz so nagend sein und sie schlafen lassen.

Aber je näher sie ihrem Zuhause kommt, desto mehr hat sie das Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung ist. Vorsichtig schaut sie durch das Fenster und sieht fremde Männer in ihrem Haus. Sie räumen ihre wenigen Habseligkeiten zusammen und tragen sie nach draußen. Mutig stellt sich Mogilia ihnen entgegen: „Was macht ihr da? Wo sind meine Eltern?“

„Abgehauen anstatt ihre Abgaben zu zahlen. Und du verschwindest auch lieber, ehe es dir an den Kragen geht“, herrschen die fremden Männer sie an. Mogilia versteht, dass sie hier nichts ausrichten kann. Sie dreht sich um und geht.

Doch wo soll sie hin? Also geht sie dorthin, wo sie immer hingeht, wenn sie nicht weiß, wohin sie soll – in den Wald.

Im Wald

Mogilia lehnt sich an die alte Eiche. „Bitte sage mir, was ich tun soll. Wie kann ich meine Eltern wiederfinden?“

„Moosflechten führen dich zu einer Höhle. Richte dich dort ein“, rät ihr die Eiche. Mogilia folgt den Moosflechten und findet eine kleine Höhle. Aus Blättern bereitet sie sich ein Lager. Sie isst ihre Pilze und legt sich zum Schlafen auf ihr Blätterlager.

Sie vermisst ihre Eltern so sehr. Ihre Mutter hat ihr immer nette Geschichten erzählt, damit sie gut einschlafen kann. Als sie so an ihre Mutter denkt, treibt sie schwerelos im dunklen, stillen Weltall. Dieses Schweben hat sie schon immer in schwierigen Situationen beruhigt. Manchmal hat sie ihrer Mutter davon erzählt. Sie hatte jedes Mal gesagt: „Meine Liebe, übe das regelmäßig, damit du es für Notfälle zur Verfügung hast. Wenn du regelmäßig übst, wirst du so bis ins helle Licht treiben und von der allumfassenden Liebe umhüllt werden. Dann kann dir nichts passieren.“ Bei diesem Gedanken fühlt Mogilia einen tiefen Schmerz in sich und sie versucht, das Schweben noch intensiver zu spüren. Um sie herum wird es heller und heller, bis sie komplett in weißes, gleißendes Licht gehüllt ist. Sie spürt Liebe – Liebe zu allem, Liebe zu jedem. Sie spürt jede einzelne Seele des Waldes, der sie umgibt.

Ein winziger Sonnenstrahl kitzelt Mogilia wach. Sie erschrickt zutiefst, dass sie in dieser Höhle ist. Also war es doch kein Alptraum? Aber woher kommt das Licht? Gestern hatte sie das winzige Loch in der Höhlendecke gar nicht bemerkt. „Danke, Sonne, dass du mich geweckt hast“, begrüßt Mogilia die Sonne und steht auf.

Mogilia erinnert sich an den vergangenen Tag. Große Einsamkeit und Traurigkeit überkommt sie und Tränen rinnen über ihr Gesicht. Ein Igel stupst sie an und läuft nach draußen. Soll sie ihm folgen? Sie muss ohnehin etwas zu essen finden. In ihrer Einsamkeit geht Mogilia zu ihrer Eiche und umarmt sie inniglich. Mit ihren Zweigen streicht die Eiche ihr sanft über das Haar: „Wir sind immer hier für dich.“

Mogilia streift durch den Wald. Sie kennt alle Seelen des Waldes. Sie weiß, wo Pilze und Beeren wachsen. Sie weiß, wo sie Nüsse und Feuerholz findet. Sie versteht die Tiere und kann mit ihnen spielen. Mit den Vögeln kann sie um die Wette singen. Es ist Sommer. Mogilia richtet sich die Höhle als ihr neues Zuhause ein.

Im Wald hat Mogilia zwei enge Freunde: die Eiche und einen Stein. Die Eiche kann ihr immer raten, wenn es um alltägliche Fragen geht. Sie rät ihr, wie sie ihre Höhle einrichten kann, wo sie das frischeste Wasser finden kann, wo es die leckersten Beeren gibt, wie sie ihren Körper immer besser kennen und einzusetzen lernen kann, wie sie das leuchtende Licht immer besser aufrechterhalten kann. Auf ihr kann sie klettern, ihre Kraft ausprobieren und sich in ihrem Laubdach verstecken. Zum Stein geht Mogilia, wenn sie Rat in den langfristigen Lebensfragen braucht. Er ist einfach schon so lange auf dieser Welt. Er weiß, wo wir herkommen und wohin wir gehen. Er hat ihr erzählt, dass sie am Ende ihrer Reise auch ihre Eltern wiedersehen wird. Das macht Mogilia Mut.

In der Stadt gibt es jeden Tag einen Markt. Mogilia ist gern dort und sieht den Menschen bei ihrem Treiben zu. Manchmal fällt ein Stück Obst oder Gemüse von einem der Tische. Das kann sie sich schnappen. Aber sie weiß, dass sie sich vor der Oberin des nahegelegenen Klosters in Acht nehmen muss. Sie weiß zwar nicht warum, aber ihre Mutter hatte ihr das immer eingeschärft. Und ihrer Mutter vertraut sie vollkommen.

Manchmal sieht Mogilia die Oberin. Wie mürrisch und unzufrieden sie jedes Mal ausschaut. Ein eisiger Schauer läuft Mogilia den Rücken herunter, wenn sie sie nur sieht. Ja, sie wird sich sehr vor ihr in Acht nehmen.

Fortsetzung folgt…

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Advertisements

6 Gedanken zu “Mogilia – Teil 1

  1. Ich bin NeugierigGespannt wie es weiter geht…

    Ein schöner Geschichten Anfang, auch wenn er thematisch sehr traurig ist und GedankenPhantasien weiter tragen lässt.

    Ich glaube mir gefällt die Vorstellung, das Mogilia im Wald einen Ort hat, an dem sie Vertrauen, Freunde und Hilfe finden kann.

    Wie bist du auf den Namen (Mogilia) gekommen? Bedeutet er etwas (für dich)?

    Vielen Dank, das du das Experiment gewagt hast… 🙂 … ich freue mich auf den nächsten Teil.

    Gefällt mir

    • Liebe Miss Tüftelchen (ich freue mich immer über diesen Namen, wenn ich ihn lese), vielen Dank für Deinen Zuspruch.
      Bei Mogilia hatte ich an Mogli gedacht, der ja auch in der Natur lebte und von dort lernte, glücklich zu sein. Ja, Mogilia wird das Vertrauen und die Hilfe brauchen.
      Dann bin ich gespannt, wie Dir der folgende Verlauf gefällt.
      Liebe Grüße
      Belana Hermine

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s