Nachdenken über den Tod #6

Heute soll es um den „juristischen“ Teil gehen – eigentlich um das, was man vor seinem Tode schon geregelt haben sollte. (Achtung: Dies ist keine Rechtsberatung!)

Testament

Die Familie mag zu Lebzeiten noch so lieb und nett sein, wenn es ans Verteilen der Hinterlassenschaften geht, bricht doch allzu häufig ein grausamer Krieg aus. Möchte man das verhindert und einigermaßen sicher sein, dass diejenigen, die etwas Bestimmtes bekommen sollen, es auch bekommen, dann wäre ein Testament anzuraten.

Für Verheiratete gibt es eine Art „Standardtestament“ – das sogenannte Berliner Testament. Wenn einer der beiden stirbt, bekommt erstmal der Partner alles. Erwachsene Kinder können, wenn sie es unbedingt darauf anlegen, ihren Pflichtteil einklagen. Dann kann aber festgelegt werden, dass sie aus dem weiteren Erbe ausgeschlossen werden.

Für den Fall, dass beide Partner gleichzeitig sterben und es auch keine Kinder gibt, die erben könnten, kann man einen sogenannten Schlusserben einsetzen. Das kann ein Verein sein. Hierzu gibt es dicke Bücher, die entsprechende Vereine auflisten und kurz vorstelle. Wird kein Schlusserbe eingesetzt, fällt alles dem Staat zu.

Vorsorgevollmacht

Für den Fall, dass man selbst nicht mehr über die Dinge des täglichen Lebens entscheiden kann, kann man im Vorfeld eine oder mehrere Personen bestimmen, die dann für einen diese Entscheidungen treffen können. Anderenfalls wird über ein entsprechendes Gericht eine Person bestimmt. Ob man mit dieser dann immer so einverstanden wäre, kann man nicht wissen. Es gibt allerdings ein paar Entscheidungen, die auch die bevollmächtigte Person erst nach Bestätigung durch ebendieses Gericht entscheiden kann bzw. für die diese Person die Bestätigung dieses Gerichts braucht. Da es dabei meist um lebensdringliche Entscheidungen geht, werden diese Beschlüsse wohl relativ schnell gefällt.

Die Übertragung der Vorsorgevollmacht kann man bei einem Notar hinterlegen. Er behält auch die entsprechenden Dokumente, die die zur Vorsorge bevollmächtigte Person im Falle eines Falles dort abholen kann. Man sollte sie nicht im Vorfeld den Personen in die Hand geben, da diese sich bei Vorlage des Dokuments darauf berufen kann, dass die Berechtigung besteht. Es wird also bei Vorlage des Dokuments nicht geprüft, ob die Vorsorge wirklich erforderlich ist.

Ehepartner werden sich meist gegenseitig für einen ersten Schritt zur Vorsorge bevollmächtigen. Da beide aber in der Regel in einem ähnlichen Alter sind und anzunehmen ist, dass sie mehr oder weniger gleichzeitig ein Versorgungsfall werden, wäre es gut, dafür gleich eine weitere zur Vorsorge bevollmächtigte Person einzusetzen. Meist werden das die Kinder sein.

Patientenverfügung

Aus meiner ganz laienhaften Sicht ist die Patientenverfügung eine Art spezieller Vorsorgevollmacht, die sich ausschließlich darauf bezieht, Entscheidungen hinsichtlich medizinischer Maßnahmen zu treffen. Man kann hier festlegen, welche lebensverlängernden Maßnahmen man gern hätte oder eben auch nicht, ob man zum Sterben noch einmal nach Hause gebracht werden möchte, etc.

Bei schwerwiegenden Entscheidungen wird wohl auch der Vorsorgebevollmächtigte hinzugezogen, der dann im eigenen Sinne entscheiden SOLL. Das heißt also auch, dass derjenige, wenn er der Meinung ist, dass man selbst anders entschieden hätte, auch gegen die Patientenverfügung entscheiden kann.

Es ist sicherlich immer schwierig, die Entscheidung für oder gegen die Abschaltung lebenserhaltender Maßnahmen zu treffen. Wenn aber ein solches Dokument vorliegt und man klar zum Ausdruck gebracht hat, was man möchte, kann es den dann für die Entscheidung zuständigen Personen etwas einfacher gemacht bzw. ihnen eine gewisse moralische Last genommen werden.

Auch hierfür gibt es inzwischen Musterlisten, die rechtlich haltbar sind. Man kann hier die Dinge auswählen, zu denen man steht, oder eben auch Dinge ablehnen.

Von einigen Leuten, die in medizinischen Berufen arbeiten, habe ich gehört, dass es auch für Ärzte und Pflegepersonal hilfreich ist, wenn es eine Patientenverfügung gibt.

Und dann?

Sicherlich ist es gut, diejenigen, die die Vorsorgevollmacht übertragen bekommen soll, darüber zu informieren. Sicher ist es auch hilfreich, wenn die Angehörigen wissen, was es an Unterlagen und Festlegungen gibt. Wir haben mit unserem Sohn auch über die Patientenverfügung gesprochen. Klar, er wollte nicht unbedingt viel davon hören. Aber im Endeffekt war es bestimmt für uns alle gut, dass wir es gemacht und auch mit unserem Sohn darüber diskutiert haben. So weiß er, was wir gern möchten und kommt hoffentlich nicht in Gewissensnöte, wenn ein solcher Fall eintreten sollte.

Teil 5

Teil 4

Teil 3

Teil 2

Teil 1

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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11 Gedanken zu “Nachdenken über den Tod #6

  1. Liebe Belana Hermine,
    da kann ich noch mit ganz PRAKTISCHEM Rat aufwarten.
    Es gibt vom C.H.Beck Verlag zwei SEHR empfehlenswerte Vorsorgeformularhefte zum Thema Vorsorge/Patienenverfügung und Erbschaft. Meiner Ansicht nach das beste, übersichtlichste und hilfreichste, was es diesbezüglich auf dem Markt gibt und mit 5,50 € pro Heft auch preiswert:
    http://www.beck-shop.de/Vorsorge-Unfall-Krankheit-Alter/productview.aspx?product=18852000
    http://www.beck-shop.de/Vorsorge-Erbfall/productview.aspx?product=19602763
    Es sind Kopiervorlagen darin enthalten, ausführliche, fundierte und verständliche juristische sowie medizinische Erklärungen und zusätzlich Raum für freie, persönliche Formulierungen für Bereiche, in denen Ankreuzungen des Wünchenswerten nicht ausreichen.
    Vorsorgliche Grüße von Ulrike 🙂

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      • Gern geschehen!
        Wenn man erst einmal die Scheu- und Widerwillensschwelle überwunden hat, sich ernsthaft mit diesen endgültigen Themen zu befassen und sie auch innerhalb der Familie zu regeln, fühlt man sich anschließend organisierter und das macht das Leben einfach leichter.

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      • Da hast Du völlig recht. Nachdem wir es immer wieder vor uns hergeschoben hatten und es nun endlich abschließen konnten, fühlten wir uns auch „erleichtert“. Auch die Gespräche darüber innerhalb unserer kleinen Familie haben uns noch einmal mehr zusammengeführt. Auch in diesem Sinne kann ich es nur jedem empfehlen.

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