Rückgabe von Geschenken nach dem Tod des Beschenkten

Nein, diesmal nicht unter der Rubrik „Ungeübte Farbstifte“. Das hat drei Gründe:
1. es waren keine Stifte, sondern Pinsel (okay, relativ egal)
2. es ist deutlich über 10 Jahre her
3. es geht eher um die Geschichte drumherum, die auch mit einer Frage verbunden ist.

Farben mag ich und in regelmäßigen, geometrischen Figuren schaffe ich es hin und wieder, sie aufs Papier (oder auf die Leinwand) zu bringen. Manche Effekte sind dann nichtmal vorausgeahnt oder gar geplant, sondern ergeben sich einfach – wie hier, insbesondere beim roten Bild, der Eindruck, dass die Farben nach außen und wieder nach innen wandern, wenn man konzentriert auf die Mitte schaut.

Auf irgendeiner, lange zurückliegenden Fete entdeckte mein Vater das rote Bild und war von diesem Effekt regelrecht gefangen genommen. Die Nachbarskinder mussten sich gleich unter seiner Anleitung vor das Bild stellen und solange schauen, bis sie endlich sagten, sie würden es auch sehen. Mir war das sehr unangenehm. 

Als mein Vater wieder nach Hause fuhr, habe ich ihm das Bild geschenkt. Seither hing es bei ihm im Flur.

Vor etwa 11,5 Jahren hatte mein Vater einen Schlaganfall und lag lange im Koma. Angesichts der vielen mystischen und magischen Erzählungen darüber, wie/was Menschen im Koma wahrnehmen, habe ich eine kleine Version des Bildes gemacht und sie ihm ans Bett gestellt bzw., wenn ich selbst da war, seine Hand darauf gelehnt. Als er wieder nach Hause ging, nahm er das kleine Bild mit.

Soweit die Geschichte. Soweit alles gut.
Letztes Jahr im Sommer starb mein Vater. Vor kurzem bekam ich ein Paket mit beiden Bildern – ohne „Beipackzettel“, ohne Ankündigung. Ähnliches ist mir nach dem Tod meiner Großmutter passiert. Meine Tante drückte mir etwas in die Hand, das ich meiner Großmutter mal geschenkt hatte, und meinte: „Hier, nimm. Das ist von dir.“
Darauf bezieht sich jetzt meine Frage: Ist es normal, dass man Geschenke, die man jemandem macht, wieder zurückgeschickt bekommt, wenn der ursprünglich Beschenkte stirbt?

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine 

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22 Gedanken zu “Rückgabe von Geschenken nach dem Tod des Beschenkten

  1. Also ich finde das schon eigenartig. Zumindest wäre es eine Moeglichkeit die Person von der das Geschenk war zu fragen, was mit dem Geschenk geschehen soll. Diese Vorgehensweise finde ich ziemlich unsensibel, für den Beschenkten gegenüber ebenfalls wie auch für den Menschen von dem das Geschenk einmal gegeben wurde.
    Segen dir!
    M.M.

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  2. Kann da noch etwas hinzufügen:
    Es fühlt sich noch viel komischer_falsch_seltsamer an, wenn dir der einst Beschenkte, das Geschenk persönlich wieder gibt.
    Das fühlt sich dann so an, als wolle dieser Mensch sicher gehen, dass genau ich es wieder bekomme. Ungläubig waren dann oft meine Reaktionen, doch hatte ich keine Möglichkeit es nicht zurückzunehmen, das erschien mir dann auch unfreundlich…
    Seltsam sind die Menschen…

    Bei deinem Vater, finde ich das nicht so seltsam… es ist ja auch irgendwie eine Erinnerung für dich…
    Ich finde es dann irgendwie sogar schön. Weil deine Tante dachte dann vielleicht auch das du dich drüber freuen könntest_würdest.

    ⭐ blaueGrüße

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  3. Eine interessante Frage, die sich mir gerade aus der Sicht derer stellt, die gerade einen Haushalt aufzulösen haben, in dem Fall den meines im Sommer gestorbenen Vaters.
    Dabei entdeckte ich allerlei Geschenktes, was für mich keinen Wert hat, für den Verstorbenen sowieso nicht, aber vielleicht für den, der es damals verschenkt hat. Vieles war mit Liebe geschenkt und ist mit Erinnerungen an gemeinsam Erlebtes verbunden.
    Darf man das einfach den Entrümpler wegwerfen lassen?
    Da ist zum Beispiel eine Sammlung an Aquarellen in meinem Elternhaus. Ein Freund meiner Eltern, der auch längst gestorben ist, hat sie gemalt. Es sind Bilder aus gemeinsamen Urlauben.
    Alles Geschenke. Ich habe seine Tochter kontaktiert und gefragt, ob sie die haben möchte. Sie hat sich riesig gefreut, die Bilder ihres Vaters „zurück“zubekommen…

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    • Danke für Deine Sicht der „anderen Seite“. Ich kann mir gut vorstellen, dass man da vor vielen schwierigen Entscheidungen steht. Dass Du versucht hast, das mit der Tochter zu besprechen, finde ich gut. So kann man gemeinsam eine angemessene Lösung finden und niemand muss sich komisch fühlen.
      Wünsche Dir viel Kraft für die noch anstehenden Dinge.
      Viele Grüße
      Belana Hermine

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  4. Frei nach dem Motto: nimm deinen Kram wieder mit? Komisches Verhalten.Allerdings dachte ich kurz, es hat auch was intimes wenn ich mein Geschenk zurück nehme und denke. Ich weiss noch wie du dich drüber gefreut hast. Das war dann eine tiefe Sache zwischen dir und mir.und die geht niemand anderen was an. Besonders wenn es ganz persönliche mit Liebe geschenkte Geschenke sind. Gruß Kat

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    • Naja, zumindest war das das, was bei mir ankam.
      Ansonsten kann ich Deine Argumentation gut nachvollziehen. Oftmals hilft es ja, über die Dinge zu sprechen. Ich finde es ja auch nicht schlimm, dass das Bild wieder bei mir ist. Jetzt ist der Dreiersatz wieder „komplett“. Es wäre aber auch schön gewesen zu sehen, dass sich seine Freundin noch daran erfreut.
      Liebe Grüße
      Belana Hermine

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  5. Ich finde das auch irgendwie schön – denn es ging ja um die Verbindung zwischen euch und da ist das Geschenk dich eine Erinnerung daran? Schlimm finde ich, wenn der Beschenkte es zurückgibt – aber so eigentlich nicht.
    Ich finde es sehr berührend wie du das Bild, das dein Vater so mochte, ihm ans Krankenbett gestellt hast 😊

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    • Lieben Dank für Deinen Kommentar und Deine Einschätzung. Ein Geschenk aus der (lebenden) Hand des Beschenkten zurückzubekommen ist definitiv deutlich verwirrender. Das ist mir bisher glücklicherweise noch nicht passiert.
      Dir alles Liebe und Gute.
      Belana Hermine

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  6. Also…, da mir es auch vor kurzen passiert ist, dass ich was bekommen habe aus dem Nachlass meines Vaters, von dem angenommen wurde, dass es ursprünglich von mir stammte (was nicht an dem war..), hier eine Möglichkeit, was ich als Beweggrund ansehe:
    Die engste Hinterbliebene hat keine Platz in ihrer Wohnung für den Nachlass, wünscht sich, dass möglichst wenig weggeschmissen wird, möglichst viel bewahrt wird. Das kann ich nachvollziehen und das empfinde ich nicht als entwürdigend. Es kommt immer arauf an, mit welcher Gestik und Mimik, mit welchen Worten etwas wiedergegeben wird.
    LG

    Gefällt 3 Personen

    • Liebe Hafenmöwe, ich danke Dir für Deine Schilderung und gebe Dir ohne Einschränkung recht. Wie so oft ist die Art und Weise ein wichtiger Aspekt. Die Beweggründe sind völlig nachvollziehbar. Ja, ein paar Worte hätten der ganzen Sache wohl einen anderen Anstrich verliehen.
      Liebe Grüße
      Belana Hermine

      Gefällt 3 Personen

    • Lieben Dank. Ja, es ist sicher schwer, sich in solchen Situationen „richtig“ zu verhalten. Glücklicherweise müssen wir es nicht allzu oft üben.
      Es muss Dir nicht wirklich leid tun. Mein Vater war sehr krank. In gewisser war es sicher gut für alle, auch wenn sich dieser Satz immer ziemlich kalt und herzlos anhört.
      An dem Tag, an dem mein Vater starb, waren wir in Frankreich im Urlaub und es war Nationalfeiertag. Am Abend gab es ein Höhenfeuerwerk. Als da so die Lichtsternchen auf mich niederfielen, hatte ich den Eindruck, dass er jetzt in all diesem bunten Licht aufgegangen war. Es war ein sehr getragenes und liebevolles Gefühl. Ich hatte das Gefühl, dass es ihm jetzt gut geht.
      Liebe Grüße
      Belana Hermine

      Gefällt 1 Person

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