Rezension: Der vergessene Jesus

Der vergessene Jesus

  • von Martin Dreyer
  • Gütersloher Verlagshaus Oktober 2016, 1. Auflage
  • Gebundene Ausgabe, 254 Seiten
  • 19,99 € (D)
  • ISBN 978-3-579-08530-2

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Inhalt

Unter Rückgriff auf Bibelzitate werden wir mit einem neuen, unerwarteten, überraschenden Jesus-Bild konfrontiert, das 11 charakterliche Facetten umfasst. Ein einführendes Kapitel soll auf die kommende Diskussion einstimmen. Ein abschließendes Kapitel fragt zusammenfassend, ob Jesus gelebt hat und ob Jesus ein Mensch war. Immer wieder wird in diesen Kapiteln die „Lehrmeinung“ zu Jesus durch die Neuauslegung der entsprechenden Bibelstellen erschüttert.

Das Buch wird abgeschlossen durch das sehr persönliche Glaubensbekenntnis von Martin Dreyer.

Subjektive Eindrücke

Die Idee, sich aus einem neuen Blickwinkel dem Leben und Wirken von Jesus zu widmen, hatte mich angesprochen. Als jemand, der ohne religiöse Grunderziehung aufgewachsen ist und sich nun Schritt für Schritt diesem Gedankengut nähern möchte, hatte ich großes Interesses daran, die Persönlichkeit Jesus näher kennenzulernen. Im Buch „Das Jesus-Video“ (Andreas Eschbach) war mir Jesus als charismatische Person begegnet. Das kam mir sehr glaubwürdig vor. Nun hatte ich die Erwartung, mehr über die Person Jesus zu erfahren.

Diese Erwartung wurde für meinen Geschmack nicht erfüllt. Basierend auf einer anders gearteten Auslegung der Bibelstellen wird (lediglich?) ein anderes Bild von Jesus gezeichnet. Jesus erhielt für mich hierdurch keinen tieferen Lebensbezug, er wurde nicht zu einer Person. Er blieb ein gemaltes Bild, das zugegebenermaßen sehr anders aussieht als das gemalte Bild, das ich bisher kannte. Aber es blieb eben leider ein Bild.

Grundsätzlich war das Buch angenehm, zum Teil lustig, zu lesen. Ab einem gewissen Alter könnte die bewusst auf Jugendliche zugeschnittene Sprache etwas nervend sein.

Hin und wieder habe ich mich über die eine oder andere Passage regelrecht geärgert. So sollen z. B. Brennnessel und Löwenzahn als Unkraut herausgerissen werden (S. 228), dabei gibt es viele sehr nützliche Verwendungsmöglichkeiten für sie. Im Zusammenhang mit dem Afghanistankrieg werden nur Amerikaner erwähnt, die ihr Leben ließen (S. 77). Die Maslow-Pyramide wird als wissenschaftliche Tatsache dargestellt (S. 61), obwohl sie nie empirisch belegt wurde, und später im Buch die Forderung nach dem Vorrang des Glaubens propagiert wird, obwohl dies der Maslow-Pyramide widerspricht. Dies nur ein paar Beispiele. Das sind sicher alles Kleinigkeiten. Wenn sich solche Kleinigkeiten aber häufen, führt das dazu, dass ich beim Lesen ärgerlich werde und das Buch nicht mehr genießen kann, was ich sehr schade finde.

Die Klarheit des Glaubensbekenntnisses des Autors am Ende des Buches hat mich sehr beeindruckt.

Fazit

Definitiv ein streitbares Buch. Trotz meines oben beschriebenen Ärgers hat es mich natürlich zum Nachdenken angeregt und damit mit Sicherheit eines seiner Ziele erfüllt. Vielleicht wäre es von Vorteil, mit dem christlichen Glauben deutlich vertraut zu sein und die entsprechenden Bibelstellen gut zu kennen, um die Argumentationen angemessen nachvollziehen zu können. Vom Schreibstil her richtet sich das Buch definitiv an ein junges Zielpublikum.

Wenn ich mich im Vorfeld genauer darüber informiert hätte, wer der Autor des Buches ist, hätte ich es wahrscheinlich nicht gelesen. Ich bereue aber nicht wirklich, das Buch gelesen zu haben, weil ich zum Nachdenken angeregt wurde. Ich danke dem Verlag für das Zur-Verfügung-Stellen des Rezensionsexemplars.

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7 Gedanken zu “Rezension: Der vergessene Jesus

    • Finde ich ja interessant. Vor ein paar Tagen hatte ich eine ähnliche Frage in einem anderen Blog gestellt, weil ich einfach immer total neugierig bin. Aber dort kam die Frage wohl nicht so gut an, war mein Eindruck. Vielleicht mache ich dazu mal einen Blogbeitrag.
      Da ich von der Arbeit her auch viel lesen muss, lese ich wohl relativ schnell. Ob das immer gut ist, weiß ich nicht. Es bleibt dann hin und wieder nicht alles hängen. Bei einem „normalen“ Taschenbuch sind es so ca. 50 Seiten in der Stunde. Von zu Hause bis zur Arbeit fahre ich ca. eine Stunde mit der Straßenbahn. Da kommt dann doch einiges zusammen 😉

      Gefällt 2 Personen

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