(Mein) Osterspaziergang

Habe mich mal erdreistet, den hoch ehrenwerten Herrn Wolfgang von Goethe zu kommentieren (in kursiv). Ich hoffe, Ihr seht mir diese Anmaßung nach.

Vor dem Tor

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
– Yepp, schon lange.

Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
– Ja, das auch.

Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
– Da hatte er ein Stück zu laufen, der Ärmste.

Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
– Nö, schafft er nicht.

Aber die Sonne duldet kein Weißes,
– Braucht sie auch nicht.

Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
– Schwindel: Hier grünt und blüht es in allen nur erdenklichen Farben und Formen.

Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
– Sind mir heute nur äußerst wenige begegnet – schade.

Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
– Geht nicht – die Sonne lässt sich leider nicht blicken.

Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!
– Ja, „Ich bin“. Und ich hoffe, „Ihr seid“ auch.

Wünsche Euch noch frohe Osterstunden und genießt Euer Sein.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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14 Gedanken zu “(Mein) Osterspaziergang

      • Auch ich hatte mich mal an GOETHE vergriffen:
        ___Pappenheimer Ballade (frei nach “Erlkönig” von J. W. v. Goethe)

        Wer rennt durch den Wald wie aus dem Häuschen?
        ‘s ist Onkel Charlie mit dem ‚Mäuschen‘.
        Mit Lust genießen sie die Natur,
        doch leider für ein paar Tage nur.

        “Mäuschen, was birgst du so bang dein Gesicht?” –
        “Siehst,Charlie, du den Schutzmann nicht?
        Den Schutzmann in Eisen und Stahl?” –
        “Mäuschen, das ist ein Laternenpfahl!”-

        “Du liebes Kind, komm geh’ mit mir”,
        sprach plötzlich ein fremder Mann zu ihr.
        Da erfasst sie Onkel Charlie’s Hand
        und ist schnell mit ihm davon gerannt.

        “Onkel Charlie, Onkel Charlie, hörst du nicht,
        was mir der fremde Mann da verspricht?” –
        “Sei ruhig, steck’ in die Ohren Watte!
        Wer so spricht, hat’s in der ‘Platte’! –

        “Willst kleines Mädchen, du mit mir gehn?
        Auch in den schönsten Kleidern sollst du gehn;
        in einem weißen ‘WOLGA’ * würd’ ich dich fahrn
        und dir Schönes zeigen in den nächsten Jahr’n.” –

        “Hörst du, Onkel Charlie, und siehst du nicht dort
        den fremden Mann am düsteren Ort?” –
        Mein ‚Mäuschen‘, ich seh im Mondenschein
        nur die Konturen vom Mommelstein!” –

        “Du, Kleine! Mich reizen deine schwarzen Augen;
        möchte behaupten, dass sie etwas taugen!”
        “Onkel Charlie! Onkel Charlie, halt mich fest
        oder gib dem alten Kauz den Rest!” –

        Onkel Charlie kämpft nun wie besessen,
        hat dem Fremden ein paar … angemessen;
        rappelt sich auf am düst’ren Ort,
        doch sein kleines „Mäuschen“, das war fort …
        ___
        (C) P a c h T 1967
        Gedanken nach einer lustigen Urlaubsbegegnung
        mit einem vierjährigen Mädchen

        Gefällt 1 Person

      • Das ist toll und zum Schmunzeln. Danke 🙂
        Beim Erlkönig muss ich immer an Rolf Herricht und Hans-Joachim Preil denken:
        Wer reitet so spät
        die Nacht ist frisch?
        Das ist Herr Preil
        auf seinem Tisch.
        Ist doch schön, dass uns die Klassiker auch heute noch nicht nur zum Nachdenken anregen, sondern auch Freude bescheren.
        Herzliche Grüße
        Belana Hermine

        Gefällt 1 Person

    • Irgendwie muss ich Ostern immer daran denken. Wir mussten es in der Schule lernen. Aber ich kann es nicht mehr komplett. Irgendwas fehlt zwischendrin immer.
      Keine Ahnung, ob es vor 250 Jahren kälter war, vielleicht ist dieses Jahr Ostern auch einfach nur ziemlich spät?
      Österliche Grüße
      Belana Hermine

      Gefällt 1 Person

  1. „Von dort her sendet er, fliehend, nur
    Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
    In Streifen über die grünende Flur.
    – Nö, schafft er nicht.“ – doch doch doch 🙂 , in Berlin hat’s gestern gut gehagelt. Die weißen Körnchen haben eine Weile gebraucht, bis sie wieder schmelzen durften 😉
    Liebe Grüße
    Agnes

    Gefällt 1 Person

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