Camino 2016 – 2. Fazit

Jetzt geht es weiter mit der Frage, was ich auf dem Weg gelernt habe.

Heute das 2. Fazit: Gehen in den Schuhen des Anderen.

Eigentlich ist es ein indianisches Sprichwort – oder eher eine indianische Aufforderung: „Gehe erst ein paar Tage in den Mokkasins des Anderen, ehe Du Dir über ihn eine Meinung bildest“ – naja, so vom Sinn her zumindest.

Auf dem Weg hatte ich viele Gelegenheiten, das zu üben, und bin auch oft in meinen Beobachtungen korrigiert worden. Ich habe die entlastende Wirkung dieses Vorgehens erfahren können. Hier zu Hause versuche ich nun, dies immer wieder anzuwenden.

Wie funktioniert das und warum entlastet es?

Die Grundüberzeugung, zu der ich durch das Üben gekommen bin, ist, dass im Normalfall niemand absichtlich jemandem schaden will. Meistens agieren/reagieren die Menschen im Rahmen ihrer Möglichkeiten und im Rahmen dessen, was sie für sich als hilfreich, notwendig und machbar erkennen. Die meisten Dinge sind einfach zu komplex, um das gesamte Umfeld in die Betrachtung einzubeziehen, sodass eben eher wenig darüber nachgedacht wird, was die eigenen Aktionen für Andere für Konsequenzen haben. Das mag man nun als egoistisch und asozial verurteilen. Ich denke aber, dass eine komplette „Umfeldanalyse“ einfach unsere menschlichen Kapazitäten übersteigt.

Wenn man aber davon ausgeht, dass im Normalfall niemand jemand Anderem bewusst und explizit schaden will, so kann man nun überlegen, aus welchen Zwängen und Notwendigkeiten jemand so agiert hat, wie er agiert hat. Man entwickelt ein gewisses Verständnis dafür und ist eher in der Lage ungewollte Nebeneffekte zu verzeihen. Außerdem muss man sich nicht permanent selbst angegriffen fühlen, was das Ärgerpotenzial senkt und einen selbst ausgeglichener und ruhiger macht. Für mich ist das ein sehr gutes Gefühl, weshalb ich dieses Vorgehen gern mehr und mehr in meinen Alltag einbauen möchte – was zugegebenermaßen nicht immer gleich gut klappt 😉

Nur zur Sicherheit: Natürlich gibt es auch Situationen, in denen Menschen anderen Menschen bewusst und vorsätzlich Schaden zufügen wollen. Man kann dann zwar auch überlegen, aus welchen Rahmenbedingungen heraus dieser Mensch genau dies tut, aber es würde jetzt bei mir nicht zu einer Entspannung der Situation beitragen. Aber ich wage zu behaupten, dass das eher seltene Fälle sind.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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8 Gedanken zu “Camino 2016 – 2. Fazit

  1. Sich die Schuhe jemand anderes anzuziehen und versuchen diesen Menschen zu verstehen ist was sehr wertvolles und man lernt dabei auch viel über sich selbst. Jeder hat irgendeinem Grund weshalb und warum er so oder so handelt. Vieles beziehe ich oftmals auf mich und fühle mich angegriffen obwohl es vielleicht gar nicht um mich geht.

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  2. Liebe Belana Hermine,

    das passt heute tatsächlich zu meinem Gedicht! Ich bin auch Deiner Ansicht. Allerdings mit einer Einschränkung: Viele Menschen überlegen zu wenig, bevor sie sprechen oder schreiben. Ein wenig mehr Fein- und Taktgefühl sollten wir wieder lernen (ich nehme mich davon nicht aus). Ein wenig mehr zuhören sollten wir auch wieder können.
    Dann würden wir auch weniger verletzen.

    Ich wünsche Dir einen zauberhaften Abend. Ich begebe mich nach drei anstrengenden Tagen nun endlich mal in ein ruhiges Fahrwasser ….

    Herzliche Grüße

    Sylvia

    Gefällt 1 Person

    • Lieben Dank für Deinen Kommentar.
      Konkrete Übungen habe ich eigentlich nicht gemacht. Es gab zwei in den Ausbildungsmodulen, die sich aber eher auf den aktuellen „Gemütszustand“ des jeweils Anderen bezogen.
      Alles Andere war eher ein permanenter Hinweis von Mentoren/Freunden/Kollegen, die dieses Nachdenken immer wieder anmahnten, wenn ich mal wieder über jemanden am Rumgrummeln war. Dann haben wir gemeinsam überlegt, was Gründe sein könnten. Das war so der erste Schritt.
      Der zweite Schritt war, dass ich selbst anfing, darüber nachzudenken, was Gründe sein könnten. Das haben wir dann gemeinsam besprochen. Dabei habe ich hilfreiche Anregungen bekommen, sodass ich jetzt (im dritten Schritt?) das Ganze ziemlich automatisch und eigenständig mache.
      Der Weg hat halt einfach viele Gelegenheiten geboten. Auch war ausreichend Zeit, sich ausgiebig mit diesen Fragen zu befassen.
      Viele Grüße
      Belana Hermine

      Gefällt 1 Person

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