Pyrenäen 2018 – Nachlese #5

Seidene Fäden

So manches Unternehmen hängt schon von Beginn an am seidenen Faden, bei anderen tauchen diese Fäden unvermittelt auf. Leider reißen viele dieser Fäden, manche halten aber auch und verdicken sich wieder. Auch auf meiner Wanderung gab es einige seidene Fäden, von denen ich Euch gern in drei Teilen berichten möchte. Heute:

Teil 3 – Wenn der Körper zum seidenen Faden wird

Mehrere Wochen mit ca. 12 kg auf dem Rücken täglich um die 1000 Hm hinauf und wieder hinunter – zum Teil auch mehr – das zerrt ganz schön am Körper, was ihn ganz schnell zum eigentlichen Engpass eines solchen Unternehmens werden lässt.

Die guten Nachrichten zuerst

Normalerweise brauchte ich immer so anderthalb bis zwei Wochen, um mich an den Rucksack zu gewöhnen. Dazu gehörten dann Spannungen im Genick und den Schultern sowie Druckstellen auf den Beckenknochen. Gegen letztere hatte ich schon immer Heparin und Arnika-Kügelchen dabei. Gegen die Spannungen im Genick gab es eigentlich nichts außer auszuhalten. Doch dieses Mal war da ganz einfach nichts. Das war wirklich phänomenal.

Auch mit Blasen musste ich mich dieses Mal nicht auseinandersetzen. Es gab ganz am Anfang eine einzige, kleine, die aber mit Hilfe von Blasenpflaster nach zwei oder drei Tagen der Vergangenheit angehörte. Danach tauchte nie wieder eine auf.

Die Knie

Etwas untrainierter reagierten dafür die Knie. Noch nie hatte ich eine solche Tour mit derartigen, täglichen Höhenunterschieden gemacht. Zwar bekam ich keine Probleme mit den Knien, aber sie fühlten sich doch belastet an. Am jeweils nächsten Morgen dauerte es ein paar Minuten, bis ich wieder richtig eingelaufen war, aber dann war es auch gut. Auch nach der heftigen Abwärtstour mit den 2000 Hm hinunter. Das war schon wirklich verwunderlich.

Allerdings entdeckte ich dann doch am Abend eines Tages, der mit etwa 4, ziemlich schnell gegangenen Straßen-km endete, eine Beule am Knie. Die machte mich deutlich nervös, weil ich das nicht einfach als mal-eben-Belastung abtun konnte. Also waren Einschmieren, Hoffen und Beten angesagt. Trotzdem war die Beule auch am Morgen noch da, tat beim Wandern zwar nicht zu sehr weh, ging aber auch tagsüber nicht weg. Wie lange würde das gut gehen? Noch einmal eingeschmiert und gehofft und gebetet… Diesmal mit Erfolg. Die Beule war weg und kam auch nicht wieder. Was auch immer das war – ich war sehr froh, dass ich nun wieder unbelastet weiterlaufen konnte.

Eine Zerrung

Eigentlich war es eine relativ leichte Etappe. Es ging zwar viel und eigentlich nur nach oben, aber eher gemächlich und ohne große Kletterei. Fast war ich ein bisschen entspannt. An einem kleinen Wasserfall füllte ich meine Flaschen auf. Als ich wieder zurück zum Weg wollte, machte ich wohl eine ungeschickte Bewegung – derer ich mir aber nicht bewusst war/bin. Es zog ganz heftig im linken, hinteren Oberschenkel. Danach spürte ich beim Gehen einen leichten Schmerz. Nichts Schlimmes, sodass ich mir keine weiteren Sorgen machte. Es würde schon wieder weggehen. Damit hatte ich mich aber deutlich verrechnet. Am nächsten Tag tat der Oberschenkel so richtig weh – ganz besonders beim Hinaufsteigen. Ich konnte keine Kraft über das linke Bein beim Hochsteigen entwickeln. Da bekam ich ein wenig die Panik. So würde ich nicht über die Berge in Andorra kommen. Also versuchte ich erstmal, das Bein an diesem Tag zu schonen. Am Abend machte ich mich auf die Suche nach der eigentlichen Quelle des Schmerzes und konnte sie in der Tat ausfindig machen. Nun hieß es wieder Einschmieren und auch etwas Massieren, was aber schon ziemlich zwickte. Aber es sollte ja auch besser werden. Der nächste Tag war etwas leichter zu überstehen, allerdings versuchte ich noch, das Bein nicht zu sehr zu belasten. Es wurde besser 🙂 Also habe ich am folgenden Tag angefangen, das Bein wieder etwas mehr einzusetzen, und dann ging es wieder fast wie vorher. Das war auch gut, denn ich stand nun ziemlich direkt vor Andorra. Puuh, das war gerade noch gut gegangen. Vielleicht hätte ich noch mit einem zusätzlichen Ruhetag ausgleichen können. Aber danach?

Fazit

Man weiß nie, wie der Körper auf eine solche Tour reagiert und muss mit allem rechnen. Ruhetage müsste man tatsächlich absolut nach Bedarf und eben nicht nach Plan machen. Und ansonsten habe ich das Gefühl, dass da ganz viele Schutzengel am Werk waren, denen ich von ganzem Herzen dankbar bin.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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12 Gedanken zu “Pyrenäen 2018 – Nachlese #5

  1. Das freut mich von Herzen, dass du bei dieser außergewöhnlichen Gebirgswanderung so wenige echte Probleme mit deinem Körper hattest. Das bedeutet, das du deinen Körper gut kennst und gut behandelst. Ich habe mit deinen Berichten gesehen, welche wunderbaren Erlebnisse dir deine Bergtour gebracht hat und denke immer noch mit Hochachtung an deine Ausdauerleistung. 😚

    Gefällt 1 Person

      • Jaja, die Füße melden die Schmerzen schnell nach oben. Was auch gut ist. Aber das Schöne, was die Augen, Ohren und vielleicht die Geschmackssinne gemeldet haben, sollte wertvoller gewesen sein. Dazu darf noch ein gesunder Stolz auf die Selbstüberwindung und den Mut kommen. Und auch darauf, dass du wohl nicht zu übermütig warst, sondern eher das, was man mit „beherzt“ bezeichnet.
        Einfach toll! 😙

        Gefällt 1 Person

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