Augstein, Blome: Oben und unten

Oben und unten – Abstieg, Armut, Ausländer – was Deutschland spaltet

  • Jakob Augstein, Nikolaus Blome
  • Deutsche Verlags-Anstalt, 25. Februar 2019, 2. Auflage
  • Gebundene Ausgabe, 272 Seiten
  • 20,00 € (D), 20,60 € (A)
  • ISBN 978-3-421-04826-4

Inhalt

Jakob Augstein und Nikolaus Blome, die recht gegensätzlichen „Meinungslagern“ angehören unterhalten sich über die Verhältnisse in Deutschland.

Das Buch ist in Form des Mitschnitts ihrer Gespräche gestaltet. Hin und wieder beziehen sie in ihre Unterhaltung auch andere Menschen ein, z. B. einen Gewerkschaftsvertreter, einen Familienunternehmer, einen arbeitende Mutter.

Es geht um Fragen der Gerechtigkeit, wie sie erreicht werden kann, was Gründe für Ungerechtigkeiten in Deutschland sind und wie die weitere Entwicklung gestaltet werden kann.

Da die beiden „Kontrahenten“ aus unterschiedlichen Denkrichtungen stammen, kommen sie natürlich nicht zu einem Ergebnis, sondern stellen ihre Meinungen neben- bzw. gegeneinander und versuchen, den jeweils anderen von ihrer Meinung zu überzeugen und die Denkfehler des jeweils anderen offenzulegen.

Sarkasmus, Ironie, kleine Angriffe und Spitzfindigkeiten sollen dem Buch eine heitere Note verleihen.

Subjektive Eindrücke

Die behandelten Themen sind wichtige und drängende Fragen in Deutschland. Das ist unumwunden klar. Hier werden diese Aspekte von zwei verschiedenen Seiten betrachten. Auch das ist durchaus positiv anzumerken. Allerdings ist diese Art der Streitkultur nicht so ganz mein Ding. Argumente bleiben nebeneinandergestellt. Es geht nicht darum, eine gemeinsame Lösung zu finden, sondern den jeweils anderen von der eigenen Meinung zu überzeugen. Die zur Aufheiterung eingesetzte Ironie gibt für mein Gefühl den Gesprächen eher einen aggressiven Unterton. So möchte ich persönlich nicht diskutieren.

Aber unabhängig davon war es für mich interessant, über die beiden Standpunkte zu lesen und zu versuchen, sie nachzuvollziehen und sie mit meinen eigenen Ansichten abzugleichen.

Gewöhnungsbedürftig ist möglicherweise die teilweise Anordnung der Redebeiträge. Hin und wieder setzt der Beitrag der linken Seite auf der nächsten linken Seite fort, während auf den jeweils rechten Seiten der Kontrabeitrag erscheint.

Fazit

Eine interessante Gegenüberstellung zweier verschiedener Ansichten, bei der man vieles über die unterschiedliche Interpretierbarkeit der Zustände in Deutschland, insbesondere hinsichtlich Gerechtigkeit erfährt. Die Art der Auseinandersetzung muss man (meiner Meinung nach) mögen. Sonst wäre vielleicht eine andere Infoquelle zu bevorzugen.

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8 Gedanken zu “Augstein, Blome: Oben und unten

  1. Vielen Dank für deine Rezension. Ich werde deiner Empfehlung folgen, mir die Informationen aus anderen Quellen zu besorgen. Die Art und Weise des Umgangs – dem Zeitgeist folgend – den Anderen mantrahaft mit den eigenen Argumenten weich zu klopfen aber nicht mehr lösungswillig zu sein, kommt zwar bei vielen Menschen, die starke Egomanenansprachen lieben, gut an, bringt uns als Gesellschaft aber leider nicht weiter sondern vertieft nur die eh schon vorhandenen Gräben.
    So gesehen, vielen Dank, dass du dich „geopfert“ hast dieses Buch zu lesen und andere davor zu warnen.😉

    Gefällt 2 Personen

    • Danke für Deinen netten Kommentar. Als Aufopferung habe ich das gar nicht empfunden. Ich wusste ja nicht so recht, was auf mich zukommt. Ich versuche möglichst klar meine Eindrücke darzustellen, um eine Möglichkeit zu eröffnen, für sich selbst einzuschätzen, ob es was ist oder nicht. In diesem Sinne freue ich mich, dass Du für Dich zu einer Entscheidung kommen konntest.

      Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Belana Hermine. Das Buch habe ich zwar nicht gelesen, aber viele der Gespräche im Fernsehen angeschaut. Dein Eindruck ist übrigens ganz der meine. Auch ich fände es schon, wenn die Herren wirklich miteinander ins Gespräch kommen würden, anstatt nur darum zu kämpfen, wer der Klügere ist.
    Ich muss mich an ein Erlebnis von vor knapp 30 Jahren erinnern: ich war Gast bei einer Talkshow und in dem Metier völlig unerfahren. Ich beantwortete alle Fragen und ging auch auf die Kommentare der Moderatorin ein – so wie ich dies für anständig hielt. Ein anderer Gast – ein Talkshowprofi – sagte mir später beim Bier, dies sei ein Fehler gewesen. Ich solle mich bei der nächsten Talkshow nicht um die anderen kümmern und einfach mich und meine Meinung darstellen.
    Diese Art „Streitkultur“ hat schon vor den sozialen Medien und Filterblasen bestanden. Ich sehe sie als ein Resultat eines Journalismus, der hauptsächlich Narzissten belohnt. Mit demokratischer Auseinandersetzung hat das leider nichts zu tun.
    Und das finde ich ebenfalls schade.

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    • Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Ja, ist eine Entwicklung von Streitkultur, die ich nicht so toll finde. Darüber, wo die Anfänge liegen, habe ich noch gar nicht nachgedacht. Aber ich würde sie auch nicht den digitalen Medien in die Schuhe schieben.

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    • Das unterschreibe ich voll und ganz. Diese Art von Streitkultur ist älter als die modernen sozialen Medien. Nur in einem Punkt würde ich die Ursache breiter sehen. Nicht nur im Journalismus wird Narzissmus belohnt sondern auch in der Wirtschaft. Wer sich rücksichtslos mit seinem ICH durchsetzt, dem wagen Viele nicht mehr zu widersprechen. Und leider nehmen sie mit dieser Verhaltensweise auch das hin was die Narzissten zu sagen haben. 😠

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  3. Danke für die Rezension, Hermine! Die beiden gefallen mir, aber immer wenn deren Sendung spannend wird ists vorbei. 😉 Eine gute Frage was Deutschland spaltet. Die alte Leier, seit es Deutschland gibt. Früher wars einfacher, da gabs nichts brisant zu spalten, da war das „unten“ die Leibeigenen. 😉 LG Michael

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