Ein Schreibprojekt

Dann sollte ich wohl mal Farbe bekennen.

Ja, ich habe ein Schreibprojekt begonnen, das mir eigentlich schon lange am Herzen liegt. Auf meinen Pilgerungen auf dem Jakobsweg schrieb ich jeweils Tagebuch. Diese würde ich gern – eins nach dem anderen – in „ordentliche“ Bücher überführen. Eins nach dem anderen bedeutet dabei, dass ich erstmal mit dem Nordweg von 2011 anfange.

Ein paar einleitende Seiten, also wieso, warum gerade der Jakobsweg etc., sind geschrieben. Die ursprünglichen Tagebuchaufzeichnungen (im Menü unter Pilgerwege zu finden) sind überarbeitet. Manchmal fiel mir Tage später noch etwas ein oder ich kam nicht jeden Tag zum Schreiben. Das ist jetzt in einer sinnvollen Reihenfolge. Das Ganze möchte ich nun noch mit ein paar Weginformationen anreichern. Die Begegnungen mit anderen Pilgern könnten mehr zu Geschichten umgearbeitet werden. Ein paar Entwicklungslinien, die sich gezeigt haben, sollten folgerichtiger werden. Vielleicht können sie auch pointierter dargestellt werden. Das ist also das, was noch vor mir liegt. Vermutlich ist das ein größerer Batzen Arbeit als das, was bisher schon erledigt ist.

Trotzdem war auch die bisherige Arbeit sehr interessant. Insbesondere fand ich spannend, dass man tatsächlich ein paar wenige „Entwicklungsaufgaben“ dieses Weges feststellen konnte. Einige davon sind inzwischen abgehakt, an anderen arbeite ich noch immer. Es ist schon beeindruckend, dass manche Dinge einfach immer wieder auftauchen und man sie einfach nicht loswird.

Eine zweite Sache ist ebenfalls interessant: Für die letzten paar Tage gab es keine Tagebucheintragungen. Die schrieb ich jetzt nachträglich aus dem Gedächtnis heraus. Dabei hatte ich den Eindruck, dass sich der Schreibstil jetzt recht deutlich von dem Schreibstil unterscheidet, den ich damals 2011 beim Tagebuchschreiben hatte. Okay, es sind 6 Jahre. Da kann gut und gern was passieren. Ich hätte nur nicht erwartet, dass es so deutlich erkennbar ist. Das könnte allerdings auch bedeuten, dass ich alles noch einmal umschreiben muss, damit der Stil insgesamt passt.

Und es gab noch einen dritten interessanten Aspekt: Während ich so die Aufzeichnungen las und versuchte, sie zu ordnen, da wurden die ganzen Eindrücke plötzlich wieder sehr lebendig. Da hätte ich plötzlich alles wieder erzählen können, obwohl ich vorher gedacht hätte, dass ich mich nur noch vage an etwas erinnern kann. Ja, so in den Begegnungen von damals zu kramen, das macht schon Spaß.

Dann bleibt also weiter spannend, wie sich das Projekt entwickelt und ob tatsächlich am Ende ein Buch daraus entsteht. Und nach wie vor schwebt über mir – wie wohl auch über vielen anderen Schreiber-, Mal- und Zeichen-lingen – das Damoklesschwert, das unablässig brüllt: „Wer will sowas schon lesen? Das interessiert doch keine S..! Andere machen das viel besser.“

Wir sehen und auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

Advertisements

21 Gedanken zu “Ein Schreibprojekt

  1. Ich finde dein schriftliches Festhalten von dieser sicher einmaligen Pilgererfahrung richtig gut! Leider schaff ich es meist noch nicht einmal ein Fotoalbum von besonderen Reisen anzufertigen und es wäre doch viel zu schade wenn die Erinnerungen immer mehr Flöten gehen. Und Leser finden sich ganz bestimmt 😉 lieber Gruß Freigeist

    Gefällt 1 Person

      • Danke Ihnen. Eine wirklich gute Idee. Viele fürchten sich ja, dass sie mitten auf dem Weg psychisch zu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Andere wiederum – dazu gehöre ich 😉 – ob es dann wirklich auch eine spirituelle Prägung haben kann, wenn Massen unterwegs sind. LG Michael

        Gefällt 1 Person

      • Gegen „zu sehr“ hat man eigentlich einen inneren Blockierer – es sei denn, man ist wirklich psychisch krank. Aber dann braucht man sowieso etwas ganz Anderes. Meist helfen unterwegs Mitpilger, wenn es einen mal zu sehr schüttelt.
        Die zweite Sorge ist schon eher „handfest“, insbesondere bei der zunehmenden Tourismus-Orientierung. Auf dem Hauptweg sind so viele (private) Herbergen neu entstanden, die sich eben eher an Touristen wenden: Swimmingpool ist schon fast ein Muss. Entsprechend ist die Atmosphäre dort. Mein Fazit war dann, dass ich eben sehen muss, in welchen Herbergen ich unterkomme, um das, was ich vom Weg möchte, auch zu bekommen. Wenn man das erste Mal unterwegs ist, ist das ein bisschen schwierig. Aber es gibt sicher genügend Stellen und erfahrende Pilger, wo/bei denen man sich informieren kann. Und letztlich heißt es sowieso, dass man die Erfahrung nu selbst machen kann. Einfach mal ausprobieren. Es müssen ja nicht gleich 800 km sein.
        Viele Grüße
        Belana Hermine

        Gefällt 1 Person

      • Hallo, vielen Dank! Danke für die Erklärung, Sie sind die Psychologin. 😉
        Aber Swimmingpool klingt nicht schlecht. Sollte ich vielleicht doch mal [hahaha]. Sie haben ja wenigstens schon bewiesen, dass es auch möglich ist, weiterhin Online mit der Welt in Verbindung zu treten. Das ist ideal für jemanden wie mich, der nicht immer aber immer öfter beruflich online sein muß. Vielen Dank noch mal für die Kurzdarstellung. Ich bin neugierig geworden. LG Michael

        Gefällt 1 Person

      • Ach, das hat nicht wirklich etwas mit dem zu tun, was es im Studium zu lernen gab. Die klinischen Inhalte sind sehr knapp bemessen und um Therapeut zu werden, muss man jahrelange Zusatzausbildungen machen. Vieles speist sich einfach aus den Erfahrungen…
        Solange man in (West-?)Europa ist, ist das mit dem Internetzugang eigentlich ganz gut. Durch die neuen Telekommunikationsgesetze hat sich da auch vieles verbessert. Es gibt aber nach wie vor Regionen, in denen der Empfang schlecht ist – und dann gibt’s natürlich auch kein Internet. 2016 habe ich das also besonders schwierig empfunden. Aber man kommt doch immer wieder durch größere Orte. Gerade in Spanien hat nahezu jede Bar freies WLAN. Also, das ist keine „Ausrede“ 😉
        Viele Grüße, einen schönen Tag und inspirierende Neugier
        Belana Hermine

        Gefällt mir

  2. Lass dich von dieser bösen Stimme nicht unterkriegen! Das ist doch ein tolles Projekt! Ich denke, du hast durchaus noch einen weiten Weg vor dir, wenn du all die Begebenheiten umschreiben willst. Aus einer einfachen Erzählung eine pointierte Geschichte zu machen, ist sicherlich nicht einfach. Pointiert heißt ja auch „Auf den Punkt kommen“ und somit Informationen gezielt einsetzen (und andere streichen). Ob solche Verkürzungen in einem als Tagebuch angelegten Werk möglich sind?
    Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg! 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Ganz lieben Dank für Dein Mutmachen, Deine Wünsche und die arbeitstechnischen Hinweise. Vermutlich wird ein wichtiger Punkt sein, eine gute Balance zwischen pointierter Kürze und tagebuchartiger Beschreibung zu finden. Ein Ziel wäre schon, dass sich die Leser mitgenommen fühlen, als würden sie in die Rolle des Pilgers schlüpfen und gerade selbst am Weg sein. Naja, ein Ziel muss man ja haben. Ob es dann auch wirklich so klappt, wird sich zeigen. Meist zeigt sich ohnehin das, was sich gerade zeigen will. Und meist ist das dann auch gut so.
      Viele Grüße
      Belana Hermine

      Gefällt 1 Person

  3. Ja, ja, das Damoklesschwert 😉 😉 😉
    Obwohl ich mir gut vorstellen kann, dass das einige Menschen schon beträchtlich interessieren wird.
    Was den unterschiedlichen Schreibstil betrifft – Du kannst natürlich, statt alles umzuschreiben – kenntlich machen, dass diese Textstellen vor sechs Jahren geschrieben wurden und jene in der Jetztzeit. Dann müsstest Du allerdings die letzten nachträglich eingefügten Tagebucheinträge eher als Rückblicke aus heutiger Sicht umschreiben, was ja auch Sinn machen kann. Schließlich sind diese Einträge von einer um sechs Jahre weiseren und klügeren und weiter gereisten Frau geschrieben worden.
    Für kürzere Passagen kann ich Korrektoratshilfe quasi als Freundschaftsdienst anbieten. Für längere fehlt mir leider noch die Kraft und die Fähigkeit, längere Zeit konzentriert zu arbeiten.
    Ich wünsche Dir weiter viel — vor allen Dingen Freude — am Schreiben und Erfolg für das Buchprojekt!
    Agnes

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Agnes,
      herzlichen Dank für Deinen langen Kommentar und die Idee, wie mit den unterschiedlichen Schreibstilen umgegangen werden kann. Das ist wirklich ein interessanter Ansatz. Darüber werde ich mal nachdenken und auch ein bisschen rumprobieren.
      Danke auch für Dein großzügiges Angebot. Wenn es irgendwann mal soweit ist, können wir uns ja mal darüber austauschen. Aber bis dahin wird noch viel, viel Wasser die Flüsse entlang fließen 🙂
      Liebe Grüße und einen schönen Tag
      Belana Hermine

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s