Nachdenken über den Tod #7

Was liegt heute, am Ostersonntag näher, als sich darüber Gedanken zu machen, was nach dem Tod passiert. Gibt es ein „Danach“? Für welchen Teil von uns gibt es ein „Danach“?

Für mich ist es eigentlich recht unstrittig, dass es für den Körper in dem Sinne kein „Danach“ geben wird. Er wird entweder verwesen, wenn er beerdigt wird, oder als Staub enden, wenn er verbrannt wird. Auf jeden Fall wird er als Futter für so manches Getier dienen und damit eigentlich doch wieder in einen Lebenskreislauf eintreten – nur eben in anderer Form.

Bleibt die Frage nach unserem Bewusstsein, der Seele, der geistigen Essenz – welchen Ausdruck man auch immer dafür verwenden möchte.

Die eher wissenschaftlich orientierte Sicht

Thich Nhat Hanh, ein vietnamesischer Zen-Lehrer, hat mal gesagt, dass eine Flamme nicht stirbt. Sie zieht sich nur zurück, um sich bei günstigen Gelegenheiten wieder zu zeigen. So ähnlich könnte man sich das bei geistigen Qualitäten vorstellen. Und in der Tat kennt die Wissenschaft hier den Begriff der Emergenz (Wikipedia: „Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen eines Systems infolge des Zusammenspiels seiner Elemente“). Wenn in unserem Gehirn entsprechend hohe Hirnströme zu verzeichnen sind, dann können wir die Welt bewusst wahrnehmen – wir sind bei Bewusstsein. Sind die Hirnströme zu niedrig, schlafen wir oder wir liegen tatsächlich im Koma – sind also nicht bei Bewusstsein.

Wenn nun die materielle Basis für das Bewusstsein verfällt und dann nicht mehr existiert, dann wird auch in dieses Gehirn kein Bewusstsein mehr zurückfinden können. Es wird möglicherweise an eine andere Stelle „ziehen“, wo es wieder gute Bedingungen für sein Erscheinen findet.

Der Weg durch die Hölle zum Licht

Viele Religionen und Glaubensrichtungen kennen einen Weg, den die Seele nach dem Tod der körperlichen Hülle gehen muss. Da wird von der Hölle gesprochen oder Regionen, in denen Dämonen und sonstige schreckliche Gestalten ihr Unwesen treiben, was zum Teil als Strafe für im Leben begangenes Unrecht verstanden wird. Je nach Religion/Glaubensrichtung bleibt man dort stecken, verirrt sich in diesen unwirtlichen Regionen oder schafft den Weg ins Licht.

Einige Nahtod-Erlebnisse berichten davon, dass das ganze Leben an einem vorbeiziehen würde. Es scheint also ein Art „Abrechnung“ mit dem gelebten Leben zu gehen. Alles, was offen ist, wird einem hier noch einmal präsentiert – Schuld, die nicht vergeben ist, ungeklärte Streitigkeiten, nicht wahrgenommene Chancen etc. Also, das stelle ich mir schon höllisch vor und ist ja dann tatsächlich wie eine Strafe für das, was man in seinem Leben Unrechtes getan hat. Und wenn es mir nicht gelingt, damit meinen Frieden zu machen, dann werde ich in dieser „Abrechnungsschleife“ steckenbleiben. Am besten also, man versucht diese Dinge schon zu Lebzeiten zu klären.

Mein Fazit

Mein Fazit ist ein wenig meine (!) Antwort auf die Frage, ob das Leben mehr Sinn hat, wenn wir uns des Todes bewusst sind. Ich denke, wenn wir uns wirklich und wahrhaftig bewusst sind, dass unsere Lebenszeit begrenzt ist und wir irgendwann unsere körperliche Existenz verlassen müssen, dann wird man das, was man derzeit hat und erlebt, viel bewusster wahrnehmen. Es könnte schließlich das letzte Mal sein, dass man es erfahren darf. Jeder Augenblick wird dann kostbar. Man möchte keinen mehr in taubem Dümpel verschwenden.

In diesem Sinne verstehe ich auch die Aussage, man müsse sterben, um zu leben. Erst wenn ich mir des Todes ganz bewusst bin, wenn ich mir klar bin, was Sterben bedeutet, werde ich das Leben in seiner Gänze wertschätzen können. Und hierhin gehört sicher auch der Spruch, dass man so leben solle, als wäre es der letzte Tag.

Eine sehr optimistische Ergänzung dazu habe ich letztens gelesen: Lebe so, als wäre es Dein letzter Tag, und lerne so, als hätte Du das ganze Leben noch vor Dir 🙂

Ende

Damit schließe ich die Reihe „Nachdenken über den Tod“ ab. Ein großer Dank geht an Euch, dass Ihr mich durch diese Gedanken begleitet habt. Danke auch für Eure vielen Diskussionen, die anregend waren, neue Denkanstöße gaben, aber auch – wie für Diskussionen wünschenswert – hin und wieder kontrovers waren.

Auch wenn ich vorerst nicht weiter darüber schreiben werde, so werde ich mich doch sicherlich weiter mit dem Thema „Tod“ befassen. Ich bin überzeugt, dass sich manche Einstellung dazu über die Zeit ändern wird. Und ich hoffe, dass ich bereit sein werde, wenn es für mich soweit sein wird.

Teil 6

Teil 5

Teil 4

Teil 3

Teil 2

Teil 1

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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8 Gedanken zu “Nachdenken über den Tod #7

  1. Es war sehr interessant, deinen Gedanken zu folgen und darüber nachzudenken. Ich danke dir für deine Beiträge zu diesem wichtigen Thema und natürlich werde auch ich immer wieder an den Tod denken, meine Vorstellungen überdenken und versuchen bereit zu sein, wenn es so weit ist. Wie du weisst, habe ich mich gerade wieder sehr mit Frida Kahlo beschäftigt und ihr letzter Tagebucheintrag war: „Ich hoffe, dass der Ausgang freudig ist und ich hoffe, nie wieder zurückzukehren.“ Ich glaube, ich erkenne sehr genau, was sie damit sagen wollte.
    Ganz liebe Grüsse ❤
    Christel

    Gefällt 1 Person

    • Ganz lieben Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und das Kompliment. Es freut mich, wenn die Gedanken nicht nur zu meinem Selbstzweck waren, sondern auch den einen oder anderen Gedanken bei Anderen anregen konnten.
      Deine Berichte zu Frida Kahlo habe ich interessiert verfolgt. Es ist toll, dass Du Dich da so dahinter klemmst. Bewundernswert. Und der Tagebucheintrag regt definitiv auch zum Nachdenken an.
      Herzliche Ostergrüße
      Belana Hermine

      Gefällt 1 Person

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