Nachdenken über den Tod #4

Heute soll es um ein paar Fragen über den Umgang mit dem eigenen Tod gehen. Natürlich kann das nur ein derzeitiger Stand der Überlegungen sein. Das wird sich sicherlich im Laufe des Lebens, insbesondere, wenn es einschneidende Erlebnisse gibt, ändern. Trotzdem halte ich es für sinnvoll, sich zu überlegen, wie man zu diesen Fragen steht.

Wie möchte ich sterben?

Es ist natürlich klar, dass man sich nicht aussuchen kann, wie man sterben möchte, und keiner will wohl Schmerzen leiden, bevor er stirbt. So wäre es mir auch am liebsten, wenn am Abend ins Bett gehe und morgens nicht wieder aufstehe.

Wenn in Todesanzeigen steht „mitten aus dem Leben gerissen“, so hat das normalerweise einen bedauernden Unterton, weil man davon ausgeht, dass der/diejenige noch lange Jahre hätte leben können. Aber eigentlich stelle ich es mir für mich nicht als das Allerschlechteste vor, bis zum Ende körperlich und geistig fit und aktiv zu sein und in diesem Sinne „mitten aus dem Leben“ gerissen zu werden.

Sollte es sich allerdings abzeichnen, dass ich sterben werde, dann wäre es mir lieb, wenn ich mich noch von den wichtigsten Personen in der körperlichen Realität verabschieden könnte, wenn ich ihnen sagen könnte, dass das so okay ist und sie nicht zu lange trauern, sondern lieber ihr eigenes Leben feiern sollen.

Wie möchte ich beerdigt werden?

Dies ist schon eher ein Punkt, den man beeinflussen kann. Man muss es halt rechtzeitig mit seinen Lieben besprechen bzw. irgendwo schriftlich festhalten. Inzwischen bieten wohl auch eine Beerdigungsinstitute an, dass man schon zu Lebzeiten alles vertraglich regelt und sogar bezahlt.

Nun, soweit will ich (derzeit?) vielleicht noch nicht gehen. Eigentlich hoffe ich, dass es bis zu meinem Tod auch in Deutschland möglich sein wird, die Asche nach der Verbrennung mit nach Hause zu nehmen. Und dann würde ich gern an einem für mich wichtigen Wander-/Pilgerpunkt verstreut werden. Derzeit wäre das für mich das Kap Finsterra. Aber ich habe ja noch einige Wanderungen vor 😉

Sollte das mit der Asche nicht möglich sein, dann möchte ich gern in einem Friedwald in einer kompostierbaren Urne am Fuße eines schönen, starken Baumes beerdigt werden.

Okay, okay, alles sehr egoistisch. Es bleibt nichts für die Angehörigen, kein Ort, an den sie gehen können. Aber sie wissen es schon jetzt, können sich darauf einstellen und, wenn sie es möchten/brauchen, sich einen eigenen Ort schaffen. Das würde ich aber gern in die Verantwortung eines jeden selbst legen.

Kann man sich bzw. Wie kann ich mich auf meinen Tod vorbereiten?

Meine Vorbereitung besteht eigentlich darin, mir Gedanken darüber zu machen, was Sterben für mich bedeutet, welche Vorstellungen ich darüber habe, was nach dem Sterben passiert, was es bedeutet, tot zu sein.

Oftmals wird berichtet, dass viele Leute im Sterbeprozess bedauern, im Leben etwas verpasst zu haben, Fehler gemacht zu haben, sich bei anderen Menschen nicht entschuldigt, anderen Menschen nicht vergeben zu haben. Ich denke, dass das etwas ist, das man durchaus vermeiden, zumindest verringern kann.

Man kann zu Lebzeiten versuchen, Dinge zu „richten“.

Sind Fehler, die man gemacht hat, nur Fehler, weil man sie aus der aktuellen Sicht heraus als Fehler betrachtet? Wenn man wirklich meint, einen Fehler gemacht zu haben, dann kann man schon jetzt versuchen, den Betroffenen um Verzeihung zu bitten, sich mit ihm auszusöhnen, ggf. Wiedergutmachung zu leisten.

Etwas anders liegt es wohl mit den sogenannten verpassten Chancen oder dem Unerledigten. Sind verpasste Chancen wirklich verpasste Chancen? Wer sagt, dass es gute Auswirkungen gehabt hätte, wenn wir ihnen nachgegangen wären? Hat das, was wir stattdessen gemacht habe, nicht auch positive Effekte gehabt? Und Unerledigtes? Wir werden nie ALLES nur erdenklich Mögliche in einem Leben tun können. Also packen wir doch das an, was uns am Wichtigsten ist, und dann das nächst-Wichtige und so weiter. Vielleicht können wir dann am Ende eher auf das blicken, was wir getan haben und nicht auf das, was wir nicht getan haben.

Trifft der Tod den Sterbenden überraschend?

Meine Vorstellung ist, dass sich der Tod ankündigt. Naja, vielleicht nicht gerade, dass da irgendwann der schwarze Mann mit der Sense vor einem steht und sagt, dass er übermorgen wiederkommt. Aber ich bin überzeugt, dass man, wenn man gut auf sich achtet, spürt, dass das Sterben begonnen hat.

Ich habe das bei meinen Großeltern mütterlicherseits erlebt. Mein Großvater hatte eine schwere Darmerkrankung und danach eigentlich nur noch den Wunsch, 80 Jahre alt zu werden. Das wurde er in einem Februar. In den Sommerferien, in denen die ganzen Enkel normalerweise für ein paar Tage in die Ferien zu meinen Großeltern kamen, rief er jeden einzelnen zu sich und gab ihm ein kleines, sehr individuelles Abschiedsgeschenk. Im Oktober starb er. Meine Großmutter lebte noch viele Jahre. Aber irgendwann fing sie an, das Haus auszuräumen bzw. Dinge, die nicht mehr gebraucht werden, wegzuschmeißen. Als sie so einigermaßen damit fertig war, starb sie.

Wahrscheinlich hätten beide auf die Frage, warum sie dies tun, nicht geantwortet, weil sie bald sterben würden. Aber es war wohl doch ein innerer Drang dahinter.

Teil 3

Teil 2

Teil 1

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

31 Gedanken zu “Nachdenken über den Tod #4

  1. Es ist eine knifflige Frage, ob der Tod vorausgeahnt wird. Ich bin da völlig unentschieden. Ich habe es grundsätzlich so ähnlich erlebt, denke aber, der Tod ist weniger „fix“, sondern flexibel. Ich denke da immer an meinen Großvater. Dieser ist kurze Zeit nach dem Renovieren des Hauses gestorben, das meine Eltern gekauft haben. Er hatte nichts gesagt, war aber während der Arbeiten schon schwer krank. Rückblickend wirkt es eher so, als habe er sich eine letzte Aufgabe gesucht, die es zu erledigen gibt. Um das Unvermeidliche noch ein wenig aufzuschieben.
    Eine kleine Anmerkung habe ich bei deiner Antwort zur ersten Frage: „Es ist natürlich klar, dass man sich nicht aussuchen kann, wie man sterben möchte.“ Natürlich klar ist das nicht. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es eigentlich immer eine Wahl – wenn auch nicht unbedingt sonderlich reizvolle Auswahlmöglichkeiten.

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    • Von „wissen“ bin ich weit entfernt. Man sieht und hört und erlebt und zieht daraus seine Schlüsse. Dabei versuche ich solche Schlüsse zu ziehen, die sich (für mein Verständnis) nicht widersprechen. Das ist alles, was ich tun kann. Die Geschichte über Deinen Opa hört sich aber auch irgendwie so an, als hätte er zumindest innerlich schon geahnt.
      Okay, die Antwort auf die erste Frage, würde ich dann mal so einleiten: Wenn man die Sache mit dem Tod nicht selbst in die Hand nimmt,…
      Viele Grüße
      Belana Hermine

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      • Mehr kann man ja auch nicht erwarten. 🙂 Ich finde die Einschränkung, dass man die Sache mit dem Tod jederzeit selbst in die Hand nehmen kann, übrigens nicht trivial. Der Tod ist damit weniger etwas, das uns überkommt. Ehrlich gesagt macht ihn das für mich persönlich sehr viel sympathischer.

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      • Wer weiß schon, wie schlimm „nur“ unglücklich sein kann, der es nicht selbst erlebt hat? Es ist eine Frage der Perspektive – ebenso wie das, ob „aus dem Leben gerissen“ positiv oder negativ ist.
        Ich bin sehr weit davon entfernt, zum Suizid zu raten oder ihn in Erwägung zu ziehen. Aber als Alternative dem „plötzlichen“ Tod gegenüber ist er unheimlich beruhigend.

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      • Unter bestimmten Umständen und ab einem gewissen Alter würde ich Sterbehilfe befürworten.
        Unglücklich sein kann echt ätzend sein. Und in diesem Zustand sieht man oft keinen Ausweg. Aber wenn es doch wieder besser geworden ist, ist man vielleicht doch froh, noch am Leben zu sein.
        Tja, und so bin ich in der Beziehung, den „Tod selbst in die Hand zu nehmen“, etwas zwiespältig.

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  2. friedwald finde ich wunderbar. und doch ja, man kann doch als angehöriger den baum besuchen? was für einen schöneren ort gibt es, die „letzte ruhe“ zu finden.
    ich finde deine gedanken zum tod, diese reihe, interessant und fein zu lesen.
    sonnigen sonntagsgruß,
    diana

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    • Lieben Dank.
      Ja, die Angehörigen können sich ja merken, welcher Baum es ist, und dann hingehen. Ich finde auch diese Vorstellung, wieder in den Kreislauf der Natur einzutreten, sehr verbunden, behütet…
      Lieben Dank auch für Deine nette Einschätzung dieser Reihe.
      Liebe Grüße
      Belana Hermine

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  3. Ich habe kein Problem mit dem Tod… ganz im Gegenteil. Angst habe ich nur vor dem Sterben. Ersticken oder ertrinken wäre für mich die schlimmste Art zu sterben.
    In meiner Tätigkeit im Altenheim habe ich viele Menschen sterben sehen… manche waren so friedvoll als wären sie vom Tod geküsst worden!? Erschreckenderes wurde mir erspart…
    LG… ich beschäftige mich auch mit diesem Thema… an meiner Herzkrankheit kann ich mich nicht vorbeimogeln!!!

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    • Vielen Dank für Deinen langen Kommentar. Ja, ersticken, ertrinken, verbrennen… Gruselig. Das bleibt den meisten hoffentlich erspart. Erspart bleibt hoffentlich durch entsprechende Maßnahmen auch, dass man zu viele Schmerzen erleiden muss. Und doch werden wir es alle irgendwann erleben.
      Schön, dass es bei vielen so friedlich aussieht.
      Nutzen wir einfach die Zeit, die wir haben, so, wie es eben noch geht. Dann können wir am Ende immer sagen: „Aber das und das habe ich gemacht!“
      Dir alles, alles Gute und noch viele erfüllte Träume.

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  4. Ich möchte im Schlaf sterben. Mein Vater durfte so in die Anderwelt gehen, und er hat so ungemein friedlich und gelöst ausgesehen. Meinen Körper möchte ich der Wissenschaft vermachen. Ich möchte keine hierzulande übliche Bestattung. Wenn mich auch manchmal die Vorstellung, dass man eines hoffentlich noch fernen Tages beim Versenken der Urne mit meiner Asche ACDC’s „Highway to Hell“ spielen wird, sehr erheitert. 😉

    Gefällt 2 Personen

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