Persönliche Gedanken zu „Ist da oben jemand?“

So ganz schlüssig bin ich mir nicht, in wieweit ich persönliche Gedanken bzw. meine eigene Auseinandersetzung mit dem Thema des Buches in einer Rezension schreiben kann. Vielleicht habt Ihr, die Ihr schon lange Rezensionen schreibt, dazu eine Vorstellung. Dann würde ich mich darüber freuen.

Hauptthema des Buches ist ja, inwieweit der/ein Glaube bei der Bewältigung von Trauer helfen kann.

Die Frage, ob es nicht jemanden gibt, auf den man die Verantwortung oder gar Schuld für ein tragisches Ereignis abschieden kann, kenne ich aus eigener Erfahrung. Ich war ja atheistisch aufgewachsen, wusste aber wohl, dass wir in einer Region lebten, die christlich geprägt ist. Ich wusste auch, dass Menschen zu Gott beten und mit ihm Zweisprache halten. Das einzige war, dass ich bzw. wir es nicht taten. Ich war noch ein Kind, als meine Mutter bei einem Unfall ums Leben kam. Da habe ich wirklich so manches Mal gedacht, wenn ich jetzt doch auch einfach die Schuld und Verantwortung abschieben könnte.

Ich habe auch gemerkt, dass meine Oma nach dem Tod ihrer Tochter wieder anfing, in die Kirche zu gehen. Das hatte sie bis dahin nicht (mehr) gemacht. Auch meinen Vater zog es nach dem Tod seiner Frau wieder mehr in die Kirche. Tja, beide hatten mal diesen Glauben und vermutlich auch eine bestimmte Beziehung zu Gott, was sie nun wieder aufleben lassen konnten. Ich blieb mit meinem Wunsch, Schuld und Verantwortung abzuschieben, ziemlich ungehört sitzen.

Inzwischen habe ich mir eine gewisse Spiritualität erarbeitet. Sie hilft mir, meinen Platz einzuordnen und mich auch überwiegend getragen und geborgen zu fühlen. Ich hoffe, dass dies auch Bestand haben wird, wenn ich mal wieder mit einem unschönen Ereignis konfrontiert werde. Beim Tod meines Vaters, der abzusehen war und somit nicht überraschend kam, half es mir, in einer für mich hilfreichen Art und Weise Abschied zu nehmen.

Allerdings – und nun bin ich wieder bei dem Buch – kann ich mir nicht vorstellen, dass man in dem Moment, wo einen „das Schicksal ereilt“ mit der Suche nach Gott oder nach Spiritualität anfangen kann, um sich dann dadurch getröstet und getragen zu fühlen. Auch ist wohl ein suchendes Umherspringen zwischen verschiedenen religiösen Anschauungen in „Zeiten der Not“ nicht wirklich hilfreich. Die Suche und „Bindung“ sollte (meiner Meinung nach) irgendwann abgeschlossen sein, um darauf aufbauend, sein tragfähiges Netz knüpfen zu können.

Tja, gehört sowas jetzt in eine Rezension? Wohl eher nicht, oder? Aber es gehört definitiv zu meinem Weg und deswegen habe ich jetzt in einem „normalen“ Blog-Beitrag gesetzt.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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21 Gedanken zu “Persönliche Gedanken zu „Ist da oben jemand?“

  1. Liebe Belana Hermine, damals vor hoppla schon fast wieder 1 Jahr, als Biggi an Lungenkrebs erkrankte war ich so panisch, dass ich wieder bildhaft an Gott glaubte; also ich hätte es gerne gewollt, aber das ging dann doch nicht soo einfach, weil auch ich mir eine gewisse Spiritualität angeeignet habe und da haben bildhaft spekulative Gottesanbetungen nichts zu suchen.

    Was „meine“ Spiritualität ausmacht ist nicht irgendjemandem irgendeine Schuld zuzuschustern. Das Thema „Schuld“ sehe ich sowieso als reines klerikales Erpressungsmittel für nicht artige Gläubige an.

    „Meine“ Spiritualität basiert auf dem Vertrauen in eine Kraft oder/und eine Macht außerhalb von mir selbst, die mich auf meinem bisherigem Lebensweg begleitet hat (nicht unähnlich der Höheren Macht der Anonymen Alkoholiker, bzw. die Vorstellung davon).

    Wenn ich Aufgabenstellungen hatte, die ich nicht in kürzester Zeit meistern konnte, so musste ich einfach nur bewußt vertrauen, soll heißen: Das Thema ansprechen, gedanklich (in Zeiten, wo mir Vertrauen schwer fällt plagt mich ununterbrochenes Kopfkino) und dann vertrauend darauf, dass es bald eine Lösung geben wird, zum normalen Tagesgeschehen über gehen.

    Der jüngste Fall von Vertrauen: Ich bat meine Höhere Macht endlich etwas zu tun, mein sanierungsbedürftiges Gebiss zu sanieren. Man muss dazu wissen, dass ich meinte eine Zahnarztphobie zu haben und 11 Jahre nicht mehr bei Zahnarzt gewesen bin, und vor dem Termin damals waren es wohl auch wiederum 10 Jahre. Also, ich bildete mir panische Angst ein, vertraute aber. Gestern habe ich meine Prothesen (8 Zähne hoppla 😉 ) eingesetzt bekommen.

    Nun bat ich (wahrscheinlich nicht sooo inbrünstig) den Wunscherfüller, was ich nun für andere Menschen tun könnte, und mehr als ein Zeugnis ist momentan noch nicht aufgetaucht, was ich tun könnte.

    Nun, früher hatte ich immer Angst und Bedenken als Spinner da zu stehen, aber nach meinen guten und positiven Erfahrungen, die ich in letzter Zeit immer wieder machen darf ist es mir egal, wie andere darüber denken 😉 (falls es sich um schnöde Spötter handelt 😉 )Ach Biggi ist ja in der Remission nach der GROSSEN OP.

    Aus Panik wurde Särke.

    Herzliche Grüße von

    Rainer aus Hamburg

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    • Hallo Rainer,
      ganz lieben Dank für Deinen langen Kommentar. Ja, das ist sicherlich ein „großes“ Thema, über das man noch viel sagen könnte.
      Da ich ja nicht mit einem Gottesbild aufgewachsen bin, habe ich auch so meine Schwierigkeiten mit dieser personifizierten Gestalt. Es geht ein wenig so in die Richtung wie bei Dir. Im Moment würde ich darauf aber noch nicht weiter eingehen wollen, da sich alles noch etwas stabilisieren und fassbarer/benennbarer werden muss
      Viele Grüße
      Belana Hermine

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      • Ja, liebe Belana Hermine, das ist eine Sache,die sich auf Erfahrungen gründet.
        Ich bin eigentlich ein vorsichtiger Mensch aber habe es irgendwie auch geschafft mich in prekäre und schlimme Situationen zu manövrieren und da ist es mir als Kopferter oft schwer mit manchen Dingen einfach umzugehen. Wie jetzt bei der sogenannten Dentalphobie, der Zahnarztbesuch, den ich jahrelang verdrängt habe. Zwischen den Extraxionen waren immer 2 Tage Zeit und es war dann wirklich nicht schlimm. Aber zwischendrin immer wieder endloses Kopfkino.

        Schön wäre es, einfach nur vertrauen zu können und leichtfüßig durch’s Leben zu hüpfen. Aber das ist eben nicht mein Naturell. Und wenn’s dann doch mal heftige Situationen gibt, wo ich nicht lange nachdenken kann: Ja, das ist dann Erlösung.

        So, muss zum Zahnarzt: Der „letzte Eingriff“ dieses Jahr, zumindest was die eigentlichen Kauwerkzeuge betrifft.

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