Lubbadeh: Neanderthal

Neanderthal – Die Jagd ist eröffnet

  • Jens Lubbadeh
  • Heyne Verlag, 13. November 2017
  • Broschiert, 528 Seiten
  • 14,99 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-453-31825-0

Inhalt

Im Deutschland der näheren Zukunft, in dem die Menschen dem Schönheits-, Gesundheits- und Perfektionswahn völlig verfallen sind, wo gentechnische Eingriffe sicherstellen, dass keine behinderten Menschen geboren werden, wird die total entstellte Leiche eines offensichtlich Behinderten gefunden. Wie kann das sein?

Ein großes Rätselraten beginnt, in dem sich wissenschaftliche, politische und ethische Interessen mischen, überschneiden, gegeneinander kämpfen. Das Rätsel wird letztlich gelöst – doch zu welchem Preis?

Sehr anschaulich versteht es Jens Lubbadeh ein mögliches Szenario zu zeichnen, das sich ergibt, wenn wir den derzeitigen Trend weiter folgen. Mit ein bisschen Verschwörungstheorie gelingt der Aufbau einer interessanten Story, der man gut und auch gern folgen kann.

Die Charaktere sind glaubhaft und nachvollziehbar gezeichnet. Die Beschreibung der Zustände der zukünftigen Gesellschaft verursachen etwas Grusel. Die Korrumpiertheit und Skrupellosigkeit nicht nur der handelnden Politiker, sonder auch einiger „Wissenschaftler“ erzeugt Entsetzen.

Die Geschichte selbst verläuft in mäßigem Tempo, jedoch ist das Ende recht rasant und abrupt.

Subjektive Eindrücke

Vom Thema her ist dieses Buch genau ein Buch für mich – Extrapolation unserer derzeitigen Handlungsweisen in die Zukunft, Auswirkungen der unbegrenzten Techniknutzung und doch immer noch ein relativ glaubhafter Bezug zur Realität. In diesem Sinne habe ich das Lesen sehr genossen. Allerdings ging es mir am Ende unglaubhaft schnell zu. Leider blieb auch offen, wie es zu einigen Vorbedingungen für dieses Ende gekommen ist.

Allerdings würde ich zwei Worten des Covers vehement widersprachen: Jagd und Thriller. Ja, es gibt mal eine kurze Episode, in der gejagt wird (außer den urmenschlichen Tier-Jagd-Szenen). Ansonsten konnte ich das Buch in ziemlicher Ruhe lesen und hatte nicht das Bedürfnis, am Ende nachzuschlagen, wie die Geschichte ausgeht.

Ich weiß zwar nicht, wer das Zielpublikum des Buches ist. Aber vielleicht wäre es eine nette Geste den Lesern gegenüber, die englischen und lateinischen Passagen bzw. Sätze in einer Fußnote zu übersetzen. Mit Englisch habe ich jetzt nicht das Problem, aber für Latein musste ich dann doch ein Übersetzungsprogramm zu Rate ziehen – nicht unbedingt meine favorisierte Beschäftigung, wenn ich lese.

Die Idee der Geschichte erinnerte mich sehr an das Buch Helix vom Marc Elsberg (hier die Rezension dazu). Verglichen damit hätte dieses Buch einiges mehr an Tiefgang und Präzision vertragen können.

Die Beschreibung der Zukunftsgesellschaft erinnerte mich an das Buch Junktown von Matthias Oden (hier die Rezension dazu), wobei es ihm deutlich besser gelungen ist, den Leser die Beklemmung der Gesellschaft spüren zu lassen. In diesem Buch wurde der Zustand der Gesellschaft zwar gut beschrieben, aber ich konnte ihn nicht so gut mitspüren wie in Junktown.

Alles in allem hatte ich mir zwar ein bisschen mehr von dem Buch erhofft, habe es aber trotzdem mit viel Genuss gelesen.

Fazit

Sehr empfehlenswert gerade im Hinblick auf die möglichen Konsequenzen unseres derzeitigen Tuns.

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16 Gedanken zu “Lubbadeh: Neanderthal

  1. Hallo Belana,
    (was für ein schöner Name).
    Ich hab das Buch auch gelesen und fand es teilweise wirklich erschreckend, welchen Blick Lubbadeh hier in die Zukunft liest. Auch mal toll, ein Buch aus Deutschland zu lesen, das explizit auch hier spielt. Der Themenblock mit der Gesundheitspolitik, in Ansätzen haben wir das heute schon … was für eine Zukunftsvision.
    Ich hab deine Rezension hier verlinkt.
    Liebe Grüße – Daniela

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Daniela,
      vielen Dank fürs Verlinken. Für mich ist es immer interessant zu erfahren, wie Andere die Welt (und hier eben ein Buch) betrachten. In diesem Sinne auch vielen Dank für den Hinweis auf Deine Rezension. Ja, es waren viele Themen, die angesprochen wurden. Aus meiner Sicht hätten sie aber tiefergehend betrachtet werden können (und sollen?). Vielleicht lieber weniger Themen, dafür aber intensiver. Naja, und ganz thrillerhaft fand ich es nicht, aber das hatte ich ja schon in meiner Rezension begründet.
      Lieben Dank nochmal und viele Grüße
      Belana Hermine

      Liken

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