Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 14

Die Aufgabe

Zu schreiben war eine Geschichte, in der die Hauptfigur mit einer plötzlichen unangenehmen Situation konfrontiert wurde. Wie würde sie damit umgehen? Man konnte aus drei geschilderten Situationen eine auswählen. Ich habe mit für „Ausgerechnet Du!“ entschieden, in der die Hauptfigur auf ihren größten Feind trifft – oder (in meiner Interpretation) zumindest auf einen ziemlich großen.

Was fiel mir schwer?

Diesmal fiel es mir schwer, mich in eine entsprechende Situation hineinzuversetzen. Habe ich wirklich so große Feinde, dass ich nicht mit ihnen zusammentreffen will? Klar gibt es ein paar Leute, mit denen ich nicht unbedingt zusammentreffen muss, aber Feinde? Wie wird man zu einem so großen Feind?

Natürlich hätte ich ein der beiden anderen Situationen wählen können: dass man beim Schwarzfahren erwischt wird (gähn) oder ein Tag, der alles veränderte (da fiel mir nur zu Persönliches ein). Also musste ich wohl meine Fantasie etwas mehr strapazieren, um mir einen Feind vorzustellen.

Was habe ich gelernt?

Naja, nicht wirklich etwas Greifbares. Einige Stellen waren wohl zu lang geraten. Es sind eben Kurzgeschichten und deshalb darf nur rein, was unmittelbar mit der Geschichte zu tun hat. Schade, ich schwafle ja schon ganz gern 😉

Und mein „Standardproblem“ der wechselnden Hauptfiguren schlug wohl auch wieder zu. Tja, das sollte ich wohl besser schnell in den Griff kriegen.

Das Ergebnis

Hier könnt Ihr mal schauen, ob Euch diese Punkte auch auffallen. Über Euer Feedback freue ich mich wie immer.

Der Spanisch-Kurs

Marianna will im nächsten Sommer den Jakobsweg in Spanien gehen. Sie ist Mitte 20 und hat ihr Studium abgeschlossen. Nun will sie in Ruhe schauen, in welche Bahnen sie ihre berufliche Entwicklung lenken will, was sie vom Leben erwartet und wie sie das realisieren kann. Gereist ist sie schon immer viel. Diesmal wird sie also zu Fuß nach Santiago pilgern.

Weil sie wenigstens ein paar nette Worte sagen und sich vielleicht ein Bett und ein Essen bestellen können möchte, besucht sie einen Spanisch-Kurs an der Volkshochschule. Für Marianna ist das fast schon Tradition vor einer Reise in ein neues Land und sie weiß, dass ein Sprachkurs ihr Reisefieber und die Vorfreude anheizt.

Heute ist der erste Termin des Kurses und Marianna ist ganz gespannt auf die Dozentin und die anderen Teilnehmer. Mit erwartungsvollem Herzklopfen öffnet sie die Tür. Sie ist etwas spät dran, sodass schon viele Teilnehmer an den Tischen sitzen. Noch in der Tür stehend gleitet ihr Blick über die Runde. Da sitzt eine Frau mittleren Alters mit einer dicken Brille. Sie sieht sehr gescheit aus. Neben ihr hockt ein älterer Herr. Ob er wohl seinen Lebensabend vorbereitet? Die Dame an seiner Seite legt ihm gerade einen Stift auf den Tisch. Das ist bestimmt seine Frau.

Mariannas Augen rücken zur nächsten Teilnehmerin. Da lümmelt eine Frau in ihrem Alter. Marianna stockt der Atem. Ihr Magen krampft sich zusammen. Mit Mühe unterdrückt sie einen spitzen Schrei. Die Frau hat Marianna noch nicht entdeckt. Dazu ist sie viel zu beschäftigt. Sie bändelt gerade mit ihrem Sitznachbarn, einem gut aussehenden Mittdreißiger an. Marianna geht einen Schritt zurück und schlägt die Tür von außen zu.

Sie braucht ein paar Sekunden, um sich zu sammeln. Ina war die Letzte, die sie hier erwartet hätte. Nein, sie wollte sie nie, nie, nie wieder sehen. Nicht nachdem, was sie ihr vor 5 Jahren angetan hat.

Ina und Marianna waren auf dem Gymnasium beste Freundinnen, bis Marianna sich in Kevin verliebte. Ina war immer neidisch auf sie gewesen und versuchte, ihr Kevin auszuspannen. Kurz nach den Abiturprüfungen und bevor Marianna mit Kevin in den Sommerurlaub fahren wollte, erwischte Marianna die beiden, wie sie im Verliebteneck des Stadtwaldes herummachten. Marianna schwor sich, Ina das nie zu verzeihen. Hin und wieder begegneten sich die beiden Frauen noch. Jedes Mal schrien sie sich an und machten sich gegenseitig Vorwürfe.

Und nun saß Ina hier – in dem Spanischkurs, den auch Marianna besuchen wollte. Wie sollte das werden? Würden sie sich jedes Mal neu angiften wie verfeindete Hexen? Sollte sie sich den Kurs von Ina kaputt machen lassen? Nein, Marianna würde ihr Vorhaben, mit ein wenig Sprachkenntnissen auf Reisen zu gehen, nicht dem Hass zwischen ihnen beiden opfern. Sie musste damals schon Kevin ziehen lassen.

Die Gedanken kreisen in Mariannas Kopf. Hatte es nicht auch etwas Gutes, dass sie nicht mehr mit Kevin zusammen war? In den letzten 5 Jahren ist er zu einem öden Langweiler geworden, sitzt nur vor der Glotze, setzt keinen Schritt mehr vor die Tür. Nein, das wäre nichts für Marianna. Vielleicht war dieser Zwischenfall mit Ina nur der vorgezogene, sowieso anstehende Abschied? Und Ina hatte Marianna von der Pflicht befreit, Kevin selbst abzuservieren? Hätte sie es gekonnt? Wohl nicht. Sie war zu sehr in Kevin verliebt.

War es am Ende sogar gut, dass sie Ina und Kevin zusammen erwischt hatte? Hatte Ina ihr gar einen Gefallen getan? Nun, soweit würde sie nicht gerade gehen. Aber es ist eindeutig gut so, wie es ist. Also kein Grund, auf Ina sauer zu sein. Ob Ina das wohl selbst begreifen würde?

Auf jeden Fall ist Marianna entschlossen, Spanisch zu lernen – mit oder ohne Ina. Mit neuem Mut und voller Zuversicht öffnet sie noch einmal die Tür zum Kursraum und tritt auf Ina zu.

„Hallo Ina“, sagt Marianna und hält ihr die Hand hin.

Ina reißt die Augen auf. Für einen Moment verschlägt es ihr die Sprache. Eine Hasswelle lässt ihren Körper erzittern. Dann geifert sie los: „Willst du mir wieder vorwerfen, dass ich dir Kevin ausgespannt habe? Was kann ich dafür, dass du ihm mit deinem Rumgereise und deiner allwissenden Neugier auf den Keks gegangen bist?“

„Nein, nein. Alles gut. Ich wollte dir dafür danken. Es war wohl einer der besten Schicksalsschläge, die du mir verpassen konntest. Da bin ich mir jetzt ganz sicher.“

Marianna atmet erleichtert auf, dass sie das in aller Ruhe sagen konnte. Sie fühlt sich nun gewappnet, am Kurs unbehelligt von Ina teilnehmen zu können. Aber sie sucht sich doch lieber einen Platz in einiger Entfernung von ihr.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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10 Gedanken zu “Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 14

  1. Also, ich finde nicht, dass da zu viele Personen in der Geschichte vorkommen. Das frühere Geschehnis hätte man vielleicht etwas kürzen können … aber so wie du es geschrieben hast, wird´s gut verständlich. Mir gefällt die Geschichte 🙂

    Gefällt 1 Person

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