Ha Vinh Tho: Grundrecht auf Glück

„Grundrecht auf Glück – Bhutans Vorbild für ein gelingendes Miteinander“
Dr. Ha Vinh Tho
nymphenburger, 2015, 2. Auflage

Noch bevor ich losgelaufen bin, schrieb Wol von diesem Buch. Es interessierte mich brennend. Also habe ich es es mir besorgt und wollte es als Reiselektüre zu meinem Startort mitnehmen. Dort wollte ich es dann in einer der Herbergen für andere Pilger liegenlassen. Wol meinte schon, dass ich das wohl nicht machen werde, wenn ich es erstmal gelesen habe.

Aber es kommt ja immer ganz anders als man denkt ;-).

Ich konnte mich gar nicht beherrschen und habe schon vor der Reise angefangen zu lesen. Dann waren nur noch ein paar Seiten übrig, die mich auf der Fahrt nicht weit gebracht hätten. Also habe ich das Buch nicht mitgenommen und musste es also auch nirgends liegenlassen. Ich hätte wohl sowieso nicht gewusst wo. Keine Pilger – und schon gar keine Deutsch sprechenden – am Anfang des Weges.

Richtig ist aber, dass ich das Buch – vor allem aber das Konzept des Grundrechts auf Glück – faszinierend finde. Jeder, der mal wieder ein paar hoffnungsvolle Ausblicke auf die menschliche Entwicklung braucht, könnte hier vielleicht etwas finden.

Gut finde ich auch, dass es ein Konzept ist, dass tatsächlich gelebt wird. Es krempelt nicht auf einmal alles um, sondern versucht, die Zielrichtung der Entwicklung in menschlichere und umweltverträglichere Bahnen zu lenken. Klappt das in Bhutan im Moment, weil die Menschen dort noch deutlich stärker in ihren Traditionen verwurzelt sind? Würde es funktionieren, wenn man es in westlichen Gesellschaften versuchen würde?

Man kann es nur aus tiefsten Herzen hoffen und vielleicht versuchen, selbst mehr nach diesen Grundsätzen zu leben. So könnte man sich bei jeder Aktion, die man tätigt, bei jeder Entscheidung, die man fällt, fragen, inwieweit das wirklich positive Auswirkungen auf eine möglichst langfristige Befriedigung hat, und inwieweit es ohne Schädigungen anderer Geschöpfe und der Natur bleibt. Wenn einer der Punkte (oder beide) nicht erfüllt ist, dann sollte man es sein lassen, wenn man es ernst meint, mit dem Glück.

Summasummarum für mich ein Hoffnungsblinzeln am derzeit ziemlich schwarzen Horizont. Ich frage mich doch immer wieder, wie Menschen anderen Menschen so etwas antun können – wie können wir uns das antun. Immer wieder suche ich nach Hoffnungsankern, denn ich weiß, dass, wenn ich keinen mehr habe, für mich alles in sich zusammenfällt. Auch in diesem Sinne vielen Dank für den Buchtipp.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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14 Gedanken zu “Ha Vinh Tho: Grundrecht auf Glück

  1. Klingt sehr interessant. Wobei ich mich spontan an metta erinnert fühle. Auch wenn metta auf der anderen Seite ansetzt. Nicht beim Recht auf Glück, sondern dass alles Leben auf dieser Welt danach strebt glücklich zu sein. Und dass dieses Streben uns alle miteinander verbindet.

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    • Danke für Deine Zeilen.
      Metta kenne ich jetzt nur als Meditation, um sich und Anderen Liebes zu wünschen. Im Zusammenhang mit dem Buch würde ich es jetzt eher als eine Möglichkeit sehen, glücklicher zu leben. Aber wie gesagt, ich kenne es nur als die Meditation. Vielleicht gibt es da ja noch Anderes.
      Viele Grüße
      Belana Hermine

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      • Metta ist Liebende Güte. Diese wird durch Meditation kultiviert. Jemandem etwas liebes wünschen, ist ein wenig oberflächlich gedacht. Metta geht wesentlich tiefer und ist umfassender. Und es verändert nicht nur einen selbst, sondern auch das Umfeld.

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      • Du hast recht. Ich habe mich da etwas lax ausgedrückt. Mit „Liebes“ war in der Tat (im Gegensatz zu Liebe) das Umfassendere/Allumfassende gemeint.
        Aber mir wird daraus noch nicht klar, dass das gleichbedeutend damit ist, dass alle danach streben. Ist das ein Postulat oder ergibt sich das aus etwas (woraus?)?
        Viele Grüße
        Belana Hermine

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      • Liebe ist allumfassend, es gibt lediglich verschiedene Ausformungen. Anhaftend oder eben, wie metta, nicht anhaftend, eun wenig vergleichbar mit der christlichen Idee der Nächstenliebe. Alle Lebewesen streben nach Glück, das verbindet uns. Weil alle danach streben, wünschen wir ihnen, dass sie glücklich werden mögen. Diese Art von Meditation hilft zum einen Gleichmut und Akzeptanz, sowie (nicht anhaftende) Liebe zu erlernen (und in die Welt zu tragen).

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      • Danke für Deine ausführliche Erklärung.
        Aber dass alle danach streben, ist dann eben so? Das leitet sich jetzt nicht aus irgendetwas ab? Also sozusagen ein Grundgesetz?
        Bitte, ich zweifle nicht an, was Du schreibst. Ich möchte nur sichergehen, dass ich es richtig verstanden habe.
        Liebe Grüße
        Belana Hermine

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      • Genau, es ist einfach so. Gerade bei den Menschen wird es ja deutlich. Frag mal einen Menschen, was er sich wünscht und da wird jeder Glück nennen (und vermutlich Gesundheit). Falls Dich das Thema interessiert, es gibt von Sharon Salzberg ein ganz tolles Buch dazu (Metta – Buddhas revolutionärer Weg zum Glück).

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