Pyrenäen 2018 – Nachlese #4

Seidene Fäden

So manches Unternehmen hängt schon von Beginn an am seidenen Faden, bei anderen tauchen diese Fäden unvermittelt auf. Leider reißen viele dieser Fäden, manche halten aber auch und verdicken sich wieder. Auch auf meiner Wanderung gab es einige seidene Fäden, von denen ich Euch gern in drei Teilen berichten möchte. Heute:

Teil 2 – Wenn die Motivation zum seidenen Faden wird

Vielleicht ist es ja normal, dass man auf so einer langen Tour auch mal einen Durchhänger hat. Aus bisherigen Touren erinnere ich mich da eigentlich nur an letztes Jahr, wo ich vor lauter Einsamkeit einfach weg wollte – wieder unter Menschen wollte. Ansonsten stellte sich die Motivationsfrage bisher noch nicht.

Aber auf dieser Tour war ja sowieso vieles anders 😉

Ein GR11-Wanderer, der vom Cap de Creus kam und mit dem ich mich recht am Anfang der Tour unterhielt, meinte, das Geheimnis des Weges wäre, dass man aufhören muss, wenn man es nicht mehr genießt. Und je öfter und härter ich klettern und kraxeln musste, desto weniger genoss ich die Tour. Auf jeden einzelnen Schritt musste ich so sehr aufpassen. Es blieb keine Möglichkeit, die schöne Gegend zu genießen oder zu knipsen. Immer nur Angst zu haben, gleich Bolognese-Sauce auf Felsengnocchi zu sein… Täglich blieb ich ein oder zweimal so zwischen den Felsen klemmen, dass ich einem Heulkrampf nahe war, weil ich das Gefühl hatte, nicht weiterzukommen, aber auch der Rückweg keine Alternative (mehr) war. Das ist doch nicht normal – dachte ich mir.

Und so kam es, wie es wohl fast unvermeidlich kommen musste. Am Tag mit den 2000 Hm Abstieg, der hin und wieder nur an der Absturzkante entlanglief und teilweise mit Seilen gesichert war, hatte ich sowas von die Nase voll. Ich hätte am liebsten dem armen Herbergsmenschen alles vor die Füße geschmissen. Aber der konnte ja auch nichts dafür. An MD schrieb ich, dass er doch bitte mal nach einer Heimfahrtmöglichkeit von Benasque – dort, wo ich in ein paar Tagen einen Ruhetag einlegen wollte – schauen sollte. Ja, ich war wohl gedanklich schon auf dem Heimweg.

Aber just in dieser Herberge traf ich auf verschiedene Wanderer, mit denen ich mich sogar Englisch oder Deutsch unterhalten konnte. Etliche meinten, dass die kommenden Etappen einfacher werden würden. Ein wenig machte es auch im Buch diesen Eindruck. Mehr als die Hälfte der roten Etappen war schon geschafft. Schwarze würde es keine mehr geben. Also gab ich dem Ganzen eine Chance bis Benasque.

Nun, das Ende vom Lied/der Wanderung kennt Ihr. Es wurde tatsächlich leichter. Wurde es das wirklich oder gewöhnte ich mich peu à peu daran? Vielleicht beides ein bisschen, immerhin vermisse ich inzwischen doch etwas, wenn ich an die Berge denke. Und so haben dann wohl Gewöhnung, Neugier und sicher auch ein Schuss Durchhaltewillen den Ausschlag gegeben, von Benasque aus weiterzugehen.

War es die richtige Entscheidung? Tja, was ist schon richtig, was ist falsch? Zumindest habe ich die Entscheidung nicht bereut. Trotz aller „Widrigkeiten“ die Tour beendet zu haben, hat mir schon eine gute Portion Vertrauen in die eigenen Kräfte gegeben. Und das fühlt sich einfach gut an.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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12 Gedanken zu “Pyrenäen 2018 – Nachlese #4

  1. Au wei, ich finde es schon extrem und gefährlich und nicht erstrebenswert, täglich so ganz allein „zwischen Felsen zu klemmen“ und den Tränen nahe zu sein !?
    Wie gut, dass du alles gesund und munter überstanden hast! Liebe Grüße, Petra

    Gefällt 1 Person

  2. Das ist mir auf nicht ganz ungefährlichen Touren auch manchmal passiert, dass ich zwischendrin so mutlos und angsterfüllt war, dass ich mich am liebsten an den Wegrand gesetzt und gewartet hätte, bis jemand kommt und mich irgendwie abtransportiert. 😉

    Gefällt 1 Person

  3. Ja, manchmal weiß man es nicht und denkt nur: Was ist richtig?
    Da bleibt einem nur, nach Gefühl zu handeln, in der Hoffnung, das richtige zu tun.
    Schön, dass du dies auch gemacht hast und dass alles gut gegangen ist 🙂

    Gefällt 1 Person

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