Corona-Gedanken

Wir haben hier das Privileg, noch nach draußen z. B. in den Wald gehen zu dürfen. Klar ist, dass man auch da einen Abstand von 1,5 m einhalten sollte, wenn es irgendwie geht.

Meist geht das schon. Man muss eben mal kurz hintereinander gehen, wenn „Gegenverkehr“ kommt. Und jeder Gänsemarsch geht eben jeweils auf seiner rechten Seite. Eigentlich nicht schwer, oder?

Nun, es scheint doch nicht soo einfach zu sein. Wir begegnen nur wenigen Menschen, die das so machen. Und wenn ich dann ganz gut sichtbar hinter MDs Rücken verschwinde, um möglichst viel Platz zwischen uns und die Entgegenkommenden zu bringen, dann fühlen sich einige dadurch in der Tat eingeladen, noch mehr Breite des Weges in Anspruch zu nehmen.

Gut, kann mal vorkommen. Und wenn es mal ein Trüppchen ist, dann hält man eben kurz vorher die Luft an und atmet etwas dahinter wieder weiter. Aber wenn fast keiner versucht, Abstand zu halten, dann fängt es doch an zu ärgern. Und dann kann ich auch mal ziemlich aus der Haut fahren. Okay, ich weiß schon – Jammern auf hohem Niveau, denn wenn es mich zu sehr stört, kann ich ja auch zu Hause bleiben…

Letzens kamen uns zwei jüngere Damen entgegen. Die eine steuerte ziemlich nah auf uns zu. Da hat mich dann doch der Krawallteufel geritten und ich habe kurz meinen linken Arm zur Seite gestreckt, „1,5 Meter. Vielen Dank!“ gesagt und den Arm wieder eingezogen. Sie wäre sonst voll reingelaufen. Da ich verhältnismäßig normal proportioniert bin, kann sich jede/r wohl vorstellen, dass selbst dieser Abstand weit unter den 1,5 Metern lag.

Als Reaktion ergoss sich nun über uns eine derartige Schimpftirade, die ich hier gar nicht wiedergeben will. Zum Teil kann ich es auch gar nicht, denn ich kann dann auch ganz gut zurück… und ließ eine laute Welle unschöner Schimpfworte losdonnern.

Nun ja, stolz bin ich darauf wirklich nicht. Aber ich kann das einfach nicht verstehen. Es geht doch um den gegenseitigen Schutz. Natürlich wollen wir nicht angesteckt werden. Aber wir wollen auch niemanden anstecken, falls wir etwas in uns tragen sollten. Und es geht darum, für uns alle die Möglichkeit, noch in den Wald gehen zu dürfen, aufrecht zu erhalten, weil es gut für die Psyche und das Immunsystem ist. Ist denn da ein kleines bisschen Ausweichen bei „Gegenverkehr“ wirklich zu viel verlangt?

Bleib gesund!

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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27 Gedanken zu “Corona-Gedanken

  1. Ergeht mir genauso, wenn ich in den Wald mit meinen Hunden gehe. Vorallem habe ich das Gefühl das alle Menschen jetzt vermehrt im Wald spazieren gehen, denn sonst bin ich meist, egal zu welcher Zeit, die einzige. Bin gespannt was noch auf uns zu kommt.
    Bleib gesund
    Liebe Grüße
    Sandra

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  2. Gestern stand – zappelte nervös – im kleinen Supermärktchen am Eck eine Dame meines Alters hinter mir, und rückte mir immer dichter auf die Pelle, trotz der Abstandsmarker am Fußboden und der Hinweisplakate über den Kassen, doch bitte Distanz von ca. 1,5 Metern zu halten. Grantig warf ich ihr einen ganz schlimmen „Todesblick“ zu, als mir ihr Gebaren zu bunt wurde. Hat geholfen! Ich wusste gar nicht, dass ich so grimmig schauen kann. 😉
    Komm gut durch den Tag, und bleib gesund!

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    • Tja, wir entdecken dieser Tage doch die eine oder andere Eigenschaft an uns, von der wir vorher noch nicht allzu viel wussten 😉
      Manche machen das ja auch wirklich nicht mit Absicht. Das merkt man dann an den Reaktionen, wenn man sie vorsichtig darauf aufmerksam macht. Meist kommt dann doch ein leises „Entschuldigung!“. Aber manchmal eben auch nicht…
      Bleib gesund und guter Hoffnung

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  3. Sehr richtig ! Empfinde das Spazierengehen mittlerweile als eher stressig. Im Wald in unserer Nähe ist es z.Z. sehr voll. Wenn man alleine geht, muss man immer aufpassen, ob die anderen ausweichen und das ist leider sehr oft nicht der Fall. Paare laufen in der Regel Hand in Hand nebeneinander, und das bleibt so, auch wenn der Abstand nicht gewahrt ist. Vorbildlich benehmen sich die meisten Familien. Die Eltern sagen den Kindern, dass sie auf die Seite gehen sollen.
    In die Voralpen mag ich aber zum Spazieren nicht fahren. Das ist zwar erlaubt, aber nicht im Sinne der Ausgangsbeschränkungen und auch dort soll es sehr voll sein .

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    • Oh, da mache ich hier eigentlich genau die umgekehrten Erfahrungen. Viele Paare versuchen, dann hintereinander zu laufen. Aber etliche – natürlich nicht alle – Familien scheinen zu meinen, der ganze Wald gehöre ihnen. Kinder rennen bunt durcheinander und einem auch schon über die Füße. Aber vermutlich sind das wieder nur die Wenigen, die dann aber eben unangenehm auffallen und einem so intensiv im Gedächtnis bleiben. Eigentlich schade.

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  4. Das Marschieren müssen wir also doch wieder erlernen, in Deutschland. Lol
    Na ja, militärisch war es eine Armlänge Abstand zum Vordermann. Der jetzige Abstand wäre der einer Seilschaft, oder? Müsste man sich hier in Bayern besser auskennen.
    Es wird hier auch immer surrealer. Heute bei der Postagentur nicht nur Mundschutz und Handschuhe, sondern auch nicht mehr direkt ins Gesicht blicken. 😉 LG Michael

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  5. Um hier positives aus der Großstadt zu vermelden: hier, in meinernWohngegend, wo sehr viele Menschen auf engem Raum leben, scheint mir nach meiner Beobachtung das Verständnis groß und die Menschen lassen einander Platz und Raum. Dass man hier zwangsläufig ständig jemandem auf der Straße begegnet, führt vielleicht auch zur „Gewöhnung“ an das Platzmachen und die Achtsamkeit ist gerade groß.
    Trotzdem strengt mich jedes Draußensein besonders an, weil ich nicht eben mal meinen Gedanken nachgehen kann oder die Natur am Wegesrand beobachten, sondern ständig bedacht darauf bin, Menschen auszuweichen.
    Aber auch das ist Jammern auf hohem Niveau. Was bin ich glücklich in einem Land zu leben mit fließend Wasser und der Möglichkeit zur ständigen Handhgiene …

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    • Genau diese positiven Beobachtungen mache ich hier in München auch…
      Mich strengt das nach draußen gehen auch an, weil ich dabei einen Hauch schlechten Gewissens und Furcht, jemanden anzustecken, nicht unterdrücken kann, obwohl ich sehr darauf bedacht bin, Abstand zu halten. 😉

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      • Wie geht es Dir denn dabei, wenn Du das Gefühl hast, dass Andere Deine Bemühungen, Abstand zu halten, um nicht anzustecken und ggf. nicht angesteckt zu werden, vermeintlich konterkarieren?

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      • Ich werde ungehalten – innerlich. Als Asperger Autistin bin ich natürlich ein ausgeprägter „Regeln-Mensch“, und wenn klare Anordnungen nicht befolgt werden, dann erbost mich das. 😉 Nach außen hin bleibe ich aber natürlich ruhig. Ich setze entweder meinen „Todesblick“ auf, oder weise freundlich darauf hin, doch bitte zum Besten von uns allen Abstand zu halten.

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      • Ich danke Dir für Deine offene Antwort. Dieses innerliche Ungehaltensein/-werden, ja, das kenne ich auch. In der Regel schaffe ich es aber, es in mir zu halten. Selbst die Blicke und Hinweise verkneife ich mir. Aber manchmal kommt vielleicht einfach zu viel übereinander, sodass die Kraft zum drinnen-Halten dann doch mal nicht ausreicht. War auch wirklich das erste Mal. Und wie gesagt, ich fand es nicht toll von mir…

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      • Heute nachmittag radelte eine Mutter mit ihren beiden Kindern – schätzungsweise sechs und neun Jahre alt – im Olympiapark. Ich stand auf dem Bürgersteig und wartete auf den Bus. Der ca. neunjährige Bub scherte aus und radelte ganz knapp an mir vorbei. Da verlor ich die Contenance und brüllte ihrer Mutter hinterher, ob sie ihren Kindern denn die Abstands- und Verkehrsregeln noch nicht beigebracht hätte. Und den Buben bedachte ich mit einem höchst uncharmanten bayerischen „Du Rotzlöffel, du gscherter!“ 😉

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      • Oh wow. Naja, ich kann gut nachvollziehen, dass man irgendwann dann doch mal „zu viel“ kriegt – auch wenn man eigentlich normalerweise ein recht netter und eher harmoniebedürftiger Mensch ist. Ich hoffe, es geht Dir inzwischen wieder gut.

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      • Das stimmt. Das schlechte Gewissen ist immer mit dabei. Ist es überhaupt okay, draußen im Wald rumzulaufen? Steckt man da nicht möglicherweise Andere an, wenn man es selbst hat, aber noch nicht weiß. Auch deswegen möchte ich ja gern den geforderten Abstand halten.

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    • Ja, ich denke auch, dass die allermeisten das tun, was in ihrer Macht steht, um der Situation gerecht zu werden. Und ich sehe hier natürlich auch viel Positives. Insbesondere finde ich es nach wie vor toll, dass es in den Läden so ruhig abläuft. Und ja, ich möchte eigentlich im Moment auch in keinem anderen Land sein.

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