Pyrenäen 2018 – Nachlese #12

In der (Berg-)Hütte

Wenn es nicht so viele (Berg-)Hütten in guter Entfernung voneinander auf dem Weg gegeben hätte, hätte ich diesen Weg wohl gar nicht erst angetreten. Deswegen sind mir diese Hütten durchaus einen separaten Nachtrag wert.

Herberge (Albergue) oder (Berg-)Hütte (Refugio)?

Aufgefallen war mir, dass bis auf eine Unterkunft ziemlich am Anfang des Weges alle Hütten Refugio hießen. Auf dem Jakobs-Weg heißen alle Unterkünfte Albergue. Meine verhaltenen Versuche zu erkunden, warum das so ist, erbrachten kein Ergebnis. Aber ein paar Unterschiede zeigten sich im Laufe der Zeit.

In vielen Herbergen – insbesondere öffentlichen und kirchlichen – gibt es zum Teil riesengroße Schlafsäle. In den privaten Herbergen sind die Zimmer eher etwas kleiner. Auch in den Refugios gab es eher kleine Zimmer. Das mag auch der Größe der Gebäude an sich zuzurechnen sein. Nur in einem sehr beliebten Refugio (de Goriz) gab es Zimmer mit über 20 Personen.

In vielen, vor allem den neueren Refugios gab es den Sanitärbereich den Zimmern zugeordnet. Es gab aber auch viele Refugios, in denen es – wie in den allermeisten Herbergen auch – die Sanitäranlagen Gemeinschaftsanlagen waren.

Hinsichtlich der Schlafplätze unterscheiden sich Herbergen und Refugios durchaus. Doppelstockbetten (z. T. auch dreietagige Betten) sind absolut die Norm. Allerdings sind in den Refugios die Matratzen z. T. äußerst schmal. Gerade in den „wirklichen“ Berghütten war es hin und wieder so, dass man so eng lag, dass sich sprichwörtlich die ganze Reihe umdrehen musste, wenn sich mal einer drehen wollte.

In ganz vielen Refugios gab es Pantoffeln und man durfte den inneren Aufenthaltsbereich nicht mir den Wanderschuhen betreten. So etwas war mir in Herbergen noch nie begegnet.

Das Leben in den Hütten

Interessant war auch, dass die Abläufe in den Refugios teilweise etwas anders waren als in den Herbergen.

Etliche Herbergen machen erst am früheren (oder späteren) Nachmittag auf. Aber dann kann man auch rein und alle Einrichtungen nutzen. Refugios bieten aber auch mittags für Wanderer Essen an. Sie sind also offen. Aber nicht überall konnte man schon rein, wenn man ankam. Da gab es Refugios, in denen man erst um 17:00 oder noch später die Zimmer betreten durfte. Zum Glück konnte man sich in einigen davon zumindest schonmal frisch machen. Ich finde es absolut unangenehm, in den verschwitzten Wandersachen länger als nötig irgendwo herumzusitzen. Aber ich scheine damit eine ziemliche Ausnahme zu sein. Das wunderte mich schon, weil auf dem Jakobsweg jede/r zu allererst unter die Dusche huschte, sobald er/sie angekommen war.

In den Refugios setzten sie sich erstmal hin, tranken was, aßen was, erzählten sich oder spielten was. Ja, es gab sogar in den meisten Refugios Ecken, in denen Spielzeuge, Spiele und Bücher standen. Erst nach und nach räumten sie ihre Sachen in die Zimmer und gingen unter die Dusche.

In den Herbergen war es immer auch üblich, sich am späten Nachmittag noch einmal hinzulegen – jedenfalls machten das viele. Mir war auch hier auf meiner langen Wanderung immer wieder danach. Damit war ich aber ziemlich allein. Ich weiß nicht, vielleicht hat man dieses Bedürfnis nicht, wenn man weniger Tage unterwegs ist oder eine kürzere Gesamtstrecke zurücklegt.

Am Abend

Auch die Abendgestaltung unterschied sich zwischen Refugios und Herbergen. Meist bieten die Herbergen kein Essen an, sondern man geht dafür in ein nahe gelegenes Restaurant, das dann aber durchaus speziell für Pilger Angebote hat. In den Refugios wird im Gastraum, der tagsüber den vorbeigehenden Wanderern offen steht, gemeinsam zu Abend gegessen. Das sind sehr gesellige Runden. Das hat mir sehr gut gefallen. Vielleicht auch deswegen, weil ich ja allein unterwegs war. Auf dem Jakobsweg war ich eigentlich auch beim Abendessen eher allein.

Frühstück gibt es in Herbergen normalerweise gar nicht. Wenn doch, dann ist es ein äußerst knappes spanisches Frühstück. Refugios bieten Frühstück an, das in der Regel (mit einigen Ausnahmen) durchaus ausreichend und ein guter Start in den Tag war.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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13 Gedanken zu “Pyrenäen 2018 – Nachlese #12

  1. Es ist schon lange her, daß ich auf meinem Weg nach Spanien in einer pyrenäischen Berghütte genächtigt habe. Ein riesiger Hirtenhund hat mich begrüßt. Ich bin bestens verköstigt worden, und in dem ziemlich weichen Bett habe ich tief und fest geschlafen. Ich denke heute noch sehr gerne daran.

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    • Das sind schöne Erinnerungen, die Du hier mit uns teilst. Lieben Dank.
      Ich denke, dass der angebotene Komfort stark davon abhängt, ob das Refugio per Straße erreichbar und somit belieferbar war oder ob alles per Helikopter kam. Die Freundlichkeit der dort Arbeitenden war aber eigentlich überall ganz toll. Da gab es eigentlich nur eine einzige Hütte, bei der ich gesagt hätte, dass es vielleicht doch etwas zugewandter machbar gewesen wäre.

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    • Ich weiß nicht, ob man alles überspitzen muss oder ob nicht manches eine normale Zusammenfassung ist 😉
      Nein, in den Refugios ist nicht automatisch alles inklusive. In den bewirtschafteten Hütten wird alles angeboten, aber man kann sich entscheiden, was man in Anspruch nehmen möchte. Dafür zahlt man dann auch – für den Rest nicht. Es gab zum Beispiel Gruppen von Jugendlichen, die nur zum Duschen und den Toilettengang ins Refugio kamen. Und es gibt auch unbewirtschaftete Refugions, wo es nur Bettgestelle, eine Feuerstelle und vielleicht einen Tisch gibt.
      In den Hütten, in denen ich geschlafen habe, gab es immer Duschen, wenn auch z. T. kalt. Und die allermeisten haben auch geduscht. Wieso hattest Du die Assoziation von 20 ungeduschten Menschen?

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  2. Da sind sich die spanischen Refugios und die Berghütten in den bayerischen Alpen sehr ähnlich. In manchen Hütten gibt es sogar Dreibett- und Doppelzimmer, die man in den Nebensaisonen manchmal sogar als Einzelzimmer buchen kann. Außerdem wird in den meisten Berghütten ein Frühstück serviert, zwar häufig ein recht schlichtes, aber hungrig braucht sich niemand auf den Weg zu machen. 😉 Im Berggasthaus Herzogstand gibt es sogar ein Frühstücksbufett mit regionalen Wurst- und Käsespezialitäten, sowie hausgemachten Kuchen. 😉

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    • Da ich die bayrischen Berghütten nicht kenne, kann ich dazu nichts sagen. Aber Zwei- oder Dreibettzimmer hatte ich auf meiner ganzen Tour nicht. 6 – 8 waren es mindestens. Das Essensangebot richtete sich insbesondere danach, auf welche Art die Hütten beliefert werden konnten. Geschah das per Helikopter, gab es eher Spartanisches, überwiegend haltbar Abgepacktes. Und doch war ich dankbar dafür. Sonst hätte ich die Tour nicht machen können.

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