Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 2 (Melani)

Die Aufgabe

Über die eigentliche Aufgabe hatte ich vor zwei Wochen ja schon geschrieben: Es war die Geschichte aus Kais Sicht. Da ich ja eigentlich der Meinung war, sie aus Melanis Sicht geschrieben zu haben, aber verstanden hatte, woran das lag, habe ich nun versucht, die Geschichte so umzuschreiben, dass sie jetzt aus Melanis Sicht erzählt wird.

Was habe ich gelernt?

Ich glaube, ich habe ein gewisses Gefühl dafür bekommen, wann es eine Geschichte welcher Person ist. Das war sehr lehrreich.

Was fiel mir schwer?

Es war ein bisschen kniffelig, die Dialoge so zu belassen, wie sie in Kais Geschichte waren, und darum herum eine andere Sicht der Geschichte zu bauen. Schließlich haben beide ja dasselbe gesagt, unabhängig davon, aus welcher Sicht man das Ganze erzählt.

Das Ergebnis

Hier also der Versuch, die Geschichte aus Melanis Sicht zu schreiben. Diesmal natürlich ohne Korrektur durch die Betreuerin, weil es ja nicht zum eigentlichen Programm gehört. Über ein paar Hinweise von Euch würde ich mich freuen.

Und an einer Fortsetzung werde ich also auch basteln. Das kann aber noch ein bisschen dauern. Meint Ihr, die Beiden haben Aussicht auf ein gutes Endes?

Der Morgen danach

Ungewöhnlich spät und noch nicht ganz ausgeschlafen tappst Melani an diesem Sonntagmorgen in die Küche. Sie staunt, dass Kai schon wach ist und offensichtlich auf sie wartet. Er umklammert seine Kaffeetasse, sodass die Fingerknöchel weiß hervortreten.

Seit zwei Jahren wohnen sie gemeinsam in dieser WG. Kai studiert Musik. Er ist wild, spontan, wenig berechenbar und doch so ein lieber, netter Kerl. Melani ist da anders. Sie studiert BWL. Was immer sie zu lernen hat, gelingt ihr auf Anhieb, und sie denkt über alles nach, bevor sie etwas tut.

Aber heute Nacht. Kais Wildheit und Spontaneität zeigten sich so behutsam, zart und einfühlsam. Sie konnte sich ihm ganz ohne Grübeln und Nachdenken hingeben und unendlich genießen.

‚Was, wenn er jetzt mehr will?‘, fragt sich Melani. ‚Ich kann nicht mit jemandem zusammen sein, der immer bloß spontan seinen Gefühlen folgt. Man muss doch abwägen, bevor man handelt.‘

„Hi, Meli! Komm, ich mache dir einen Kaffee“, dringt Kais Stimme in ihre Gedanken. Schon springt er zur Kaffeemaschine und reicht Melani schwungvoll die Tasse, sodass der Kaffee fast überschwappt.

„Danke.“ Melani setzt sich an den Tisch, legt die Hände um die Tasse, wie um sich daran zu wärmen, und schaut in ihren Kaffee, bis Kais Worte wieder ihr Grübeln unterbrechen: „Hey, wollen wir heute gemeinsam was unternehmen?“

Sie weiß genau, dass er einfach nur mit ihr zusammen sein will. Aber will sie das auch? Sie muss studieren, einen Job finden, eine Familie gründen. Da ist kein Platz für zu viel Gefühl. Dabei ist Kai ein dufter Kumpel. Wie soll sie ihm das vermitteln, ohne ihn zu verletzen?

„Kai, wir müssen reden.“

„Oh, das hatte ich jetzt nicht gemeint. Hat es dir heute Nacht nicht gefallen?“, fragt er enttäuscht.

„Doch schon. Es war toll. Ja, sehr sogar. Aber es geht nicht.“

„Was? Wieso denn nicht? Das hat doch toll gepasst.“

„Nein, hat es nicht. Überleg doch mal. Du bist Musiker, impulsiv, emotional. So kann man doch nicht leben. Man muss nachdenken, sich einen Plan machen, ein Ziel verfolgen.“

„Heute Nacht warst du aber überaus spontan.“

‚Jetzt versucht er es auch noch auf die lustige Art.‘ Melani ärgert sich, lässt sich aber nicht dadurch beeindrucken. „Kai, ich mag dich ja. Als Kumpel, als Freund. Ich kann mich auf dich verlassen. Du bist da, wenn ich mal reden muss. Aber es geht einfach nicht.“ Die letzten Worte sind kaum noch zu hören. Sie wischt sich über die Augen, als wollte sie Schlafsand wegreiben, und versenkt sich noch tiefer in ihren Kaffee.

‚Was soll ich nur machen? Bin ich schon bereit zu einer festen Beziehung? Was wird aus meinem Studium und meinen Plänen?‘, grübelt Melani. ‚Wie er mich anschaut. Das setzt mich so unter Druck. Ich muss hier raus. Raus!‘

Sie springt auf und rennt in ihr Zimmer. Dort stopft sie ein paar Sachen in eine Tasche und stürmt, ohne ein Wort zu sagen, aus der Wohnung. Die Tür fliegt lautstark hinter ihr ins Schloss.

Schon immer, wenn Melani verzweifelt war und nicht weiter wusste, hat sie Trost und Antwort bei ihrem Großvater gefunden. ‚Großvater wird auch jetzt wissen, was zu tun ist‘, denkt sie und macht sich auf den Weg.

Melanis Großvater wohnt in einer Blockhütte an einem See ganz in der Nähe. Er freut sich immer über ihre Besuche, auch wenn sie unangekündigt kommt, und nimmt sie herzlich in den Arm. Gemeinsam gehen sie ins Haus.

„Großvater, ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich glaube, Kai liebt mich. Aber ich weiß nicht, ob ich ihn ausreichend liebe. Was soll ich tun?“, fragt Melani. Der Großvater schaut sie mit verstehenden Augen an. „Wie wäre es, wenn du eine Runde auf dem See rudern gehst? Du weißt: Der See kennt die Antworten“, bietet er ihr an und zwinkert mit den Augen. „Ach, Großvater“, seufzt Melani, nimmt ihn an der Hand und beide gehen hinaus zum Anlegesteg. Der Großvater hilft Melani beim Einsteigen und Ablegen. Er schaut ihr eine Weile hinterher und geht dann ins Haus zurück.

Melani rudert mit starken Schlägen auf die Mitte des Sees zu. Mit seiner Weite, seiner Ruhe und seinem Frieden suggeriert er ihr genau das, was sie zum Nachdenken braucht. Schon oft hat sie hier hilfreiche Anregungen gefunden. Wer weiß, welchen Vorschlag der See heute für sie bereithält.

Kai war Melani heimlich gefolgt. In seiner Spontaneität wollte er ihr hinterherschwimmen, überlegte es sich dann aber anders. Nun wartet er am Anlegesteg auf sie. Aber davon weiß Melani nichts.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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14 Gedanken zu “Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 2 (Melani)

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