Hausarzt besteht Test

Um genauer zu sein: „mein“ Hausarzt, der die Praxis von dem Hausarzt übernommen hat, zu dem ich bisher gegangen bin, hat einen Test bestanden. Klar, war kein richtiger Test. Wer bin ich schon, dass ich Hausärzte testen könnte.

Aber muss ja passen zwischen Arzt und Patient. Das tat es mit dem „Neuen“ bisher eben nicht so recht.

Da kam ich wegen eines Bluttests oder eines neuen Rezepts für ein laufenden Medikament und jedes Mal verausgabte er sich mit all seiner Kunst. Ich wusste nicht, was er untersucht hatte. Ich wusste nicht, zu welchem Ergebnis er gekommen war. Der Klassiker war eigentlich, dass er nach jedem Blutdruckmessen meinte: „Der ist aber ein bisschen niedrig.“ Nicht, dass er damit etwas Anderes herausgefunden hätte als sein Vorgänger. Aber vielleicht war er schlauer als dieser? Also fragte ich mal wieder: „Und, was soll ich da machen?“ „Nichts. Ist besser als zu hoher“, wusste also auch er die Standardantwort. Irgendwann ist aber diese Scherzschwelle überschritten.

Es musste sich endlich etwas ändern.

Da war ich also heute wieder nur wegen ein paar Blutwerten dort und wollte um ein neues Rezept bitten. Lief auch ganz erfreulich los. Alles gut, alles gut, alles gut. „Die Muskelenzymwerte sind etwas erhöht“, meinte er. „Vielleicht haben Sie am Tag vorher etwas ausgiebig Sport getrieben? Nicht weiter schlimm.“ Zufällig weiß ich, dass ich schon recht lange nicht mehr wirklich Sport getrieben haben, schon gar nicht ausgiebig. Okay, Haken dran.

„Ja, dann setzen Sie sich mal dorthin. Dann höre ich Sie ab und messe den Blutdruck“, war die Aufforderung des Arztes. ,Oh, nein. Bitte nicht‘, schoss es mir durch den Kopf. Also kratze ich allen Mut aus allen vorhanden und nicht vorhanden Ecken zusammen und meinte, dass ich ein Problem damit hätte, wenn ich meinen würde, gesund zu sein, und trotzdem untersucht würde. Plopp, fiel dem Arzt für einen kurzen Moment das Gesicht herunter. Er kriegte sich aber ganz schnell wieder ein, legte sein Werkzeug zur Seite und sah zu, die Audienz zu beenden.

Und das Testergebnis? Zumindest gibt es keinen Punkt Abzug. Insofern erstmal: „Gut gemacht“ – alle beide ;-). Einen Punkt Abzug gibt es für das süffisante Grinsen und den scheelen Seitenblick, als er seine Praxishelferin über den Umstand informierte. Da ich aber ein Rezept über 400 Kügelchen als Jahresration bekam, will ich für den Moment mal darüber hinwegsehen.

Mein persönliches Fazit: Ich hoffe, auch in Zukunft ausreichend Mut zusammenkratzen zu können, um mich gegen unerklärte (und unerklärliche?) Behandlungen zu wehren.

Holzauge sei wachsam, hätte meine Oma wohl gesagt. Wohl dem, der das Holzauge (noch nicht) gesehen hat.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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6 Gedanken zu “Hausarzt besteht Test

  1. Medizinische Kundenfreundlichkeit

    Manche MEDIZINER
    betrachten
    ihre PATIENTEN
    schlechthin als
    ihre KUNDEN …

    Allerdings,

    diese KUNDEN
    erhoffen sich von
    ihren ÄRZTEN
    eine stets vermittelnde ZUVERSICHT,
    nämlich,
    dass sie wissen, was sie tun !
    ___
    (C) PachT, 2010 – Gedanken im Wartezimmer
    Aus meinem Tagebuch

    Gefällt 1 Person

    • Ich danke Dir für Deine Anregungen.
      Ich vertraue ihm schon, dass er weiß, was er tut. Nur fürchte ich, dass in mehr und mehr Entscheidungen finanzielle Adpekte hineinspielen – ohne das jetzt bewerten zu wollen.
      Wünsche Dir einen (kunden-)freundlichen Tag.

      Gefällt 1 Person

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