Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 11

Die Aufgabe

Zu schreiben war eine Geschichte von 80 Standardzeilen Länge. Als Ausgangssituation sollte man sich vorstellen, dass man aufwacht, eine Beule am Kopf hat und alle Papier und alles Geld weg sind. Da sollte die Geschichte ansetzen und erzählen, wie es weitergeht.

Was fiel mir schwer?

Nach wie vor brauche ich lange, um mir zu einer inhaltlichen Vorgabe etwas einfallen zu lassen. Naja, wie sollte ich auch einen nackten Menschen irgendwo/-wie sich Hilfe holen/suchen lassen? Inzwischen habe ich aber gelernt, dass ich das Thema zwar immer wieder im Kopf haben sollte, ansonsten aber ganz ruhig abwarten kann, bis sich eine Idee entwickelt. Zuerst kommt sie ganz sacht. Dann fasse ich das Zipfelchen vorsichtig an, damit es nicht wieder entwischt. Aber dann kommt der ganze Rest (meist) mit einem Schwung hinterher. So war es auch diesmal. Schwer fiel in diesem Sinne eigentlich nur das Abwarten, bis ich die ersten Anzeichen einer Idee sehen konnte.

Was habe ich gelernt?

Ich habe tatsächlich die Geschichte mehr oder weniger komplett im Kopf, ehe ich anfange zu schreiben. Wenn ich dann aber einmal angefangen habe, dann schreibt sich die Geschichte mehr oder weniger in einem Zug herunter. Das ist sicher bei kurzen Geschichten von 80 Zeilen kein weiteres Problem. Ob das aber auch noch funktionieren wird, wenn es längere Geschichten sein sollen oder gar mal ein Roman/Buch? Abwarten – wie immer 😉

Kurzes Statement, das ich gelernt habe: Nicht zu viele Ausrufungszeichen verwenden, um die LeserInnen nicht anzubrüllen!!! – sorry, diese Ausrufungszeichen mussten jetzt einfach sein, die sind aber eher für mich gedacht 😉

Gelernt habe ich aber auch, dass ich, wenn es schon eine Themenvorgabe gibt, sie genau lesen sollte. Irgendwie hatte ich nämlich in meinem Kopf abgespeichert, dass man auch alle Klamotten geklaut bekommen hatte ***oh, oh, oh***. Erst jetzt, als ich für diesen Beitrag das Thema noch einmal anschaute, merkte ich, dass da gar nichts von fehlenden Klamotten stand.

Das Ergebnis

So, und hier nun der Text. Über ein paar Hinweise von Euch würde ich mich wieder sehr freuen.

Fantastische Räuberei

Den ganzen Rücken entlang piekst und krabbelt es. Als ich daran kratzen will, merke ich, dass ich auf dem Rücken liege. Mein Schädel dröhnt. Aaaauaaa. Was ist das denn? Eine riesige Beule zieht sich die Stirn entlang. Ist das Blut, das ich da so feucht-schmierig fühle? Ich schlage die Augen auf. Ja, das ist Blut. Schnell klappen die Lider wieder zu.

Was ist nur passiert? Der Rest meines Gesichts scheint in Ordnung. Ich streiche meinen Körper hinunter. Was ist das? Ich bin ganz nackt. Die Brüste hängen, frei von allen Zwängen und der Schwerkraft ergeben, leicht zu Seite. Der Bauch wölbt sich ein wenig nach innen. Arme und Beine scheinen okay zu sein. Ich drehe Hände und Füße sicherheitshalber ein bisschen. Unter Hammergetrommel hebe ich den Kopf. Ich muss wissen, wo ich bin, was passiert ist. Keine Klamotten in Sicht. Auch mein Rucksack ist verschwunden.

Alles klar: Ich bin überfallen und ausgeraubt worden.

Das ist mir in den ganzen 50 Jahren meines Lebens noch nicht passiert, schon gar nicht auf einem Waldspaziergang. Hätte ich doch lieber auf unseren Sohn hören und in meinem Alter nicht mehr allein in den Wald gehen sollen? Zu spät. Und jetzt?

Mit einem Schwung setze ich mich auf. Da gibt es erneut einen Schlag auf den Kopf, der mich unmittelbar wieder in die Waagerechte befördert. Nur nicht noch einmal einschlafen. Ich blicke vorsichtig um mich herum. Sind die Diebe etwa noch da? Ich habe nichts gehört. Sie scheinen sehr clever und geschickt zu sein. Ich rolle mich zur Seite, will auf allen Vieren davonkrabbeln. Als ich mich in den Vierfüßerstand erhebe, spüre ich einen leichten Schlag ins Genick. Aber nein, das ist kein Schlag. Es ist etwas, das mich festhält und mich nicht weiter aufstehen lässt. Es ist ein starker, sehr tief sitzender Ast des Baumes, unter dem ich gelegen habe. Nun ein wenig erleichtert, ziehe ich mich unter dem Ast hervor und richte mich auf. Der Kopf dröhnt wie ein unsynchronisiertes Paukenorchester. Aber es setzt keine neuen Schläge mehr.

Ich nehme meine Umgebung ins Visier. Wo bin ich hier eigentlich? Ach, klar. Da ist der See. Jetzt erinnere ich mich wieder. Ich wollte schwimmen gehen.

Vorsichtig schleiche ich mich an den See und tupfe mir dort sachte das Blut aus dem Gesicht. Mann, tut das weh. Ich muss mich ausruhen und schiebe mich auf einen Stein. Für ein paar Minuten dämmere ich vor mich hin und genieße die zarten Sonnenstrahlen auf der Haut. Kann ich hier nicht einfach sitzen bleiben und zu Hause in meinem Bett aufwachen?

Blinzelnd hebe ich die Lider ein winziges Schlitzchen. Nein, ich bin noch hier. Hier am See. Nackt. Mit Trommelwirbeln im Kopf. Nun, dann muss ich mich wohl der Realität stellen. Wenn nur der Schädel nicht so ein Getöse machen würde. Jede Bewegung schmerzt, lässt mich leicht schwanken und legt dünne Nebenschleier vor meine Sicht.

Da entdecke ich neben einem Strauch einen Haufen Buntes – schwarz wie meine Hose, rot wie mein T-Shirt, blau wie mein Rucksack. Sollten das meine Sachen sein? Schritt für Schritt taste ich mich zu diesem Stapel. Je klarer ich die Dinge erkenne, desto überzeugter werde ich, dass sie zu mir gehören.

Als ich an dem farbigen Haufen ankomme, höre ich ein feines Kichern. Offensichtlich habe ich eine ziemliche Gehirnerschütterung und beginne zu halluzinieren. Gern würde ich diese Wahnvorstellung abschütteln, aber dazu tut mir der Kopf zu weh.

Beherzt greife ich nach meinem T-Shirt. Da zwickt mich etwas kräftig in den Finger. Autsch! Das kichernde Stimmchen hat einen Körper bekommen, der in einem seidigen Kleid steckt. Fast wie Däumelinchen aus meinen Kinderbüchern. Ich wische mir über das Gesicht, um das Spukbild zu vertreiben. Es hilft nicht. Däumelinchen klammert sich mit beiden Armen fest an meinen kleinen Finger und bedeutet mir, sie hochzuheben.

„Schön, dass du endlich ausgeschlafen hast“, zirpt sie mir ins Ohr.

„Aufgewacht ist vielleicht das treffendere Wort“, knurre ich. „Was ist hier los?“, will ich wissen. Fange ich jetzt schon an, an diesen Zauber zu glauben?

„Nach dem Baden hast du dich wie immer ins Gras gelegt und ein bisschen geträumt. Dann bist du, wie von einem wilden Tier gebissen, aufgesprungen. Dabei hast du dir den Kopf an dem dicken Ast gestoßen und bist direkt wieder in den Schlaf gestürzt. Wenn du mich fragst, dann hat dich eine Erdhummel in den Allerwertesten getroffen.“ Ihr Kichern schüttet sich nun wellenartig in mein Ohr aus.

Erschrocken blicke ich an mir herunter. In der Tat, da leuchtet eine knallrote Beule an meinem Poppes.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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26 Gedanken zu “Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 11

  1. Nun, ja, sehr mitreissend 😉 Zu Beginn war da die Assoziation von https://seppolog.com als er in seinen ersten Beiträgen auf den Trend aufspringen wollte „Sex sells“ 😉 ja und danach hat es mich förmlich mitgerissen. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich viele von favorisierten Blog-Beiträgen meiner Favoriten-WP-Blogs gar nicht intensiv bis zu Ende lese, wenn ich schon mein Like angeklickt habe. Aber dieser Blog ist in meinen Mega-Super-Favoriten-Blog-Liste und höher hinauf scheint es noch zu gehen, liebe Belana. Das ist nicht nur „mein liebster Blog-Award“, das ist bereits gehobene Literatur.
    Nur weiter so: Reiß‘ uns heraus aus unserem schnöden Alltag, liebe Belana.
    Herzliche Grüße von
    Rainer aus Hamburg

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    • Wow, das ist aber eine nette Ansprache. Da werde ich ja direkt rot. Aber herzlichen Dank. Es ist natürlich immer schön zu hören, wenn man Menschen mit ein paar Worten erreichen kann. Ob es immer so mitreißend klappt, wird sich zeigen. Bemühung ist versprochen – Erfolg kann leider nicht garantiert werden 😉
      Viele Grüße
      Belana Hermine

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  2. Hallo,
    ich bin ganz am Anfang im ersten Absatz über das Aaaauaaa. gestolpert. Mit einem Aua wäre ich besser klargekommen.
    Später im 5. Absatz beim Vierfüßerstand frage ich mich, wie bekannt der Begriff ist und ob „Auf allen Vieren“ nicht einfacher wäre.
    Witziges Ende, freut mich 🙂

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    • Dann für Dein Feedback. Es ist immer interessant zu erfahren, wie bestimmte Dinge bei den Lesern ankommen.
      Aua oder aaaaauaaaa? Das macht für mich schon inhaltlich einen Unterschied. Die kurze Form würde ich eher für einen plötzlichen, kurzfristig auftretenden Schmerz nehmen, z. B. in dem Moment, wo man sich stößt. Und war es aber ein anhaltender Schmerz. Was gäbe es denn sonst für Möglichkeiten, dieses längere „Stöhnen“ auszudrücken?
      Über „auf allen Vieren“ muss ich nochmal nachdenken. Intuitiv verbinde ich damit eine Bewegung. Aber ich schaue da nochmal in Ruhe nach.

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      • Aua! Ein brennender Schmerz zog sich über meine linke Schläfe. Ich sank zu Boden. Es dröhnte in meinem Schädel und ging jetzt in ein heftiges Pochen über. Mir entfuhr ein unmenschlicher Laut. Ich drückte beide Hände an meinen Kopf in der Hoffnung auf Linderung.
        Also ich denke, ein langanhaltender Schmerz braucht einfach mehr Lesezeit, während der er präsent ist.

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      • Danke für Dein (er-)klärendes Beispiel. Das habe ich verstanden.
        Vermutlich haben wir halt eine unterschiedliche Vorstellung von „aua“. Möglicherweise bin ich einfach „mutter- bzw. kindgeschädigt“. Alles, was „aua“ ist, geht durch Pusten oder ein Pflaster wieder weg 😉
        Bin gespannt auf Deine Anmerkungen zu weiteren Texten 🙂

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      • Mir ist noch eingefallen, so ein Auaaaaaa würde super in einen heiteren Kontext passen. Bei ernsten Texten sehe ich die Gefahr der unfreiwilligen Komik. Aber ist nur meine Meinung.
        Nee, pusten würde bei so einer üblen Beule wohl nicht mehr reichen. 😉
        Bin auch gespannt auf weitere Texte. 🙂

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  3. …der Stil Deiner Erzählung ist so angelegt, dass er eine lustige, witzige und märchenhaften Ursache vermuten lässt…insofern war ich nicht überrascht…es freut mich, dass Stil und Inhalt so gut zusammenpassen…gut gelungen!

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    • Naja, manchmal muss man wohl Zyniker werden, um kurzfristig zu überleben. Aber als dauerhafter Zyniker macht das Leben auch keinen Spaß. In diesem Sinne fände ich es schön, wenn Du den Zynismus überwunden hättest, aber der Satiriker übrig geblieben wäre.

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