Rezension: Nichts gesucht. Alles gefunden.

Nichts gesucht. Alles gefunden. – Meine Reise auf dem Jakobsweg

  • von Jean-Christoph Rufin, aus dem Französischen von Ralf Pannowitsch
  • Penguin Verlag, 13. Februar 2017
  • Taschenbuch, 256 Seiten
  • 10,00 € (D), 10,30 € (A)
  • ISBN 978-3-328-10063-8

Inhalt

Aufgrund des Titels ist es wohl nicht überraschend, dass es um den Jakobsweg geht. Da mag man sich fragen, ob es da nicht schon genügend andere Erfahrungsberichte gibt. Die gibt es sicherlich, aber dieser hier ist von einem erfahrenen Autor geschrieben – und das spürt man beim Lesen deutlich.

Es ist wohl in erster Linie der Schreibstil, der dieses Buch von anderen Jakobswegbüchern abhebt. Mit mehr oder weniger distanzierter Sprache vermittelt Rufin wohl seine eigene Distanz zum Weg und zu seinem Vorhaben, ihn zu gehen. So spricht er vom Pilger oder Wanderer, er spricht von man, dann auch von wir. Hin und wieder spricht er von eigenen Erlebnissen, seltener in der reinen Ich-Form des Erlebten. Am Anfang des Buches überwiegen die eher distanzierten Stilformen, gegen Ende werden es mehr und mehr die näheren Formen. Es ist fast, als würde damit die eigene Annäherung an den Weg und auch an sich selbst spürbar.

Das Buch lässt sich gut lesen. Die vielen sprachlichen Bilder geben eine plastische Vorstellung von Land und Leuten und lassen Raum für eigene Interpretationen.

Es ist keine reine Wanderbeschreibung von Station zu Station. Es werden selektiv Punkte herausgegriffen, die dann mit zunehmender Nähe beschrieben werden.

Auch wenn Rufin nicht in spiritueller oder gar religiöser Absicht aufgebrochen ist, findet er sich mit seinen Erlebnissen aber doch in der Nähe des Buddhismus wieder. Wen die Verbindung zum eigentlich christlichen Anliegen des Weges und die Interpretation des Autors dazu erfahren möchte, der lese das Buch 😉

Subjektive Eindrücke

Ich habe das Lesen aufgrund der schönen Sprache sehr genossen.

Den Anfang des Buches fand ich sehr distanziert, eher eine Art Meta-Betrachtung über den „Pilger an sich“. Allerdings habe ich mich in vielen dieser allgemeinen Aussagen über das Pilgern und den Pilger nicht wiederfinden können. Vielleicht sind persönliche Eindrücke doch nicht so stark verallgemeinerbar? Es machte den Eindruck, als würden Schubladen aufgebaut und zu oft war keine für mich dabei.

Die detaillierteren Beschreibungen von Orten, Personen, Umständen etc. hat mir sehr gut gefallen. Davon hätte ich mir (im Austausch mit allgemeinen Ergüssen?) deutlich mehr gewünscht.

Fazit

Wen das Pilgern oder die Pilgerwege interessieren oder reizen, der sollte sicherlich zu diesem Buch greifen. Selbst wenn man schon viele Erlebnisbeschreibungen gelesen hat, lohnt sich dieses Buch, weil es eben in einer ganz anderen Art geschrieben ist. Die Verallgemeinerungen sind meiner Meinung nach etwas mit Vorsicht zu genießen.

Ich danke dem Verlag sehr herzlich für dieses (für mich) streitbare Rezensionsexemplar.

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8 Gedanken zu “Rezension: Nichts gesucht. Alles gefunden.

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