Rezension: Um Leben und Tod

Um Leben und Tod – Ein Hirnchirurg erzĂ€hlt vom Heilen, Hoffen und Scheitern

  • von Henry Marsh, aus dem Englischen von Katrin Behringer
  • Penguin Verlag, 13. MĂ€rz 2017
  • Taschenbuch, 368 Seiten
  • 10,00 € (D), 10,30 € (A)
  • ISBN 978-3-328-10067-6

Inhalt

Wer Gruselfilme grundsÀtzlich mag, sie aber ein wenig hart findet, der könnte in diesem Buch angemessen viel Grusel finden, denn gruselig ist es allemal, was Herr Marsh hier berichtet.

In 26 kurze Kapitel unterteilt stellt Herr Marsh anhand von Fallbeispielen aus seiner Praxis verschiedene Erkrankungen des Gehirns vor und beschreibt, wie er sie operativ behandelt hat. Das Blut kriecht ĂŒber das Papier, wir werden hineingezogen in das Bangen und Hoffen, in die EnttĂ€uschung, aber auch in die Triumphe des Arztes und seiner Patienten.

Parallel dazu erfahren wir viel aus dem Klinikalltag. In der Zeitfolge betrachtet scheinen die Restriktionen und Schwierigkeiten, mit denen das Klinikpersonal aufgrund von rechtlichen Regelungen und dem Streben nach höchster Effizienz auch im Gesundheitswesen zu kÀmpfen hat, zugenommen zu haben. Davon bleiben auch die Patienten nicht verschont. Sicher gibt es dabei sinnvolle Regelungen, aber ob alle wirklich auch vom humanistischen Standpunkt aus getroffen wurden, bleibt zu hinterfragen.

Aus den Geschichten, die uns Herr Marsh erzĂ€hlt, wird auch deutlich, welche Anforderungen an ihn als Neurochirurg stehen. Er muss nicht nur ein hervorragender Spezialist auf seinem Gebiet sein, sondern auch seine Mitarbeiter managen, mit den Patienten umgehen können, insbesondere wenn es heißt, ihnen ungute Nachrichten zu ĂŒberbringen. Wir erhalten ĂŒber die ErzĂ€hlungen auch ein wenig Einblick in seine wesentlichen CharakterzĂŒge.

Subjektive EindrĂŒcke

Ja, gruselig ist es, wenn beschrieben wird, wie im Gehirn gearbeitet wird, wie versucht wird, SchÀden zu minimieren. Dabei wird recht schnell klar, dass eine Krankheit im/am Gehirn eigentlich so gut wie keine Chance hat, ohne Nebenwirkungen geheilt zu werden. Eigentlich geht es hauptsÀchlich darum, dem Patienten noch ein bisschen mehr Zeit zum Leben zu geben. Leider ist diese Zeit nur zu hÀufig mit schweren EinschrÀnkungen verbunden.

Manche der sich abzeichnenden Charaktereigenschaften des Autors wĂŒrde ich lieber nicht an Menschen sehen, denen ich mein Leben anvertrauen muss. Anhand der Beschreibungen wird aber relativ verstĂ€ndlich, dass sie auch ihre positiven Auswirkungen haben. Vielleicht braucht ein (Neuro-)Chirurg tatsĂ€chlich hin und wieder diese Glorien-Vorstellungen, um mit dem ganzen Geflecht an Aufgaben und Verantwortungen ĂŒberhaupt umgehen zu können.

Fazit

Ein sehr faszinierendes Buch. Es gibt viel Einblick in die Arbeit eines Neurochirurgen und in den Klinikalltag, was teilweise auf mich recht erschreckend wirkte. Ich habe viel gelernt und mir ist klar geworden, dass jede Operation wirklich sehr genau ĂŒberlegt sein will. Ich hoffe, ich erinnere mich daran, sollte ich einmal in eine solche Situation geraten.

Ich danke dem Verlag sehr herzlich fĂŒr dieses Rezensionsexemplar.

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4 Gedanken zu “Rezension: Um Leben und Tod

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