Rezension: Kalt erwischt

Kalt erwischt

  • von Heide Fuhljahn
  • Diana Verlag September 2016, Aktualisierte und erweiterte Neuausgabe
  • Taschenbuch, 384 Seiten
  • 9,99 € (D), 10,30 € (A)
  • ISBN 978-3-453-38019-6

kalt-erwischt

Inhalt

Frau Fuhljahn beschreibt die Geschichte ihrere eigenen Depression – Anlass des Ausbruchs, Verlauf, Klinikaufenthalte, Therapiestunden… Sie bezieht unterschiedliche Perspektiven in ihre Schilderungen ein und lässt so beispielsweise auch ihre Freunde zu Wort kommen, wie diese sie als depressive Person erleben bzw. erlebt haben.

Immer wieder streut Frau Fuhljahn Abschnitte mit Sachinformationen über unterschiedliche Aspekte von Depressionen ein. So entwirft sie ein komplexes Bild der Krankheit Depression, stellt die Gruppen der Betroffenen dar, diskutiert den Einsatz von Medikamenten sowie Therapiemöglichkeiten.

Das Besondere des Buches ist sicherlich, dass hier (auto-)biografische Erzählung und sachliche Darstellung gemischt erfolgen im Bemühen, ein rundes Gesamtpaket zu schnüren.

Am Ende des Buches gibt es einen „Service-Teil“, der auf 15 Seiten auf die grundlegendsten Fragen kurze Antwort, aber auch Hinweise auf Hilfsangebote und Internetadressen gibt.

Subjektive Eindrücke

Die Darstellung des (Leidens-)Wegs von Frau Fuhljahn ist eindrucksvoll nachvollziehbar beschrieben. Schnell kann man mit ihr mitfühlen. Hier könnte für depressionsanfällige Personen die Gefahr bestehen, in eine eigene Krise abzurutschen. Zumindest wurden bei mir wieder viele Themen angetriggert, sodass ich hin und wieder eine Lesepause brauchte, um mich wieder ausreichend zu distanzieren.

Hilfreich wäre für mich eine Kennzeichnung der Abschnitte gewesen, in denen es um die Lebensereignisse von Frau Fuhljahn ging, und der Abschnitte, die sich den Sachinformationen widmeten. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass jemand, der sich in einer depressiven Krise befindet und nach Hilfe sucht, es schafft, das gesamte Buch zu lesen. Er/Sie würde vielleicht eher gezielt nach den Informationen zur Hilfe suchen. Der Service-Teil bietet dazu eine gute, aber doch sehr knappe Zusammenfassung, kann aber verständlicherweise nicht alle Sachinformation des gesamten Buches wiederholen.

Die Sachinformationen, die mir überwiegend bereits bekannt waren, haben mich beim Lesen der Lebensgeschichte eher gestört.

Der Klappentext verspricht: „Heide Fuhljahn macht Mut, denn sie versichert: Depression ist heilbar!“ Dieses Versprechen hat Frau Fuhljahn meiner Meinung nach nicht gehalten. Nicht umsonst ist wohl der Untertitel des Buches „Wie ich mit Depressionen lebe und was mir hilft“. Dem Anspruch des Untertitels wird das Buch aber umfänglich gerecht.

Fazit

Für mich war es sehr interessant zu lesen, wie Frau Fuhljahn ihre Krankheit erlebt hat. Ich konnte mich in vielen Punkte wiedererkennen. Das war teilweise schwer zu ertragen, aber es war tief beeindruckend. Depressionskranken würde ich empfehlen, das Buch nur in „guten Zeiten“ zu lesen.

Alles in allem habe ich viel Anteil an der Lebensgeschichte von Frau Fuhljahn genommen und es nicht bereut, das Buch gelesen zu haben. Ich danke dem Verlag für das Zur-Verfügung-Stellen des Rezensionsexemplars.

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20 Gedanken zu “Rezension: Kalt erwischt

  1. Interessant finde ich, dass sie erzählt,wie andere sie in der Krise erlebt haben. Das ist ein Punkt den man oft nicht wahrnimmt wenn man selbst betroffen ist. Um so erstaunter war ich dann, wenn mir näherstehende berichteten, wie diese meine Depression wahrgenommen haben. Oft ist es auch für sie nicht sehr angenehm……

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      • Ok, Du meinst sie haben Angst quasi von der schlechten Stimmung heruntergezogen zu werden und wenden sich ab als Selbstschutz und nicht weil sie einem nicht mögen. Ich denke für einen nicht betroffenen ist es schwierig einen depressiven Menschen zu verstehen, geschweige denn zu ertragen

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      • Zumindest waren das die Grundaussagen der im Buch befragten Freunde.
        Ja, ich denke, es ist in erster Linie Selbstschutz. Ich beobachte es immer wieder, dass ich in einen Raum hereinkomme und das Gefühl habe, das ich vor lauter schlechter Stimmung direkt wieder umkehren sollte. Wenn ich es nicht tue, bin ich nach einer Weile völlig platt.
        Hinzu kommt, dass Depressive (meist implizit und ungewollte) fordern. Sie fordern Aufmerksamkeit, sie fordert die Liebe und Geborgenheit, die sie bisher nicht hatten, etc. Das kann Andere einfach überfordern. Und dagegen schützen sie sich dann.
        Ja, bin ich der ziemlich festen Überzeugung, dass es diese Gründe sind, und nicht weil sie einen nicht mögen. Das kann man wohl aber nicht sehen, wenn man sich gerade in einer Krise befindet.
        Also, das sind alles meine laienhaften Überlegungen und Schlussfolgerungen. Sicherlich gibt es dazu auch irgendwelche wissenschaftlichen Studien. Die kenne ich aber nicht.
        Mach Dir ein vergnügtes Wochenende.
        Viele Grüße
        Belana Hermine

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      • Bei mir war es immer so, dass ich dachte, dass mich sowieso alle hassen. Dementsprechend verhielt ich mich und so wurde es zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung. Mir war nicht bewusst, dass ich mich wegen meiner Angst vor Ablehnung komisch verhalten habe. Manchmal komme ich aus mir raus, gehe auf andere Leute zu und merke, dass diese positiv auf mich reagieren. In diesem Sinne, kann ich mich im Gegenüber spiegeln und so Rückschlüsse auf mich, mein Verhalten und meinen Selbstwert ziehen. Es ist ein Prozess den ich immer wieder von neuem vollziehen muss. Er bleibt nicht gespeichert, so wie Dinge die man einmal gelernt hat. Also muss ich mich immer wieder überwinden, mal geht es gut, mal weniger. Ich glaube ich werde mir dieses Buch bei Gelegenheit besorgen!
        Dir auch ein schönes Wochenende
        LG

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      • Vermutlich hat jeder so seine mehr oder weniger passenden Verhaltensprozeduren. Deswegen ist es wohl auch so schwer, eigene Erfahrungen auf Andere zu übertragen.
        Der Wert, den Du Dir selbst beimisst, sollte allerdings nicht van außen beeinflusst sein. Okay, ich schwatze schon wieder klug rum und schaffe es ja selbst nicht.
        Wünsche Dir ein selbstbewusstes Wochenende
        Belana Hermine

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      • Übrigens, da wir ja viel wissen haben und dadurch unsere Muster langsam kennen erzeugt das eine gewisse Einsicht warum die Dinge so sind wie sie sind. Nun sagt aber Paul Watzlawick: „Einsicht erzeugt Blindheit „. Nach seiner Meinung ist Einsicht nicht unbedingt notwendig, um Leid zu lindern, sie kann in manchen Fällen sogar schaden. Er soll mal gesagt haben, dass ihm kein einziger Fall bekannt sei, in dem ein tiefes Selbstverständnis einen Menschen tatsächlich verändert habe.
        Ich versuche das gerade zu verstehen…..

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      • Hm, so kenne ich Watzlawick eigentlich nicht. Hast Du da ein konkretes Buch oder einen konkreten Artikel im Sinn? Dass Einsicht schädlich sein kann, könnte ich mir vorstellen, wenn man einfach noch nicht so weit ist, es verarbeiten zu können. Dass Einsicht nie positiv wäre, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Wäre aber mal interessant, seine Argumentation dazu zu erfahren.
        Viele Grüße
        Belana Hermine

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      • Lese gerade „das Psychologie Buch“ – wichtige Theorien einfach erklärt. Darin stand es. War auch erstaunt, da ich auch schon einige Bücher von ihm gelesen hatte und dort nie sowas stand.

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      • Ok, vielleicht habe ich es auch falsch verstanden. Obwohl mir mal eine Kursleiterin (eine Psychologin) sagte, dass es mir nichts bringen würde wenns ich mich mit Psychologie befassen würde, ich solle lieber bei einem Therapeuten meine Vergangenheit aufarbeiten. Ich habe es nicht gemacht und befasse mich trotzdem weiterhin mit Sachbüchern zum Thema Lebenshilfe und Psychologie. 🙂

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