Pyrenäen 2018 – Nachlese #13

Wäsche waschen

Auch das Waschen der Klamotten unterliegt in den Refugios einem anderen Ritus als auf dem Jakobsweg. Auf dem Jakobsweg habe ich jeden Tag alles gewaschen. Die Herbergen waren darauf auch eingerichtet und hatten meist eine Art Wäscheplatz, wenn auch nicht immer wirklich ausreichend groß. Allerdings haben mir auch einige Pilger erzählt, dass sie nicht immer alles waschen. In den allerwenigsten Refugios gab es eine Möglichkeit, nasse Wäsche aufzuhängen – nichtmal die Handtücher. Diejenigen, mit denen ich mich unterhalten habe/konnte, meinten, dass sie auch nicht immer alles waschen würden. Naja, in gewisser Weise kann ich das verstehen. Am nächsten Tag ist spätestens nach einer Stunde eh wieder alles nass und müffelt. Aber unangenehm war es mir schon. Also habe ich wenigstens immer die Unterwäsche gewaschen. Oberhemd und Hose nicht zu waschen, daran hatte ich mich dann irgendwann gewöhnt und fand es auch entlastend.

Manche waren ja schon echt hart in dieser Beziehung. So habe ich in einem Refugio „richtige“ Kletterer (also so mit Seil, Helm, Pickel, Geschirr etc.) beobachtet. Sie kamen am frühen Nachmittag, hatten die ganze Zeit dieselben Sachen an. Mit diesen gingen sie auch schlafen. Und am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe hatten sie immer noch dieselben Sachen an und wechselten diese auch nicht. Hm, wäre wohl nicht so mein Ding. Ich kann es aber vom Standpunkt der Praktikabilität her gut verstehen.

Wäsche trocknen

Wie trocknet man aber Wäsche, wenn es nichts zum Aufhängen gibt. Tja, man sucht sich eben Möglichkeiten und wird erfinderisch.

In Hotels und Pensionen habe ich meine Wäsche auf Bügel gehängt und diese dann verteilt, wie es gerade ging – im Zweifel eben auch im offen stehenden Schrank.

Hin und wieder konnte man im Zimmer eine mitgebrachte Leine spannen. Hier hat es meine Zimmerkollegin getan. Ich habe immer ca. 2-3 m schwarze, nicht zu dicke Leine dabei. man kann ja nie wissen.

Andere haben eine Wäscheleine unter dem Fenster entlang gezogen. Auch Strippen, die allerdings in erster Linie als Zaun gezogen waren, ließen sich zum Wäscheaufhängen gebrauchen.

Manchmal waren aber auch diese Möglichkeiten nicht gegeben. Dann halfen halt nur noch Steine oder Bretter, um dort die Wäsche in die Sonne (so sie da war) zu legen.

Aber Achtung: Wenn es windig ist, ist schnell mal eine Socke davongeweht. Dagegen helfen Steine.

Acht geben sollte man auch auf etwaig herumlaufendes Getier, dass ggf. durch farbenfreudige oder doch noch in Resten verlockend schnüffelnde Klamotten angezogen werden. Da habe ich einige Geschichten gehört, aber nichts selbst erlebt.

Tja, und einmal war es derartig windig, dass auch keine Steine mehr halfen. Da habe ich kurzerhand die Wäsche mit Sicherheitsnadeln am Zaun festgeklemmt.

Fazit: Nur nicht entmutigen lassen. Irgendetwas fällt einem dann doch immer ein, um die Wäsche trocken zu bekommen.

Folgendes gehört zwar nicht unbedingt zu Wäsche, aber ich fand es in diesem Zusammenhang doch interessant. Dies gab es in einem Refugio zur Aufbewahrung der Schuhe – leicht nach oben gebogene, kurze Stangen, auf die man die Schuhe hängte. Fand ich irgendwie clever.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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30 Gedanken zu “Pyrenäen 2018 – Nachlese #13

      • Hm, ich bin mir nicht sicher, ob ich genau weiß, worauf Du hinaus willst.
        Wenn wir davon sprechen, was mann/frau KANN, dann bräuchten wir uns übers Wäschewaschen unterwegs gar nicht zu unterhalten. Mann/frau kann auch alles, ohne es je zu waschen, vom Anfang bis zum Ende tragen. Ich musste mal mit jemandem eine Nacht gemeinsam in einem Herbergszimmer verbringen, der das durchaus für ein paar Tage gemacht hatte. Ich war froh, als die Nacht vorbei und ich wieder an die frische (!!!) Luft konnte 😉
        So ein Einlagenteil schützt sicher die Außenhose vor dem größten Schlabber und damit davor, täglich gewaschen werden zu müssen.
        Das Einlagenteil hilft aber nicht gegen den Schweiß, der einem beim Wandern von überall her den Körper entlangfließt und alles bis auf die Haut durchsifft. Da müsste es dann schon eine Pampers für Erwachsene sein – die man dann wieder mitschleppen und die gebrauchten irgendwie entsorgen müsste. Außerdem stört so eine Riesenpamper sicherlich beim Wandern. Hm, dann wohl doch lieber das kleine Schlüpferchen abends mal eben durchs Wasser gezogen.
        Als ich einmal von Santiago aus noch nach Finsterra gelaufen bin, war in einer Herberge das Wasser komplett ausgefallen und eine Ausweichherberge nicht (mehr) erreichbar. Also hieß es ungewaschen (weder Körper noch Klamotten) die Nacht ausharren. Der Schweiß fing an zu trocknen. Die Salzkristalle saßen überall und begannen ihr kribbeliges Werk. Furchtbar. Ich möchte so etwas nie wieder mitmachen müssen. Aber ja, mann/frau kann.
        Ein letztes Wort zu den Salzkristallen vom Schweiß – wenn die sich dann im Schlüpferchen eingenistet haben, können sie am nächsten Tag, bis sie vom neuen Schweiß aufgetaut sind, schon ein ziemlich verheerendes Werk anrichten. Sie sind verdammt scharfkantig.
        Naja, das sind so die wesentlichen Gründe, warum ich mindestens das, was ich direkt auf dem Körper trage, abends einmal durchspüle – auch mit kaltem Wasser.

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      • Oh, Du musst nichts zurücknehmen. Es hat einfach jede/r sein/ihr eigenes Umgehen mit den Dingen. Ich finde es spannend zu erfahren, wer, wann, warum, wie agiert. Das ermöglicht mir, meine eigenen Entscheidungen zu überdenken und ggf. neu zu treffen. Und das mit der Wäsche hängt ja wirklich sehr speziell von den eigenen Bedürfnissen und auch stark von der Art der Reise ab.

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      • Oh, das finde ich schade.
        Ich kenne Deine konkrete Situation nicht. Aber häufig ist viel mehr möglich, als man manchmal meint. Auf dem „Standard“-Jakobsweg habe ich schon Kinderwagen und Rollstühle gesehen. In den neueren Herbergen gibt es behindertengerechte Zimmer. Man muss sein Gepäck nicht unbedingt selbst tragen. Und wenn man ein Stück zu kompliziert aussieht, kann man auch mal mit dem Bus oder dem Zug fahren (klar, auch mit einem Taxis oder so). Und Spanien ist ja kein unzivilisiertes Land. Man kommt immer mal durch größere Städte, in denen es auch vergleichbare medizinische Einrichtungen gibt. Aber wie gesagt: jede Situation ist einzigartige – und eine pauschale Aussage definitiv nicht möglich.

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    • Prinzipiell schon. Ein paar Schlaufen hat mein Rucksack und ein paar Klettbänder habe ich dabei. Auf den Jakobswegen sieht man häufig Socken an Rucksäcken hängen – allerdings auch öfter mal auf dem Weg liegen 😦 Diesmal in den Bergen hätte ich ungern etwas am Rucksack hängen gehabt, weil es hin und wieder doch recht eng war oder auch die Zweigen nach einem griffen. Da hätte sich doch auch mal was verfangen können, was man sich und dem Zeug nicht unbedingt antun muss. Aber sonst – wie gesagt – durchaus ein gängiger Weg.

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  1. Interessant, das Wasch- bzw. Wäschethema, und so bunt. 😉 Beim Wandern bzw. Pilgern über mehrere Tage oder Wochen habe ich wie du auch eine Leine und Sicherheitsnadeln, damit nichts wegfliegt, dabei. Ich nehme aber immer 3 x Unterwäsche mit. Dann kann ich das Wäschewaschen auch mal ausfallen lassen.

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    • Leine und Sicherheitsnadeln sind wirklich sehr praktisch – man kann sie ja auch für viele andere Dinge verwenden 🙂
      Ja, 3* Wechselwäsche ist nicht verkehrt. Aber wenn ich (auch) mit Zelt unterwegs bin, dann knausere ich schon nahezu mit jedem Gramm. Ist immer viel Abwägung dabei. 3 Paar Socken gibt es aber unbedingt.

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