Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 8

Die Aufgabe

Gegeben waren ein paar wenige Sätze als Anfang für eine Geschichte. Es war ein sehr ungewöhnliches Paket angekommen. Nun sollte man diesen Anfang weiterschreiben und insgesamt eine Geschichte daraus machen.

Was fiel mir schwer?

Ich hatte wieder einige Schwierigkeiten, zu dieser Vorgabe eine Geschichte zu zaubern. Es konnte in alle Richtungen gehen. Aber wieso musste es sich unbedingt um ein Paket handeln? Was macht man mit einem Paket? Man packt es aus? Und dann? Da fiel mir ein, dass es früher hin und wieder den Gag gab, dass man ein Geschenk mehrfach einpackte, um Spannung beim Auspacken zu erzeugen. Ob sich daraus etwas machen ließ? Nach und nach entwickelte sich ein kleiner Faden.

Irgendwann setzte ich mich hin und versuchte, den Faden zu einer Geschichte zu verspinnen. Das ging auch ganz gut. Als ich fertig war, merkte ich, dass die Geschichte erst halb so lang war, wie gefordert. Puuh, also diesmal nicht streichen, sondern etwas Zusätzliches erfinden? Dann sollte es wohl so sein. Die Figur bekam ein bisschen mehr Charakter und ich versuchte, das Auspacken genauer zu beschreiben. Voilà, die geforderten 80 Zeilen waren fertig.

Was habe ich gelernt?

Da mir die Geschichte bei einer meiner Wanderungen einfiel und ich nichts vergessen wollte, machte ich mir ein paar Notizen in meinem Handy – die grundlegende Abfolge und ein paar Ideen zu Details. Keine Ahnung, ob das jetzt die Art von Gliederung ist, die beim letzten Mal verlangt war. Wahrscheinlich eher nicht, weil ich z. B. keine Personenbeschreibungen notiert hatte.

Interessant war auch, mal eine Geschichte verlängern zu müssen, wo es doch sonst immer um Kürzen, Kürzen, Kürzen geht. Ich glaube aber, dass es der Geschichte nicht geschadet hat, sie etwas ausführlicher darzustellen.

Das Ergebnis

So, und hier nun der Text. Die Betreuerin war insgesamt wohl sehr zufrieden. Über ein paar Hinweise von Euch würde ich mich wieder sehr freuen.

Mach auf!

… Mit diesem Paket hatte es eine besondere Bewandtnis – eine ganz besondere …

Es fing schon damit an, dass das Paket erst am Abend kam. Katharina hatte sich gerade bettfertig gemacht, als es an der Tür klingelte und jemand „Mach auf!“ rief. Sollte sie in ihrem Nachthemd die Tür öffnen? Was, wenn da draußen ein Mann stand, der an ihr ein gewisses Bedürfnis befriedigen wollte? Mit ihren 18 Jahren war sie dafür sicher ein geeignetes Objekt. Schlecht sah sie nicht aus, das wusste sie längst aufgrund der vielen Avancen der Typen ihrer Stufe. Und ihre Eltern waren gerade ausgegangen. Da rief es schon wieder „Mach auf!“ und auch die Klingel schellte erneut.

Katharina blieb nichts Anderes übrig. Aber sie zog die Tür gerade so weit auf, dass das Paket durch den Schlitz passte. Dann schlug sie sie hastig wieder zu. Was sie da in der Hand hielt, gab ihr einige Fragen auf. Es fühlte sich an wie eine leere Pappschachtel. Wenn sie sie schüttelte, klapperte nichts. Aber verpackt war sie wie ein kleiner Schatz. Es gab weder vom Absender noch vom Empfänger eine Anschrift. War es also gar nicht der Postbote? Da rief die Stimme schon wieder: „Mach auf!“ Das Rasseln der Klingel begleitete sie.

Katharina musste herausfinden, was es mit diesem Paket auf sich hatte. Mit einem Ratsch schnitt sie die Schnur durch. Prompt verhedderte sie sich in dem Gestrüpp aus Fäden. Weg, nur weg damit. Sie musste an den Inhalt kommen. Das Papier flog in Fetzen auf den Fußboden. Mit einem Fußtritt kickte sie es zur Seite.

Ein eingewickeltes Paket kam zum Vorschein, das die Aufschrift trug: „Wer bist du?“ ‚Was für eine blöde Frage‘, schoss es Katharina durch den Kopf. ‚Ich bin eine angehende Abiturientin wie es tausende in Deutschland gibt und Millionen auf der Welt. Was soll das denn?‘ Sie hatte Vater und Mutter, keine Geschwister. Sie ging zur Schule und war dort nicht ganz erfolglos. Reiten, Klavier, lesen, mit Freunden abhängen. Alles einfach ganz normal. Wie jeder andere eben auch. Wer sollte sie schon sein? Besonders konnten die Anderen sein. Sie hielt sich lieber bedeckt in der Menge.

Das Gekreisch der Klingel, verbunden mit dem Ruf „Mach auf!“, riss sie aus ihren Gedanken. Bisher war sie nicht schlauer geworden, was es mit diesem Paket auf sich haben mochte. Also riss sie die nächste Lage Papier ab, nur, um erneut einen verpackten Karton vor sich liegen zu haben. Diesmal fragte die Aufschrift: „Wohin willst du?“ ‚Das wird ja immer mysteriöser‘, dachte Katharina. ‚Keine Ahnung. Studieren, Kinder, einen Job, ein Plätzchen zum Wohnen, Urlaub mal hier, mal dort. Irgendwann in die Kiste steigen. Schluss, Ende aus. Was eben alle so machen.‘

Wieder schrie die Klingel und die Stimme forderte: „Mach auf!“ Also befreite Katharina auch diesmal wieder das Paket von seinem Papier und legte eine schwarze Schachtel frei, die mit Sternen verziert war. Auch ohne dass die Stimme sie dazu aufforderte, klappte sie die Schachtel auf. Sie musste unbedingt hinter das Geheimnis dieser Sendung kommen. In der Schachtel, die durch die schwarze Farbe und die glitzernden Sterne schon fast an eine wertvolle Schatulle erinnerte, fand sie einen Zettel. Jemand hatte in feiner, akkurater Schrift drei Zeilen darauf gesetzt: „Mach auf! Mach dich auf! Mach dich auf den Weg!“ Das war ihr völlig unerklärlich. Welcher Weg wohl gemeint sein mochte? Sie wollte doch gerade ins Bett gehen. Dieser Weg sollte es wohl nicht sein. Welcher Weg dann? In die Schule? Ja, ja, das machte Katharina jeden Tag. Tatsächlich war sie stolz darauf, nie eine einzige Stunde in der Schule geschwänzt zu haben. Aber war der Schulweg wirklich so wichtig?

Katharina drehte den Zettel um. Sie hoffte, dort einen weiteren Hinweis zur Lösung dieses Rätsels zu finden. Neongelb blinkend stach ihr ein Wort in die Augen: „Leben“. Es begann bereits, sich in ihren Augenhintergrund einzubrennen.

Da durchzuckte das Schrillen der Klingel Katharina abermals. „Mach auf!“, rief die Stimme wieder. Immer und immer wieder. Drängender jetzt, in kürzeren Abständen. Oder war es eher ein „Wach auf!“? Katharina spürte, wie sie jemand am Arm packte. Sie wollte schreien, bekam aber keinen Ton heraus. In ihrer Not riss sie die Augen auf. Ihr Vater stand neben ihr.

„Hey, Süße. Wach auf! Mach dich auf! Du verschläfst ja dein Leben.“ Er drückte ihr sanft einen Kuss auf die Stirn und eilte zur Tür hinaus zur Arbeit. Mehr Zeit hatte er noch nie für sie erübrigen können. Aber jeder seiner liebevollen Vaterküsse taten ihr gut.

„Mach auf! Wach auf! Du verschläfst dein Leben!“ Die Worte ihres Vaters hallten noch lange durch Katharinas Kopf. Sie waren wie ein Echo ihres Traums.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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24 Gedanken zu “Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 8

  1. Wundervoll! Ich werde jetzt doch mal nacharbeiten, denn jetzt habe ich wirklich Interesse daran bekommen so etwas auch mal zu probieren. Kann ja bei meinem Schreibstil – so man es so nennen kann – wirklich nicht schaden. Wünsche Ihnen noch einen schönen Tag. 😉 Michael

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    • Danke für Dein Lob. Es freut mich, wenn es Dir gefällt. Ja, das mit dem Handy ist schon toll. Gerade wenn man wandernd unterwegs ist, kann man ein paar Gramm zum Tragen sparen. Manche Leute sprechen es sogar ins Handy. Aber das ist bisher noch nicht so meins.
      Viele Grüße

      Gefällt 1 Person

      • Die eigene Stimme 😂.
        Gegen das Runtertippen könnte Diktiersoftware helfen. Braucht aber etwas Eingewöhnung und ein etwas angepasstes Sprechen.
        Beim Sprechen habe ich das Gefühl, dass es schon zu sehr „draußen“ ist. Beim „nur“ Aufschreiben bleibt etwas mehr „privat“. Ich glaube, das ist bei mir das Thema, warum mir das mit dem Reinsprechen schwer fällt

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