Wanderstöcke als Krückstöcke?

Immer häufiger sehe ich ältere/alte Menschen mit Wanderstöcken durch die Stadt gehen. Als es mir so richtig bewusst wurde, habe ich mich ein bisschen darüber gewundert und versucht zu verstehen, warum.

Früher gab es diese braunen Holzstöcke, meist mit gebogenem Griff. Sie hießen Spazierstöcke. Unten hatten sie eine schwarze Gummimuffe drauf, damit sie nicht wegrutschten. Im Winter konnte man diese „einfache“ Gummimuffe durch eine mit Spikes ersetzen, damit man auch auf Schnee nicht wegrutschte. Wo sind diese Stöcke geblieben? Und warum sind sie verschwunden?

Heutzutage gehen die älteren/alten Leute mit den Stöcken durch die Stadt, mit denen ich durch die Berge wandere. Hat es mich deswegen darauf aufmerksam gemacht? Aber warum nehmen sie nicht die Krückstöcke, wie bisher? Sie sind doch viel billiger und vielleicht auch leichter als die Wanderstöcke.

Naja, das liegt einerseits sicher am Namen. Wer mag schon gern mit einem KRÜCKstock unterwegs sein. Das hört sich alt und klapprig an, als würde man nicht mehr richtig laufen können. So ein Wanderstock dagegen wirkt sportlich, frisch und jugendlich gesund. Und vermutlich sehen sie besser aus, weil es sie eben nicht nur in Holzbraun, sondern nahezu in beliebiger Farbe gibt.

Natürlich, wenn sich die Menschen mit einem Wanderstock besser fühlen, dann sollen sie mit einem Wanderstock gehen. Aber was sagt das über uns aus? Ist es nicht (auch) ein Zeichen dafür, dass wir Alter nicht eingestehen wollen, dass Alter vertuscht, kaschiert und eben im Zweifel durch einen sportlichen Wanderstab übertüncht werden muss? Schade nur, dass es gegen das wahre Altern dann eben doch nicht hilft.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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28 Gedanken zu “Wanderstöcke als Krückstöcke?

  1. Zwei Stöcke sind wohl auch besser als einer, mit einem könnte es ja sein dass man etwas schief geht weil man ja doch das Gewicht auf den einen Stock etwas verlagert..
    Die sportliche Komponente spielt sicher auch eine Rolle, außerdem gab es früher eben nur den Holzstock…

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    • Ja, für verschiedene Mobilitätseinschränkungen gibt es in der Tat unterschiedliche Stöcke. Mein Vater hatte einen mit drei Füßen unten, damit der Stock eine bessere Stabilität hatte. Aber da ist dann natürlich sofort klar, dass das was Medizinisches ist. So ein Wanderstock sieht doch eher agil und dynamisch aus 😉

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    • Ach ja, es gibt ja inzwischen auch Wanderstöcke mit ein einem gebogenen Handgriff. Halt eher einem „alten“ Spazierstock ähnlich. Da hat man sich sicherlich dem Bedarf der Käufer angepasst. Zum Wandern würde ich den wohl nicht benutzen wollen (oder können?).

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  2. Seh das auch immer häufiger und finde es gar nicht so schlecht.
    Denn erstens sind die Wanderstöcke viel leichter als Krückstöcke und man kann auch beide zur besserem stabilisierterem Gehen benutzen.
    Fragte mal einen älteren Herrn, der mir das so erklärte.
    Unsinniger finde ich, mit Nordic Walking-Stöcken zu „gehen“, was ich auch oftmals bei jüngeren Leuten sah. Dafür sind die wirklich nicht gedacht und wirkt albern auf mich, die sehr gerne diese Sportart betreibt.
    Liebe Grüße von Hanne

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      • @hanneweb und @relaxedlive
        Naja, auch dafür kann es Gründe geben. Zum Beispiel brauche ich nicht auf einer kompletten Strecke meine Stöcke – eigentlich nur für bergauf und bergab. Den restlichen Weg trage ich sie dann in der Hand. Aber manchmal – insbesondere gegen Ende einer Tour – ist mir das auch zu öde. Dann lasse ich sie manchmal eben nur hinter mir her schleifen. Oder wenn ich kraxeln muss und die Hände brauche. Dann hänge ich die Schlaufen der Stöcke um die Handgelenke und die Stöcke baumeln dann eben hinter mir her.

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      • Du meinst gerade die Wanderstöcke, denke ich und da ist es so oder so gut, wie es eben gerade auf der Strecke passt. In meinem Kommentar ging es um die Stöcke für Nordic Walking, mit denen man durchwegs bis zum Ziel ziemlich stramm und flott läuft, was auch der Sinn dieser schönen Sportart ist. 🙂

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      • Klar, man kann alle Stöcke hinter sich herziehen, wenn man mal eine kleine Ruhepause braucht. Und mit beiderlei Stöcken wird dann der eigentliche Zweck nicht mehr erreicht.
        Meine Aussage sollte nur sein, dass es durchaus verschiedene Gründe geben kann, Dinge in anderer als vorgesehener Weise zu nutzen.

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    • Tja, für jedes Ziel gibt es eben das angemessene „Werkzeug“ oder in diesem Falle „Gehzeug“. Ich wollte mich ja auch gar nicht dagegen aussprechen, dass nun Wanderstöcke genutzt werden statt der „alten“ Holzstöcke. Letztlich finde ich es einfach gut, wenn sich Leute behelfen, um weiterhin mobil bleiben zu können. Und wenn es ein Rollator sein muss, dann eben sowas – Hauptsache man sieht zu, dass man sich selbst bewegt bekommt. Ich glaube, das macht viel Lebensqualität im Alter aus.

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    • Na, ich hoffe, Du brauchst weder das eine noch das andere und bist noch so gut zu Fuß unterwegs. Viel Spaß in dieser Woche – vielleicht mit etwas netterem Wetter als in der vergangenen.

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    • Das möchte ich nicht bestreiten. Aber aus unserem Wohngebiet weiß ich sicher, dass die Wanderstöcke eben auch als Krückstöcke genutzt werden.
      Und wenn ich Menschen mit Stöcken im Supermarkt oder Kaufhaus sehe, dann kommt mir wirklich nicht als Erstes in den Sinn, dass sie Sport machen. Komplett ausschließen würde ich es aber auch nicht 😉

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  3. Ich gehe seit etwa zwei Jahren ständig mit Wanderstöcken umher. Aufgrund meiner seltenen, nicht heilbaren und fortschreitenden Muskelerkrankung bin ich inzwischen auf diese Gehhilfen angewiesen. Ohne Wanderstöcke wäre die Strecke, die ich mittlerweile zurücklegen kann, auf maximal 200 Meter beschränkt. 😉 Ich finde, dass ich mich mit Wanderstöcken weitaus besser bewegen kann, als das mit Krückstöcken der Fall wäre. 😉

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    • Es ist schön, wenn Du für Dich Möglichkeiten gefunden hast, Dich trotz der Erkrankung so weit es geht selbstständig zu bewegen. Und wie Du ja schon gesagt hast, kommt es darauf an, was passend ist und hilft. Meinem Vater z. B. hätten weder Wander- noch Krückstöcke geholfen.

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  4. Meine Mutter wird im Dezember 80! Und nach jahrelangem dementieren gibt sie nun endlich zu das sie starke Probleme mit der Hüfte hat, will sich aber nicht operieren lassen. Seit gut einem Jahr geht sie nicht mehr ohne ihre „Walking-Dinger“ aus dem Haus.
    Da sie kürzlich neue Gummis unten brauchte znd völlig aufgelöst nicht wusste woher, bin ich mit ihr in ein Sportfachgeschäft… man hat zns erst mal informiert das sie da eigentlich sehr hochwertige Wanderstöcke hat. Sie hatte sie auf einem Flohmarkt für paar Euros erstanden.

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  5. Richtig! Unsere Nachbarin hatte selbst zugegeben diese Walkingstöcke zu nehmen, um – sie sah sich bei uns in der Schaufensterfront – nicht mehr so buckelig zu wirken. Neulich hatte sie aber festgestellt, dass sie jetzt mit diesen Stöcken noch „buckeliger“ rüber kommt. 😉 LG Michael

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  6. Ich finde Eigenmedikation grundsätzlich bedenklich. Wenn ich sehe, was die armen nicht mit Würde altern wollenden mit ihren Sehnen und Gelenken anstellen, weil sie der Meinung sind, dass sie keine Gehilfe oder ähnliches brauchen.
    Und schwups gibts dann Physiotherapie wegen Schulter-und Ellenbogenbeschwerden…
    Wenn ich alt genug bin werde ich meinen Stock mit Stolz tragen, so wie heute einen Fahrradhelm und Warnweste… Immerhin habe ich es mir lange Jahrzehnte mühsam verdient alt zu werden – ebenso wie jedes graue Haar, das mich schmückt.
    Liebe Grüße
    Patrick
    von isso.blog

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    • Nun ja, letztlich ist jede/r seines/ihres Glückes Schmied. Aber ich denke auch, dass es angemessenere Unterstützung für viele Mobilitätseinschränkungen gibt als Wanderstöcke. Möglicherweise ist es aber auch eine finanzielle Frage, wenn diese Unterstützungen eine zu große Zuzahlung erfordern. Naja, jedenfalls hoffe ich, dass ich sowas nicht brauchen werde, aber wenn ich es brauchen würde, hoffe ich natürlich auch, dass ich vernünftig werde agieren können. Die Zukunft wird es zeigen 😉

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