Debüt-Rezension: Projekt Luna

Projekt Luna

  • von Algis Budrys
  • Originaltitel: Rogue Moon
    aus dem Amerikanischen übersetzt von Wulf Bergner
    durchgesehen und ergänzt von Elisabeth Bösl
  • Heyne-Verlag August 2016, Erstausgabe 1960
  • Taschenbuch, 272 Seiten
  • 8,99 € (D), 9,30 € (A)
  • ISBN 978-3-453-31767-3

projekt-luna

Inhalt

In den 1950er Jahren wird auf dem Mond ein Objekt gefunden, das sich jeglicher Untersuchung entzieht. Alle Forscher, die das Objekt betreten, sterben nach kurzer Zeit bzw. kehren völlig geistesgestört von der Mission zurück.

Der Wissenschaftler Edward Hawks entwickelt eine Vorrichtung, um Menschen von der Erde aus auf den Mond zu kopieren. So wird Al Barker, ein Abenteurer, für die Untersuchungen gewonnen und jeweils eine neue Kopie von ihm in das Objekt geschickt.

Tatsächlich kann Barker mit der Konfrontation mit dem Tod umgehen und erkundet so das Objekt bei jedem tödlich endenden Einsatz ein Stückchen mehr.

Edward Hawks und Al Barker bleiben die beiden Hauptfiguren und werden nur durch wenige weitere Personen ergänzt. Durch lange Dialoge werden die Figuren gezeichnet. Insbesondere Hawks und Barker machen im Laufe des Buches Veränderungen durch.

Immer wieder wird die Moralität des Forschungsprojekts angesprochen. Darf es hingenommen werden, dass die Kopie in dem Objekt auf dem Mond stirbt, weil das Original auf der Erde lebendig – und im Falle von Barker – einigermaßen gesund bleibt? Kann Barker seinen Tod (den Tod seiner Kopie) nur deshalb ertragen, weil er weiß, dass er (seine Version auf der Erde) am Leben bleibt? Gegen Ende des Buches relativiert sich diese Frage, denn Hawks und Barker sind vor die Entscheidung gestellt, als Kopie auf dem Mond zu verbleiben, während ihr Original auf der Erde lebt, ohne sich jemals begegnen zu können, ohne jemals den Mond verlassen zu können, oder werden sie sich (ihre Kopie auf dem Mond) selbst töten (können)?

Subjektive Eindrücke

Ich habe hier den Klappentext nicht wiedergegeben, da er – aus meiner Sicht – zu einem anderen, wenn auch in Ansätzen ähnlichen Buch zu gehören scheint. Aber gerade die Frage nach den Erbauern des Objekts, deren Kultur und Wertvorstellungen wäre für mich äußerst spannend gewesen.

Der Anfang zieht sich ein wenig. Ich habe immer wieder darauf gewartet, nun endlich etwas über das Objekt zu erfahren. Das hat mir dann über die etwas länglichen Passagen hinweggeholfen.

Als ich mich damit abgefunden hatte, in dem Buch nicht zu finden, was auf dem Klappentext steht, konnte ich mich trotzdem an dem erfreuen, was das Buch bietet: ausführliche Persönlichkeitsbeschreibungen der Hauptpersonen und die Auseinandersetzung mit den moralischen Fragen von Forschung.

Interessant war es für mich, ein Science-Fiction-Buch zu lesen, das in den 1950er Jahren spielt. Die meisten, die ich bisher gelesen hatte, spielten entweder in der (meiner) Gegenwart oder eben direkt in der Zukunft. So gab es en passant gleich ein paar Einblicke in die damalige Zeit.

Hierbei musste ich besonders schmunzeln, als beschrieben wurde, dass die vielen Daten eines Kopiervorgangs auf ein Magnetband gespeichert wurden. Schon unser Sohn kennt Magnetbänder lediglich noch als Relikt seiner Kindheit in Form von Benjamin-Blümchen-Kassetten.

Fazit

Wenn man sich nicht zu sehr an den Vorstellungen des Klappentextes festhält und auch weder Sternenkrieg noch Thriller erwartet, dann ist das Buch sicher lesenswert. Es stehen eher Persönlichkeitspsychologie und Wissenschaftsethik im Vordergrund. Mit den 272 Seiten hat es eine angenehme Länge, die sich recht zügig „wegliest“.

Alles in allem habe ich mich gefreut, es gelesen zu haben, und danke dem Verlag für das Zur-Verfügung-Stellen des Rezensionsexemplars.

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8 Gedanken zu “Debüt-Rezension: Projekt Luna

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