Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 17

Die Aufgabe

Gegeben war eine Zeitungsmeldung. Karl Hackett wurde verurteilt, weil er durch wiederholte Anrufe bei den Rettungskräften versucht hatte, das Zugunglück von Paddington zu nutzen, um sich eine neue Identität zuzulegen. Nun sollte man daraus eine größere Geschichte machen, diese aber nur in Form eines Handlungsexposés darstellen und dann eine Szene daraus ausarbeiten.

Was fiel mir schwer?

Zuerst habe ich mich mal über das Zugunglück von Paddington informiert. Das liegt ja inzwischen schon fast ewig zurück.

Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen konnte, wie man so etwas nutzen kann, um sich eine neue Identität zuzulegen. Wie sollte das durch mehrfaches Anrufen bei den Rettungskräften funktionieren? Also habe ich mich erstmal umgesehen, wie Andere vor mir diese Aufgabe gelöst hatten. Das gab mir zumindest einen Einblick, wie das gehen könnte.

Eine Idee, wie die größere Geschichte aussehen könnte, hatte ich auch recht schnell. Das grenzte aber schon fast an einen Entwicklungsroman. Dafür auf einer Seite die Handlung zu skizzieren fiel mir dann doch äußerst schwer. Aber irgendwie habe ich es dann eben zusammengequetscht.

Was habe ich gelernt?

Naja, ob ich jetzt wirklich zu neuen Erkenntnissen gekommen bin, weiß ich nicht. Immer wieder habe ich ein Problem damit, dass ich mich recht kurz fassen muss, um mit der Längenvorgabe zurecht zu kommen. Und dann gibt es als Korrekturhinweis, dass ich das ruhig alles viel weiter ausbauen könnte. Ja, würde ich ja auch, wenn ich mehr Platz hätte. Aber gut, das setze ich einfach auf meine interne Liste, um es zu berücksichtigen, wenn ich ohne Längenbegrenzung schreiben kann.

Das Ergebnis

Hier nun also eine Zusammenfassung der Geschichte, ein paar Hintergrundinformationen, die so überhaupt nicht mehr in das Exposé passen wollten, das Handlungsexposé sowie eine ausgestaltete Szene. Bin wie immer gespannt, was Ihr dazu sagt.

Hackett entkommt sich nicht

Zusammenfassung

Karl Hackett ist unzufrieden mit sich selbst und hofft, durch den Wechsel seiner Identität auch seine Persönlichkeit zu wechseln, um am Ende festzustellen, dass er doch derselbe geblieben ist.

Hintergrund

Hackett, geboren 1964, wächst in einer kalten, gewalttätigen, aber vom Perfektionismus getriebenen Familie als Einzelkind auf. In Folge dessen ist sein Selbstwertgefühl wenig ausgeprägt und er zeigt suizidale Neigungen.

Seit seiner Kindheit hat Hackett einen imaginären Freund, mit dem er seine Welt teilt. Als Erwachsener gestaltet Hackett diesen imaginären Freund als die Person aus, die er gern sein möchte, von der er aber sicher ist, dass er sie niemals sein wird. Er gibt ihr den Namen Walter Stone.

Handlungsexposé

1) Hacketts Leben I – Erzählung: zurückgezogen in einem Vorort Londons, Grafiker in einem kleinen Londoner Grafikbüro, Arbeitsweg per U-Bahn über Paddington-Station

2) Hacketts Leben II – Erzählung mit szenischen Elementen und Rückblicken: Neigung zu Grafik seit der Schule, fälscht z. B. Unterschriften, um schlechte Noten nicht zu Hause zeigen zu müssen, erstellt für Stone Ausweispapiere, lässt ihn als Mitinhaber in sein Konto eintragen, hinterlegt Testament zu Stones Gunsten in seiner Schreibtischschublade

3) Therapie – Erzählung mit szenischen Elementen: seit Pubertät in psychotherapeutischer Behandlung bei Frau Lovelly, auch Walter Stone wird besprochen

4) U-Bahn – Szene: Weg zu Arbeit, Suizidwunsch, Unglück an der Paddington-Station stoppt U-Bahn-Verkehr, Hackett verurteilt sich, dann kommt ihm die Idee, sich als Opfer der Katastrophe auszugeben und Walter Stone zu werden

5) Telefonate – Erzählung: ruft in der Firma und mehrfach bei Behörden an, bis die Hackett für tot erklären

6) Telefonat mit Frau Lovelly – Szene: ohne Namensangabe, um Frau Lovelly von Hacketts Tod zu informieren, Lovelly erkennt Stimme, konfrontiert Hackett und besteht auf sein Erscheinen zur nächsten Stunde

7) in der Therapie – Erzählung mit szenischen Elementen: weiterhin die bekannten Probleme mit seiner Umwelt, durch den neuen Namen kein anderer Mensch geworden

8) im Polizeirevier – Erzählung: Hackett stellt sich, wegen seines psychischen Zustands und Selbstanzeige Freiheitsstrafe von 5 Jahren auf Bewährung, zusätzliche Auflage, weiterhin die psychotherapeutische Behandlung in Anspruch zu nehmen

Ausgestaltung der 4. Szene – in der U-Bahn

Der Wetterbericht für den 5. Oktober 1999 prophezeit sonniges Wetter. Doch diese Aussicht vermag nicht, Hackett aufzuheitern. Er war schon mit schwarzen Gedanken aufgewacht. Jetzt schleppt er sich wie gewohnt um 8:00 zur U-Bahn-Station, um zur Arbeit zu fahren. Im Stationsgebäude wird es noch dunkler und dumpfer in und um ihn herum. Da ist die lange Treppe nach unten, tiefer und tiefer in die Finsternis. Links – tapp, rechts – tapp. So schiebt er sich ohne bewusste Wahrnehmung hinunter zum Gleis. Die vielen Menschen, die dort auf die U-Bahn warten, setzen ihn unter Druck. Er fühlt sich beobachtet, bewertet, gerichtet. Sie alle scheinen ihm glücklich, erfolgreich und motiviert – genau wie Walter. Warum ist ihm das nicht vergönnt? Warum kann er nicht Walter sein?

Hackett ist in der trüben Schwärze seiner Gedanken gefangen. ‚Also ist dies der Tag, der früher oder später kommen musste‘, geht es ihm durch den Kopf. ‚Heute werde ich Anna Karenina folgen. Gleich kommt mein Zug. Dann bin ich erlöst. Erlöst. Für immer…‘

Hacketts Gesichtsfeld verengt sich. Er sieht nur noch das Gleis, auf dem gleich der Zug einfahren wird. In allen Details schwebt die Kupplung zwischen zwei Waggons, auf die er sich werfen wird, vor ihm.

Eine Bahnsteigdurchsage reißt ihn aus seinen apokalyptischen Gedanken. „Bis auf weiteres ist der Zugverkehr wegen eines Unfalls an der Paddington-Station eingestellt.“

„Neeein!“, bricht es schrill aus Hackett heraus. Er taumelt zu einem der Sitzplätze am Bahnsteig, fällt mehr, als dass er sich setzt, findet aber keinen Halt.

Während Hackett auf seinem Sitz hängt, sprechen sich erste Informationen zur Zugkatastrophe herum. So viele Tote.

„Geht es Ihnen gut, Sir?“, fragt ihn ein besorgter Mitreisender.

„Ja, ja“, bringt Hackett mit Mühen hervor.

Er verflucht sich. Wieso wollte ihm nicht einmal dieser letzte Schritt gelingen? In seinem Magen ballt sich eine Hasskugel zusammen, die er gegen sich abfeuert. Er ist so klein, so nutzlos, so widerlich, so unfähig. Warum ist er hier und nicht in dem verunglückten Zug? Warum lebt er und ist nicht tot wie so viele Andere?

Ja, warum eigentlich nicht? War das ein Wink des Schicksals? Die Hasskugel aus seinem Magen rast in sein Gehirn und löst dort einige Gedankengänge aus. Hackett wird es fast schwindlig davon. ‚Was, wenn ich doch in dem Zug gestorben wäre? Was, wenn statt meiner Walter zum Leben erwacht?‘

Eine Idee wächst in Hackett heran und nimmt ihn vollständig gefangen. Das Blut schießt ihm wie neues Leben ins Gesicht. Er ist völlig elektrisiert, springt von seinem Platz auf und rennt leichten Fußes aus der U-Bahn-Station.

„Geht es Ihnen wirklich gut, Sir?“, fragt der besorgte Mitreisende noch einmal nach.

„Ja, ganz blendend. Wie neu geboren“, ruft Hackett ihm über die Schulter hinweg zu.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

4 Gedanken zu “Schreiben, schreiben, schreiben – Aufgabe 17

Ich freue mich auf Deinen Kommentar. Bitte beachte aber, dass Daten gespeichert werden (siehe Datenschutzerklärung).

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.