Als ich zehn war – Teil 4

Lutz Prauser hatte zu einer Blogparade aufgerufen/eingeladen: „Als ich zehn war“. Diese Zeit ist echt schon eine Weile her, aber das Nachdenken darüber, wie es wohl damals gewesen ist, hat doch einige Erinnerungen wach gerufen. Deshalb habe ich mich an der Blogparade beteiligen. Das Ganze habe ich über mehrere Samstage verteilt, sodass es nicht einmal ein riesengroßer Brocken wurde. Heute also Teil 4 „Meine Welt“ und damit der letzte Teil.

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Die elterliche Umgebung und die Schule waren Thema der letzten beiden Samstage. Zwischen der Schule und zu Hause gab es ziemlich unterschiedliche Vorstellungen über „Recht und Ordnung“, zu Hause ging es zudem ziemlich rabiat und unberechenbar zu. Als Kind hat man da ein paar automatische Schutzmechanismen, die man dann einsetzt. Diese betreffen (meiner Meinung nach) einmal die Art der Freizeitbeschäftigungen und auf der anderen Seite die inneren Phantasien und Träume.

Da es schwierig war, sich mit Schulkameraden zu verabreden, waren meine Hobbies eher so ausgerichtet, dass ich ihnen auch allein nachgehen konnte. So habe ich viel gelesen, im Wesentlichen Märchen, Tier- und Sachgeschichten. Natur und Umwelt waren interessante Themen. Mit einem kleinen Plastikfernrohr habe ich die Sterne beobachtet und versucht, die Sternbilder zu erkennen oder die Planeten zu finden. Unter einem kleinen Spielzeugmikroskop habe ich mir Pflanzenteile angesehen. Da man einem Kind keine „ernsthafte“ Arbeit zutraute, gab es natürlich nur Spielzeug, was nicht allzu viel mehr zeigte, als wenn man mit bloßem Auge hingeschaut hätte.

Mein Begleiter war ein Teddy. Er hieß Wuschel, weil er anfangs sehr kuscheliges Fell hatte. Vom vielen Schmusen verfilzte das natürlich nach und nach, was mich aber nicht störte. Er konnte tolle Kunststücke, die ich nicht konnte bzw. mir nie zugetraut hätte. So konnte er, wenn ich ihn nur weit genug nach oben warf, einen doppelten Salto :-).

Geliebt habe ich Farben. Nur leider konnte ich einfach nicht malen. Ich konnte nur ausmalen (so wie heute eben auch). Aber Ausmalen war ja kein kreativer Akt und damit nicht sinnvoll und nicht erlaubt. Deshalb hatte ich ab der Schulzeit kein Malbuch mehr. Im Haus wohnte ein Mädchen. Sie konnte wunderbar malen und sie hatte viele, viele Stifte. Hin und wieder bin ich zu ihr gegangen, habe ihre Farben genossen und ihr beim Malen zugeschaut. Danach fühlte ich mich in gewisser Weise inspiriert und energetisiert.

Meine innere Ruhe fand ich eigentlich auf zwei verschiedene Arten.

Einerseits habe ich Geige gelernt. Es gab ein paar Musikstücke, die den Raum regelrecht zum Schwingen brachten. Man konnte die Musik dann förmlich von außen spüren – zusätzlich zum Spüren der Schwingungen der Geige selbst. Das hat mich sehr beruhigt. Noch heute liebe ich Klänge, die durch den Raum schweben. Das muss nicht unbedingt eine Geige sein. Flöte/Querflöte, Trommel etc. tun es auch.

Die andere Art der Beruhigung fand ich eher abends im Bett. Wenn es dunkel und ruhig war, konnte ich eine Art Schweben heraufbeschwören. Ich hatte dann das Gefühl, schwerelos zu sein. Ich konnte im schwarzen Weltall schweben, aber auch zu den Sternen reisen. Hier habe ich mich wundervoll getragen und geschützt gefühlt. Einmal habe ich meiner Mutter davon erzählt. Danach habe ich es nie wieder jemandem anvertraut. Es war dann eben meine ganz private Angelegenheit.

So war es für mich, „Als ich zehn war“. Punkt!

Herzlichen Dank, Lutz, für die Idee und die Organisation. Danke auch an alle, die mitgemacht haben. Das Lesen der Beiträge hat mir viel Spaß gemacht. Ich fand es sehr interessant, wie unterschiedliche die einzelnen Beiträge an diese Fragestellung herangegangen sind. Interessant fand ich auch, wieder einmal sehr deutlich vor Augen geführt zu bekommen, wie viel eigentlich schon im Alter von 10 Jahren in uns angelegt ist – im negativen wie im positiven Sinne.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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20 Gedanken zu “Als ich zehn war – Teil 4

      • Belana ist die physisch Starke, die hattest Du doch in Deinem „Über mich“ – Beitrag erwähnt. Ich hatte sie fälschlicherweise mit Enterprise verknüpft….

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      • Ist ja nicht tragisch. Der Einfachheit halber reden wir auch meist von Enterprise, auch wenn wir eigentlich eine andere Staffel meinen.
        Ja, Belana ist physisch stark, aber sie ist hin und her gerissen zwischen den Kulturen ihrer Eltern und mehr oder weniger heimatlos/entwurzelt. Das macht sie unzufrieden, streitsüchtig, wütend, aggressiv. Sie ist auf der Suche. Naja, so irgendwie war es eben auch, als ich den Blog angefangen habe. Es geht voran, aber eben langsam. Aber ich bin zufrieden mit den Fortschritten.
        Liebe Grüße
        Belana Hermine

        Gefällt 2 Personen

      • Interessanter Ansatz. Lieben Dank.
        Mag ich Belana? Muss ich mal in Ruhe drüber nachdenken. Ein gewisses Mitgefühl – ja. Ich habe ihr auch immer gewünscht, dass sie ihren Frieden finden möge. Ihre „Ausbrüche“ fand ich weniger schön, habe sie aber auch als Ausdruck ihrer innere Not gesehen.
        Genieße Deinen Sonntag.
        Viele Grüße
        Belana Hermine

        Gefällt 1 Person

      • Irgendwie ist es bei jedem anders, Du schienst Dich doch zu mögen, bist aber, so wie ich denke, hin und her gerissen. Bei mir ist es so, dass ich mich selbst nicht so besonders mag und deshalb vermutlich unbewusst und verstärkt nach Anerkennung suche.

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      • Tja, was soll ich sagen. Bin zwar gerade nicht sooo mies drauf, um zu sagen: „Außen hui und innen pfui“, aber in gewisser Hinsicht drückt es ein bisschen aus, was ich meine. Soweit ich mich zurück erinnere, musste ich gut funktionieren, unabhängig davon, wie es mir wirklich ging. Davon ist wohl noch viel erhalten geblieben, auch wenn ich (von meinem Gefühl her) es hin und wieder schaffe, auch von der Innenwelt ein wenig nach außen zu geben.
        Aber diese Rückmeldung, dass ich doch wie eine „strake Frau“ wirke, habe ich schon hin und wieder bekommen. Und dann waren sie enttäuscht, als sie feststellen mussten, dass es hinter der Fassade ganz anders aussieht. Naja, das Chaos unterm Sofa geht ja nun auch nicht jeden Fremden etwas an 😉

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