Nach-Denken – dumme Schafherde oder Schwarm-Intelligenz?

Wenn sich jemand einer Mehrheitsmeinung anschließt, heißt es oft, dass er/sie ein blödes Schaf ist, dass sich einer dummen Schafherde anschließt – meist geäußert von denjenigen, die das, was die Mehrheit tut, nicht gutheißt.

Heißt das also, dass man sich keiner Mehrheit anschließen darf, weil man dann ja ein blödes Schaf ist?

Gesetzt den Fall, alle handeln nach dieser Maxime, ist dann nicht die Gruppe derer, die sich nicht der Mehrheit anschließt, plötzlich die Mehrheit, weil es ja nun keinen mehr gibt in der ursprünglichen Mehrheit? Was jetzt? Ist aus den Intelligenten, die sich nicht der Mehrheit anschließen, nun doch die Mehrheit geworden und damit eine dumme Schafherde?

Oder beruht die Bewertung einer größeren Gruppe eher darauf, ob man selbst Mitglied der Gruppe ist? Ist man selbst Mitglieder der Gruppe, dann ist man das schlaue Persönchen, dass an der Schwarmintelligenz teilhat? Ist man nicht Mitglieder der Gruppe, dann ist diese Gruppe eine dumme Schafherde?

Klingt für mich nicht sonderlich plausibel. Die Dumm- oder Klugheit einer Gruppe kann doch nicht damit zu tun haben, ob ich Teil davon bin oder nicht?

Was ja häufig mitschwingt in dem Ausdruck, dass jemand wie ein blödes Schaf einer dummen Schafherde hinterherrennt, ist wohl, dass es immer mal wieder vorkommt, dass man sich ohne großes Nachdenken einer Gruppe anschließt. Dafür gibt es sicherlich Gründe, auch wenn es durchaus empfehlenswert wäre, sich seine Schritte genau zu überlegen.

Aber jemanden, der/die sich einer Mehrheit anschließt – ob mit oder ohne reifliche Überlegung – direkt als blödes Schaf abzustempeln, halte ich dann doch für ein bisschen sehr vereinfacht.

Wir sehen uns auf dem Weg.
Let’s go!
Belana Hermine

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25 Gedanken zu “Nach-Denken – dumme Schafherde oder Schwarm-Intelligenz?

  1. …als soziale Wesen gehören wir gern der Mehrheit an, Intelligenz spielt da erst mal keine Rolle…
    …sich nicht der Mehrheit anzuschließen setzt ein gutes Selbstwertgefühl voraus…weil man möglicherweise ganz aleine stehen wird…
    …man kann also davon ausgehen, dass Leute mit geringem Selbstwertgefühl sich mehr von der Meinung der Mehrheit beeinflussen lassen, als Leute mit starkem Selbstwertgefühl, unabhängig von Intelligenz…
    …es erfordert immer Stärke, sich dazu zu bekennen, nicht mit der Mehrheit zu gehen, doch was nicht zu sehen ist, dass sich viele intelligente Leute mit einem guten Selbstwertgefühl unter die Mehrheit mischen, weil sie deren Meinung einfach für richtig hält…

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      • …ich meine, ob sich jemand der Mehrheit anschließt, hat nichts mit seiner Intelligenz zu tun und, was die meisten nicht glauben werden, oft auch nicht mit seiner Meinung oder Weltanschauung, sondern zuerst mit seiner Sozialisierung…Menschen, die als Kinder schlechte Erfahrungen mit Autoritäten machen, z.B. mit ihren Vätern, werden mit Wahrscheinlichkeit später allen Autoritäten misstrauen und sich daher eher als Außenseiter sehen als Mitglieder einer Gruppe…nur ein Beispiel…

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      • Es gibt da ein Buch („Erziehung prägt Gesinnung“), in dem sind die Mechanismen, die bei der Mehrzahl der Menschen, die unter autoritären Bedingungen aufgewachsen sind, wirken, herausgearbeitet werden. Die Mehrzahl wird (leider) nicht Außenseiter, sondern sucht sich neue autoritäre Figuren – diesmal eben selbstbestimmt, z. B. um nie wieder gegen den eigenen Willen so behandelt zu werden, oder macht sich selbst zum autoritären Führer.
        Aber das war ja gar nicht die Frage des Blogbeitrags.

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      • Danke für den Buchtipp…ja, die Frage des Beitrags, irgendwie komme ich damit nicht zurecht…ob ich mich der Mehrheit anschließe oder nicht, ist für mich erst einmal unwichtig, nebensächlich und ich würde nicht sagen, dass es die dummen Schafe sind, die sich der Mehrheit anschließen – auch, natürlich, aber nicht nur – das ganze verwirrt mich…

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      • Naja, ich möchte zum selbst-Nachdenken anregen. Deswegen gibt es eher selten wirklich Antworten. Aber wenn man sich durch die Verwirrung rappelt, sieht man am Ende vielleicht klarer – oder ist sich klarer, dass man von vornherein schon klar gesehen hat 😉

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    • Ja, ich glaube, wir sollten öfter über unser Verhalten nachdenken. Und es wird ja auch immer weiter geforscht, sodass es immer wieder neue Erkenntnisse zu Tage treten. Und Situationen ändern sich, sodass Entscheidungen auch überdacht und ggf. neu gefällt werden können und/oder müssen.
      Habe eine schöne und gesunde Woche

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  2. Eine Schafherde ist ein höchst soziales, gut durchorganisiertes Gebilde. Die Klugen und Erfahrenen, Weisen und Starken marschieren stets vorneweg. Jedes Schaf, das diesen folgt, ist keineswegs dumm oder ein „Schlafschaf“, sondern ziemlich intelligent und besonnen. 😉 Zudem schützen die Schafe in einer Herde stets die Schwachen, Alten, Kleinen und Kranken. Auch deshalb ist es eigentlich nicht verkehrt, einer Schafherde anzugehören. 😉 Ich altes „Schlafschaf“ renne in Zeiten einer Krise tausend Mal lieber einer ordentlichen und gut formierten Herde hinterher, die mich zuverlässig auf eine gute Weide führen wird, als irgendwelchen irreführenden Lügenbolden, Wichtigtuern und Blendern, die wie die bösen Wölfe im Märchen ihre Schäflein dem finsteren Abgrund entgegentreiben. 😉

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  3. „Alle Vereinsamung ist Schuld-so spricht die Herde“.
    Das hat Nietzsche geschrieben. Und ja, die Herde ist nur stark, wenn sie groß ist.
    Und selbst wenn sie aus dummen Schafen besteht, bietet sie Wärme und Schutz. Menschen, die, ohne groß zu überlegen, einfach dazugehören können, beneide ich manchmal und weiß doch, dass ich anders bin. .

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      • Ausschalten geht nicht, aber manchmal beim Schreiben, wenn Gedanken und Gefühle fließen, dann manchmal kann ich mich vergessen und das paradoxe: Je mehr ich mich vergesse desto mehr bin ich bei mir, desto mehr finde ich mich. War das jetzt dummes Zeugs?

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      • Nein, ich denke nicht, dass das dummes Zeug ist. Ich vermute, dass wir, wenn wir das „Außen“ ausschalten und meinen, uns zu vergessen, nur vergessen, uns auf das auszurichten, was wir meinen, dass es von außen erwartet wird. Dann fällt eine Art Schale ab und unserer eigentliches Ich kann uns bewusst werden.

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      • Ich liebe so lange Sätze! Sie nötigen zur Konzentration und lassen jene außen vor, die nur noch geistigen Fastfood vertragen.
        Aber zur Sache. Das mit der Schale gefällt mir gut . Ich denke das an eine Zwiebel. Wäre es nicht schade, immer nur auf der vertrockneten Oberfläche zu kratzen?

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      • Wenn ich mich wirklich versenken möchte, dann gefallen mir lange Sätze auch. Wenn ich aber schnell etwas aufnehmen muss, dann bin ich doch manchmal auch dankbar darum, nicht noch mentale Energie in das Auflösen der Wortverknotungen stecken zu müssen. Tja, man kann es einem Menschen vermutlich nie immer nur recht machen.
        Ja, Zwiebel ist ein gutes Bild. Und ich denke, man sagt wohl auch nicht umsonst: „Komm zum Kern der Sache.“ Dazu muss man sich eben manchmal ganz schön anstrengen…

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      • Hallo Hermine, ja, diese Kontaktformular krieg ich nicht ans Laufen, Schon zwei mal mit dem Support gechattet – langsam zweifele ich an meinem Geisteszustand. Deine Mail möchte ich gerne kriegen, denn Mails nicht zu beantworten würde mir in der Seele weh tun. Schick sie an die Firma mit dem „online“ am Schluss, von der manche als dem „Rosa Riesen“ reden“ und vor dem T- einfach Sinnfinder.
        Der Link zu Dir kommt jetzt in meine Blogroll und damit in jeden Beitrag. Du kriegst dann ab-und zu Besuch von Schreibrausch-Lesern. Warum? Weil ich Deine Beiträge gerne lese und mich auf die Art erkenntlich zeigen will. Herzlichst, D. H. Ludwig, der Sinnfinder von Schreibrausch.

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      • Die Mail habe ich nochmal abgeschickt. Ich hoffe, ich habe Deinen Wegweiser richtig interpretiert.
        Lieben Dank für die Aufnahme in die Blogroll. Ich muss mich mal mit solchen Dingen befassen. Würde mich schon auch gern besser erkenntlich zeigen wollen als nur durch „likes“.

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  4. …Du hast richtig interpretiert und ich werde vielleicht irgendwann begreifen, wie ich so ein Mailformular ans Laufen kriege.
    aber zu dem „Zwiebel-Problem“ kommt mir gerade noch ein Gedanke, dass eigentlich alles „Welt“ ist. auch unser Innerstes ist ja aus den Bedingungen dieser Welt entstanden und entwickelt sich ständig mit diesen Bedingungen. Die Trennung zwischen „Innen“ und „Außen“ ist vielleicht mit Vorsicht zu genießen. Trotzdem scheint es mir wichtig wahrzunehmen, zu fühlen und zu berücksichtigen, was in den vielen schichten verborgen ist.

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    • Tja, da sind wir dann bei der Frage, ob wir „leer“ geboren werden oder ob da nicht vorher schon etwas „drin“ war. Aber alles, was vorher noch nicht drin war, kommt definitiv über den Filter der sozialen Konstruktion in uns rein. Was dann davon tatsächlich man selbst ist, muss man durch akribische Kleinarbeit herausfinden.

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