Nachdenken über den Tod #2

Heute also ein paar grundlegende Gedanken darüber, was der Tod überhaupt sein könnte, wie Tod und Sterben zusammenhängen könnten und warum Tod möglicherweise ein solches Tabu-Thema ist.

Vielleicht sollte ich noch vorausschicken, dass das alles nur die Gedanken sind, die ich mir so mache. Weder will ich sagen, dass sie absolut richtig sind, noch will ich sagen, dass nicht auch andere Gedanken richtig sein können. Außerdem scheinen meine Gedanken noch im Fluss zu sein, noch ein wenig unfertig. Und wer weiß, ob nicht das, was das Leben noch so bringt, nicht ein radikales Umdenken bewirkt. Es ist also mehr oder weniger ein aktueller Schnappschuss.

Was ist der Tod?

Wie die meisten wohl wissen, bin ich atheistisch aufgewachsen. Da hieß es ganz einfach, der Tod ist das Ende des Lebens. Danach kommt nichts. Dann ist alles aus und vorbei. Punkt. Eine ziemlich traurig stimmende Vorstellung. Sie beruht wohl im Wesentlichen darauf, dass davon ausgegangen wird, dass der Mensch ausschließlich ein körperliches Wesen ist. Gedanken, die Platz für eine Seele (welcher Art auch immer) lassen, scheinen da weniger traurig zu sein.

Gleich scheint beiden Vorstellungen aber zu sein, dass der Tod den körperlichen Teil des Menschen betrifft. Und da gibt es mehr oder weniger „genaue Definitionen“, was es bedeutet, tot zu sein. Es gibt keine Energieflüsse mehr im Gehirn, was an einer entsprechenden Linie der Hirnstrommessung erkennbar ist. Das ist der sogenannte Hirntod. Die Organe können darüber hinaus noch funktionieren. Erst wenn sie nicht mehr arbeiten und die Zellen beginnen, sich zu zersetzen, wird auch vom biologischen Tod gesprochen. Soweit der Tod des Körpers. Und wie ist das nun mit der Seele, dem Bewusstsein, dem Selbst, dem Ich etc.? Dazu kommen wir an einem späteren Sonntag.

Wie hängen Tod und Sterben zusammen?

Also würde ich sagen, dass der Tod ein Zustand des noch existierenden oder schon zersetzten Körpers ist, den die heutige Wissenschaft an angeblich objektiv feststellbaren Merkmalen festmacht. Über den Tod der Seele, des Bewusstseins, des Selbst, des Ichs etc. wird dabei nicht gesprochen.

Den Prozess, der zum Tod führt, würde ich dann als Sterben bezeichnen. Dabei kann dieser Prozess sehr kurz sein, aber eben auch ziemlich lange dauern. Wenn es ein Prozess ist, muss er irgendwann anfangen. Wann beginnt dieses Sterben? Manch einer meint, er beginnt bereits mit der Befruchtung, weil immer irgendwelche Körperzellen absterben und somit den Körper dem Zustand des Todes näher bringen. Aus meiner (derzeitigen) Sicht würde ich etwas pragmatischer sagen, dass der Prozess des Sterbens dann anfängt, wenn der Körper wirkliche (ziemlich subjektiv und wage) altersbedingte Ausfallerscheinungen zeigt und/oder wenn diejenige Person keinen Willen mehr zum Weiterleben hat. Der erste Aspekt ist eigentlich unumkehrbar und eindeutig auf die Körperlichkeit bezogen. Der Wille zum Leben kann durchaus auch wieder zurückkommen. Meiner Meinung nach hat er eher etwas mit der Seele, dem Bewusstsein, dem Selbst, dem Ich etc. zu tun. Wenn ich auch nicht glaube, dass die Seele… den Prozess des Sterbens aufhalten kann, so bin ich doch der Überzeugung, dass sie ihn verzögern kann.

Warum ist Tod ein Tabu-Thema?

Soweit ist das Ganze ja eher ein sehr „sachlicher Vorgang“. Warum aber haben wir dann so viel Angst davor? Vor etlicher Zeit hatte ich dazu mal einen Beitrag (Angst vor dem Tod) verfasst. Ich denke, die Angst vor dem Eintreten des Zustands „Tod“ hat damit zu tun, dass wir uns nicht vorstellen können, wie es ist, wenn wir tot sind. Der Vergleich mit einem traumlosen Schlaf ist wenig überzeugend, da wir aus einem Schlaf ja (normalerweise) wieder in dieser Realität aufwachen, aus dem Tod aber eben gerade nicht. Etwas, das wir nicht kennen, macht uns eben Angst, solange, bis wir die Erfahrung des Sterbens/des Todes gemacht haben. Aber dann gibt es (zumindest) für unseren Körper kein zurück mehr.

Und in unserer Gesellschaft hat man eben keine Angst zu haben, wenn, dann spricht man nicht darüber. Auch der Drang, nur jung und schön zu sein und daneben nichts Anderes zuzulassen, mag dazu führen, dass nicht über Tod und Sterben (und Krankheit) gesprochen wird. Worüber man nicht spricht, das gibt es nicht. Aber die Angst ist trotzdem da und wird vielleicht sogar noch größer.

Zum Sterben und was danach passieren könnte, gibt es inzwischen viele Publikationen rund um todesnahe oder todesähnliche Erlebnisse. Daraus ziehen viele eine Art Beruhigung, weil es für sie eben eine Erfahrung darüber ist, wie Sterben bzw. wie tot zu sein ist. Auch Vorstellungen darüber, dass es ein Leben (z. B. der Seele) nach dem Tod gibt, scheinen auf viele eine Beruhigung auszuüben. Doch darüber gibt es an einem späteren Sonntag noch etwas mehr.

Teil 1

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

36 Gedanken zu “Nachdenken über den Tod #2

  1. Ich denke zu diesem Thema hat jeder seine eigene Wahrheit oder muss sie noch finden. Mir haben die Bücher von Pascal Voggenhuber geholfen mich mit dem Tod (und meinem manchmal äußerst unerklärlich verrwirrenden Leben) anzufreunden, dafür werde ich ihm auch ewig dankbar sein. Theoretisch mag ich das Thema und rede gern darüber, leider begegnet man aber oft Menschen für die es nur eine Wahrheit gibt und diese wollen sie dir dann aufzwingen und diese Gespräche enden leider grundsätzlich richtig böse.

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    • Da bin ich ganz Deiner Meinung. Deswegen auch die etwas längliche Einführung. Ich hoffe, ich konnte da richtig rüberbringen.
      Für mich sind solche Diskussionen immer sehr anregend. Ich kann nochmal meinen Standort überprüfen, vielleicht auch korrigieren oder eben auch detaillieren/erweitern.

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  2. Ein grosses und sehr spannendes Thema, das du aufgreifst. Eines, worüber wir wohl bis zu letzten Sekunde unseres irdischen Lebens nachdenken werden. Ich glaube an „ein Leben nach dem Tod“ und ich finde es faszinierend, darüber nachzudenken, wie es dann wohl sein wird – auch die Vorstellungen anderer Menschen (z.B. die von Buchautoren 🙂 ) interessieren mich dabei. Bin gespannt auf deine weiteren Gedanken und danke, dass du sie mit uns teilst ❤

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  3. Über das STERBEN und den TOD habe ich f a s t aufgehört, noch tiefgründig nachzudenken.
    Beides gehört zum LEBEN und das wird leider stetig chaotischer …
    Ein Trend, der nicht mehr zu koorigieren, denn aufzuhalten ist, weil er an Beschleunigung zunimmt!

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    • Lieben Dank für Deinen Kommentar.
      Vielleicht ist es Thema, das an eine bestimmte Lebensspanne gebunden ist? Wenn’s durch ist, ist es durch, und kommt erst wieder nach vorn, wenn einschneidende Lebensereignisse dazu drängen. Keine Ahnung – nur eine Vorstellung/Vermutung.

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  4. Gerade, wenn die Wissenschaft über den Hirntod spricht, behauptet sie doch immer, dass der Hirntod das richtige Kriterium für den Tod ist, weil das Ich mit dem Hirn verschwindet. Von daher ist die Rechtfertigung für die Todeskriterien nicht auf Biologie beschränken. Das Kriterium selbst ist zugegebenermaßen biologisch, aber auch nur, weil ein Kriterium Diagnose-Verfahren für das Kriterium nennen muss.
    Wie ist es nun denn eigentlich: Ist der hirntote Mensch tot oder lebt er noch? Oder hängt das mit den Fragen zusammen, die du dir für nächsten Sonntag aufgehoben hast? 🙂

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    • Wenn man vom Mensch als Konglomerat von Körper, Geist und Seele spricht und von einer unsterblichen Seele ausgeht, so wäre es doch naheliegend, nur den körperlichen Tod zu betrachten – oder nicht? Und für die Wissenschaft gibt es ja (leider) eh nur den Körper.
      Viele Grüße
      PS: späterer Sonntag muss nicht zwangsläufig der nächste sein 😉 Es kommt aber – versprochen.

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      • Es sträubt sich alles in mir, den Tod zu zersplittern. Dann ist die Rede davon, jemand sei tot, zutiefst unsinnig. Aber selbst die Religion als letzte Bastion der Seele spricht doch vom Tod. Von daher scheint es mir einen Sinn zu haben, einen „ganzheitlichen“ Begriff zu entwickeln. Oder ihn zumindest nicht allein auf einzelne Aspekte zu beschränken.

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      • Meint die Religion (by the way: welche?) mit Tod nicht auch nur den körperlichen? „Die Seele verlässt den toten Körper“ oder so ähnlich?
        Naja, es ist sicher interessant, sich verschiedene Möglichkeiten anzusehen. Im Moment schaffe ich aber nur eine. Und das mit der „Dreiteilung“ passt für mich derzeit recht gut.

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      • Sie spricht (soweit ich weiß, tut das jede Religion, die abrahamitischen in jedem Fall, in diversen buddhistischen und hinduistischen Werken habe ich es auch so wahrgenommen), aber immer vom „Tod“, ohne ihn zu differenzieren. Die Existenzweise als unsterbliche Seele, egal ob wiedergeboren, bei Gott oder im Nirwana ist dann eine ganz andere Sache. Offenbar auch für die Seele. Und nicht nur für die Hülle, die verwest.

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      • Aber heißt es nicht, dass die Seele den Körper verlässt. Das deutet für mich eher eine Trennung an.
        Dass allgemein vom Tod gesprochen wird, heißt für mich nicht eindeutig, dass nicht doch nur der körperliche Tod gemeint ist.
        Aber das geht vielleicht ein wenig über das Anliegen dieser Blog-Beiträge hinaus. Ich wollte meine Vorstellungen darlegen. Die Entwicklung einer absolut schlüssigen Theorie übersteigt ganz einfach meine philosophischen Fähigkeiten. Gern höre ich mir aber Anregungen an und vergleiche sie mit meinen Vorstellungen. Ich kann nur nicht fundiert darüber diskutieren.

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      • Die Entwicklung schlüssiger Theorien übersteigt die Fähigkeiten der Philosophie insgesamt. Von daher sind meine Nachfragen auch weniger einer feststehenden Sicht der Dinge geschuldet, sondern Punkte, die mir selbst auch nicht ganz klar sind.
        Ich bin allerdings durchaus der Meinung, dass der alltägliche Sprachgebrauch recht zuverlässig Bedeutung hat, zumindest wenn er im Konsens benutzt wird. Und ich frage mich auch, was eine Seele ohne Körper sein sollte, wenn nicht etwas ganz anderes als das, was sie „im Leben“, also vor ihrem Tod gewesen sein soll.

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      • Ist der Konsens, dass es um den Tod von Körper UND Seele geht? Kann ich mir nicht wirklich vorstellen.
        Muss die Seele mit Körper etwas anderes sein als eine Seele ohne? In meiner Vorstellung wäre der Körper mehr oder weniger ein Werkzeug ist, mit dem sie sich anders ausdrücken kann als ohne oder mit einem anderen Werkzeug. Wenn das Werkzeug nicht mehr funktioniert, wird es verlassen. Naja, alles fraglich.

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      • Konsens bestimmt nicht. Aber das führt in der Tat weg vom Thema. Wir müssen uns dann nämlich fragen, ob der Körper wirklich ein Werkzeug oder ein prägender Modus des Seins ist. Und ob das Werkzeug nicht unser Wesen bestimmt. Wie ein Musiker, der je nach Instrument andere Musik macht. Und dieser Unterschied relevant für das Wesen ist. ☺

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  5. The irony of life, it’s that the great question about life depends solely on the mystery of death, and it’s aftermath, if there is one!

    Thank you Belana for this challenging post. 🙂

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    • Thanks a lot for your comment. You are completely right, how we think about death and deal with all aspects connected with it, heaviy depends on our believes about aftermath. I also think, that this is a very personal topic and that everybody has to find his or her own answers to these questions. For me it is interesting to learn about the different thoughts and try to include them into my own thinking.
      Kind regards
      Belana Hermine

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  6. Ich bin fest davon überzeugt, dass es für das, was gemeinhin als Seele bezeichnet wird, ein Weiterleben nach dem Tod gibt. Ich hoffe sogar sehr darauf, dass ich eines Tages in einer körperlosen Form das werde tun können, wovon ich schon mein ganzes Leben lang träume: das Weltall durchstreifen. 😉
    Meine Mutter meint immer, dass die Existenz nach dem Tode – welche auch immer – ungemein schön sein muss, denn es sei bis jetzt noch niemand zurück gekehrt. 😉
    OT: Das Buch von Chris Hadfield zählt ab sofort zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Noch einmal tausend Dank für deine Rezension, denn ohne diese wäre ich wohl nie darauf gestoßen.
    Herzliche Grüße!

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    • Hm, hinsichtlich des Wiederkommens weiß ich nicht so recht. Es scheint ja auch Reinkarnationsgeschichten zu geben. Und viele Leute verdienen eine Menge Geld mit Reinkarnationstherapie. Aber da bin ich mir noch nicht so schlüssig, was ich davon wirklich halten soll.
      Schön, dass Dir das Buch sooo gut gefallen hat 🙂

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